Ein kräftiger Sprung der Ölpreise facht weltweit die Furcht vor anhaltender Inflation an und setzt die Aktienmärkte unter Druck. Weil Investoren darauf reagieren, dass die Zinsen länger hoch bleiben könnten, steigen die Renditen von Staatsanleihen spürbar. Für Aktienanleger bedeutet dieses Zusammenspiel Gegenwind auf breiter Front.
Die Notierungen für Rohöl legten am Donnerstag deutlich zu. Ein Barrel der Nordseesorte Brent verteuerte sich zeitweise auf über 104 Dollar, getrieben von Sorgen über Versorgungsengpässe nach Angriffen auf die Schifffahrt im Nahen Osten.
Staatsanleihen unter Verkaufsdruck
Die Verteuerung des Energieträgers schlägt direkt auf die Rentenmärkte durch. Die Rendite der richtungsweisenden zehnjährigen US-Staatsanleihe kletterte am Donnerstag auf 5,305 Prozent, nachdem sie am Vortag ein 24-Jahres-Hoch markiert hatte. Bei den zweijährigen US-Papieren stieg die Rendite auf 4,821 Prozent.
Höhere Renditen bedeuten fallende Kurse für bestehende Anleihen und verteuern die Refinanzierung für Staaten wie für Unternehmen. Marktbeobachter verweisen zudem auf die Verwundbarkeit der Märkte: Wenn fremdfinanzierte Positionen bei Kursverlusten aufgelöst werden müssen, kann dies zusätzliche Verkaufswellen auslösen.
Belastung für europäische und asiatische Indizes
Die Nervosität erfasste auch die europäischen Börsen. Der pan-europäische Leitindex Stoxx 600 gab um 0,7 Prozent nach und fiel damit in die Nähe seines tiefsten Stands seit Juni. Auch an der Wall Street starteten der S&P 500 und der technologielastige Nasdaq im Minus.
In Asien schlossen die Märkte zuvor bereits mit klaren Verlusten. Der japanische Nikkei büßte 1,4 Prozent ein, während der südkoreanische Kospi um 2,6 Prozent nachgab.
Erschwerend kommt die Haltung der Notenbanken hinzu. Fed-Gouverneur Christopher Waller signalisierte, dass weitere Zinsschritte nötig sein dürften, um die Teuerung auf das Ziel von zwei Prozent zu drücken. Die Europäische Zentralbank hat ihren Einlagensatz zuletzt auf 2,5 Prozent angehoben und ihre Inflationsprognosen für die kommenden Jahre nach oben korrigiert. Für die Sitzung der EZB am 29. Oktober halten sich die Währungshüter alle Optionen offen.
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