International Business Machines (IBM) forciert den Umbau zum Software- und KI-Spezialisten durch eine deutliche Ausweitung seiner globalen Vertriebsstrukturen. Das Unternehmen erweitert die Zusammenarbeit mit großen Distributoren auf insgesamt mehr als 20 neue Länder, um Produkte aus den Bereichen künstliche Intelligenz und Automatisierung breiter im Markt zu verankern.
Im gestrigen Handel an der Börse reagierten Anleger positiv auf die Expansionspläne, wobei die Aktie den Dienstag mit einem Kurs von 202,05 Euro beendete.
Software-Wachstum gegen Hardware-Flaute
Der US-Technologiekonzern befindet sich in einer Phase des strukturellen Wandels, in der das Softwaregeschäft zunehmend die Schwächen der traditionellen Hardware-Sparte ausgleichen muss. Medienberichten zufolge machen Softwarelösungen mittlerweile rund 45 Prozent des Gesamtumsatzes aus.
Besonders wertvoll für die Planungssicherheit ist dabei der Anteil der wiederkehrenden Erlöse, der in diesem Segment bei etwa 80 Prozent liegt. Diese Stabilität ist notwendig, da das Hardware-Segment zuletzt unter erheblichem Druck stand.
Im zweiten Quartal 2026 verzeichnete IBM einen massiven Rückgang der Mainframe-Verkäufe um 42 Prozent. Dieser Einbruch belastete das Konzernergebnis spürbar. Während der Gewinn pro Aktie mit 2,93 US-Dollar die Erwartungen der Marktteilnehmer noch punktgenau traf, blieb der Gesamtumsatz mit 17,16 Milliarden US-Dollar hinter den Prognosen zurück. Analysten hatten hier im Vorfeld mit einem Wert von rund 17,46 Milliarden US-Dollar gerechnet.
Fokus auf Infrastruktur und Cloud-Integrierung
Um das Wachstum im Bereich der künstlichen Intelligenz zu beschleunigen, investiert IBM massiv in neue Infrastrukturen. Das Unternehmen kündigte eine Zusammenarbeit mit Together AI an, die ein Volumen von 240 Millionen US-Dollar umfasst.
Ziel ist der Aufbau eines Nvidia-basierten GPU-Clusters in der IBM Cloud, der bis Anfang 2027 vollständig einsatzbereit sein soll. Parallel dazu wird die Partnerschaft mit OpenAI vertieft, um modernste Sprachmodelle wie GPT-5.6 in die eigenen Beratungsplattformen zu integrieren.
Gleichzeitig wird das Vertriebsnetz massiv ausgerollt. Der Distributor TD SYNNEX bringt das IBM-Portfolio in 20 neue Märkte in Europa, Lateinamerika und im asiatisch-pazifischen Raum.
Ergänzend dazu erweitert Arrow Electronics den Vertrieb auf sieben zusätzliche europäische Länder, darunter Deutschland, Tschechien und die Ukraine. Partner in diesen Regionen erhalten dadurch Zugriff auf die KI-Plattform watsonx sowie auf Automatisierungslösungen und Datenmanagement-Tools.
Analysten bewerten die Neuausrichtung
Trotz der strategischen Fortschritte spiegelt der Aktienkurs die Herausforderungen des laufenden Jahres wider. Seit Beginn des Jahres verzeichnet das Papier ein Minus von 22 Prozent. Damit notiert der Wert aktuell etwa 31 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch, das Anfang Juni bei 292,85 Euro markiert wurde. Die Skepsis am Markt rührt vor allem von den hohen Investitionskosten für die KI-Transformation und der steigenden Verschuldung für Übernahmen her.
Die Einschätzungen der Bankenhäuser bleiben dennoch überwiegend konstruktiv. Die Analysten von Barclays senkten zwar kürzlich ihr Kursziel auf 262 US-Dollar, behalten ihre Einstufung jedoch bei. Goldman Sachs sieht das Ziel für die Aktie derweil bei 270 US-Dollar.
Die Experten heben hervor, dass IBM sich erfolgreich als Systemintegrator für regulierte Branchen positioniert, was langfristig ein jährliches Gewinnwachstum von über vier Prozent ermöglichen könnte. Während kurzfristig die Schwäche im Mainframe-Sektor belastet, setzen Investoren auf die Skalierung der Software-Margen durch die neuen globalen Vertriebskanäle.
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