Die Internationale Energieagentur stemmt sich gegen die Rekordpreise an den Zapfsäulen und zieht geplante Notreserven vor. Wie die Organisation mit 32 Mitgliedsstaaten am Donnerstag beschloss, sollen mehr als 20 Millionen Barrel Diesel so schnell wie möglich auf den Weltmarkt gelangen. Mit der vorgezogenen Freigabe reagiert die IEA auf den Druck führender Industrienationen und will Versorgungsengpässe gezielt abfedern.
Hintergrund sind die Spannungen an den globalen Energiemärkten infolge der Konflikte im Nahen Osten und in der Ukraine. Die teuren Kraftstoffe heizen die Inflation an und belasten Verbraucher wie Unternehmen gleichermaßen. Vor allem aus Washington kam Druck: US-Präsident Donald Trump forderte die europäischen Partner auf, strategische Bestände abzubauen, und stellte andernfalls ein US-Ausfuhrverbot für Diesel in den Raum.
Frühere Zusagen werden vorgezogen
Der Beschluss beschleunigt eine bereits im März vereinbarte Maßnahme. Damals hatten sich die Mitgliedsstaaten verpflichtet, über 400 Millionen Barrel Rohöl und Ölprodukte bereitzustellen. Rund 330 Millionen Barrel davon wurden bislang in den Markt eingespeist.
Die verbleibenden Volumina sollen nun zügig freigesetzt werden. Zusammen mit den Dieselmengen umfasst das Paket rund 100 Millionen Barrel, die in den kommenden Monaten bereitgestellt werden. Damit erfüllt die IEA eine Forderung der G7-Staaten von Anfang Oktober. Einzelne Länder handeln bereits: Spanien kündigte für den laufenden Monat an, 4,4 Millionen Barrel aus seinen Notlagern freizugeben.
Reaktionen an den Terminmärkten
Am Markt sorgt der Schritt indessen für verhaltene Reaktionen. Der europäische Referenzpreis für Gasöl zog nach der Mitteilung zeitweise auf 1.430,75 Dollar je Tonne an.
Marktbeobachter verweisen darauf, dass im Vorfeld über deutlich größere Mengen verhandelt worden war. Ein Vorschlag hatte die Freigabe von bis zu 50 Millionen Barrel Diesel vorgesehen. Händler werten das tatsächliche Kontingent von 20 Millionen Barrel daher als Kompromiss, der zwar die Versorgung absichert, aber kaum Spielraum für spürbare Preisrückgänge bietet.
Mit der beschleunigten Zuteilung über die kommenden vier Monate will das Bündnis nun den Druck aus den Lieferketten nehmen, bevor in den USA am 3. November die Kongresswahlen anstehen.


