Liebe Leserinnen und Leser,
am Sonntag schrieb ich Ihnen, Sie sollten die geopolitische Rauschunterdrückung einschalten. Am Montag hat die Realität den Schalter wieder umgelegt. Der Iran schloss die Straße von Hormus erneut – diesmal als Vergeltung für die Beschlagnahmung eines Frachters durch die US-Marine. Die Friedensgespräche in Islamabad wackeln, die Waffenruhe läuft in der Nacht zum Mittwoch aus. Brent-Öl sprang am Montag um über 6 Prozent auf 95,85 Dollar je Barrel. Der DAX gab seine Freitagsgewinne vollständig ab und schloss 1,15 Prozent tiefer bei 24.417 Punkten.
Die Reflexe der Märkte sind bekannt: Lufthansa verlor 3,6 Prozent, American Airlines 3,1 Prozent – Streiknachwehen plus Kerosinpreisschock. RWE gewann 2,6 Prozent, weil Versorger in solchen Phasen als sicherer Hafen gelten. Bitcoin rutschte auf rund 75.000 Dollar, obwohl Michael Saylors MicroStrategy am Montag für 2,54 Milliarden Dollar weitere 34.164 Bitcoin erwarb und damit den BlackRock-ETF beim Gesamtbestand überholte.
So weit das erwartbare Programm. Doch wer jetzt ausschließlich dem Ölpreis hinterherläuft, übersieht eine strukturelle Gelegenheit, die sich im Software-Sektor aufgetan hat.
Die Cybersecurity-Lücke zwischen Kurs und Kasse
Erinnern Sie sich an die „Große Rotation“ zu Jahresbeginn? Die Wall Street zog massiv Kapital aus Tech-Werten ab. Cybersecurity-Aktien traf es besonders hart, die Bewertungen fielen auf mehrjährige Tiefs. Doch die Bilanzen erzählen eine völlig andere Geschichte.
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Palo Alto Networks meldete zuletzt einen Quartalsumsatz von 2,6 Milliarden Dollar – 15 Prozent mehr als im Vorjahr. CEO Nikesh Arora kaufte im März privat Aktien für 10 Millionen Dollar nach, sein erster Insiderkauf seit 2019. SentinelOne steigerte die Erlöse um 20 Prozent auf 271,2 Millionen Dollar, Zscaler wuchs um 26 Prozent auf knapp 816 Millionen Dollar.
Der globale Cybersecurity-Markt wird für 2026 auf 248 Milliarden Dollar geschätzt und soll bis 2034 auf 699 Milliarden Dollar anwachsen. Das Teilsegment der KI-gestützten Cybersicherheit legt jährlich um fast 20 Prozent zu. Die Logik ist einfach: Wenn physische Handelsrouten blockiert werden, steigt der Druck auf Unternehmen, wenigstens ihre digitale Infrastruktur abzusichern. Diese Budgets werden nicht gekürzt. Sie werden erhöht.
Software-Konzerne koppeln sich ab
Die relative Stärke zeigt sich auch jenseits der reinen Security-Spezialisten. ServiceNow lieferte einen Quartalsumsatz von 3,57 Milliarden Dollar ab – ein Plus von 20,7 Prozent. Institutionelle Schwergewichte wie Vanguard und State Street haben ihre Positionen ausgebaut, das Analystenhaus BTIG setzt ein Kursziel von 185 Dollar. Bei Cadence Design Systems sehen Analysten nach soliden Quartalszahlen Luft bis 400 Dollar.
Im Small-Cap-Bereich hat der Ausverkauf besonders deutliche Spuren hinterlassen. PagerDuty und Sprinklr weisen RSI-Werte unter 30 auf – technisch massiv überverkauft. Beide Unternehmen haben in den vergangenen Wochen neue, margenstarke KI-Tools für Unternehmenskunden ausgerollt. Die Kurse spiegeln das noch nicht wider.
17 Milliarden Dollar für TopBuild – M&A ignoriert die Geopolitik
Dass hinter den Kulissen reichlich Kapital bereitsteht, zeigte am Montag TopBuild. Die Aktie sprang um über 19 Prozent, nachdem der Konkurrent QXO ein Übernahmeangebot über 17 Milliarden Dollar vorgelegt hatte. Solche Transaktionen sind ein Signal: Strategische Käufer lassen sich von kurzfristigen geopolitischen Verwerfungen nicht abschrecken.
Auch im DAX gab es einen Ausreißer nach oben: Wacker Chemie legte um 1,7 Prozent zu, nachdem das Management die Umsatzziele für das laufende Jahr angehoben hatte. Dass operative Rückschläge manchmal nichts mit Weltpolitik zu tun haben, erfuhr AST SpaceMobile: Die Aktie stürzte vorbörslich um 12 Prozent ab, weil ein Satellit fehlerhaft im Orbit platziert wurde. Nicht jedes Risiko lässt sich geopolitisch einordnen – manchmal scheitert es an der Physik.
Was am Dienstag zählt
Die Berichtssaison nimmt Fahrt auf. In Deutschland öffnet Beiersdorf die Bücher zum ersten Quartal. Aus den USA kommen vier Schwergewichte: General Electric, 3M, Danaher und die UnitedHealth Group. Ihre Zahlen werden zeigen, ob die amerikanische Wirtschaft die höheren Zinsen und Inputkosten weiterhin so robust verarbeitet, wie es die bisherige S&P-500-Bilanz suggeriert – 88 Prozent der bislang gemeldeten Ergebnisse lagen über den Erwartungen.
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Am Sonntag stellte ich die Frage, wo die Widerstände liegen, an denen die Rallye ins Stocken geraten kann. Die Straße von Hormus hat eine erste Antwort geliefert. Die zweite kommt aus den Bilanzen. Wer in diesen Tagen nur auf den Ölpreis starrt, verpasst die interessanteren Verschiebungen – sie finden im Software-Regal statt.
Herzlichst, Ihr Andreas Sommer


