Die Stimmung in den deutschen Chefetagen hellt sich überraschend deutlich auf. Der Geschäftsklimaindex des Ifo-Instituts kletterte im September auf 89,9 Punkte. Es ist der fünfte Anstieg in Folge. Hinter den verbesserten Werten steckt jedoch vor allem die Rückkehr auf das Niveau des Vorjahres, noch kein stabiler Aufschwung.
Im August hatte das Barometer noch bei 88,8 Punkten gelegen. Volkswirte hatten im Schnitt mit einem verhalteneren Zuwachs gerechnet. Bemerkenswert ist vor allem die Breite der Erholung: Sowohl die aktuelle Geschäftslage als auch die Erwartungen für das kommende halbe Jahr verbesserten sich zeitgleich.
Die Lagebeurteilung verbesserte sich auf 89,5 Zähler. Der Erwartungsindex stieg parallel dazu auf 90,4 Punkte. An konjunkturellen Wendepunkten hoffen Betriebe oft früher, als neue Aufträge in den Büchern stehen. Im September schlug sich der Optimismus nun in beiden Komponenten nieder.
Industrie und Handel senden gemischte Signale
In den einzelnen Wirtschaftsbereichen zeigt sich ein uneinheitliches Bild. Während die Dienstleister klare Zugewinne verbuchen und ihre Aussichten nach oben korrigieren, bleibt die Situation in den Fabriken zwiespältig. Die Industrie blickt zwar deutlich zuversichtlicher nach vorn, bewertet ihre laufenden Geschäfte aber etwas schlechter als im Vormonat.
Im Handel stieg das Vertrauen an. Allerdings agieren die Einzelhändler angesichts anziehender Preise weiterhin vorsichtig. In der Bauwirtschaft verharrte das Barometer weitgehend unverändert: Einer etwas höheren Zufriedenheit im Tagesgeschäft stehen leicht gedämpfte Erwartungen gegenüber.
Aufholeffekt trifft auf strukturelle Hürden
Trotz der Aufwärtsbewegung ist der Abstand zur historischen Normalität beträchtlich. Im langjährigen Schnitt seit 1991 liegt das Geschäftsklima bei 96,55 Punkten. Bis zu dieser Marke fehlen über sechs Punkte – mehr als der gesamte Zuwachs seit dem Tiefstand im April.
Ökonomen werten die jüngste Belebung als zyklische Gegenbewegung, nicht als strukturelle Wende. Für das Gesamtjahr steht ein Wirtschaftswachstum von 1,4 Prozent im Raum, getragen von rund 40 Milliarden Euro an staatlichen Mitteln für Infrastruktur und Verteidigung. Dieser fiskalische Impuls schrumpft künftig planmäßig auf 27 und später 18 Milliarden Euro.
Hinzu kommen handfeste Bremsfaktoren. Als größtes Risiko gelten die Energiepreise infolge der Lage am Persischen Golf. Das Ifo-Institut rechnet zudem mit einer Inflationsrate von 2,8 Prozent in diesem und 3,0 Prozent im nächsten Jahr, was den geldpolitischen Spielraum einengt. Ohne anziehende Industrieaufträge stützt sich die jüngste Erholung vorerst vor allem auf Erwartungen.


