In der deutschen Metall- und Elektroindustrie stehen die Bänder in ersten Werken still. Unmittelbar nach dem Ende der Friedenspflicht hat die IG Metall in der Nacht zum Sonntag erste Warnstreiks begonnen, um den Druck in den laufenden Tarifverhandlungen zu erhöhen. Grund für die schnelle Eskalation ist eine tiefe Kluft zwischen den Forderungen der Gewerkschaft und dem Angebot der Arbeitgeber.
Weite Spanne bei den Entgeltforderungen
Der Konflikt betrifft das Herz der deutschen Wirtschaft: die Entgelte von rund 3,7 Millionen Beschäftigten im Autobau, im Maschinenbau, in der Elektronik und in der Metallerzeugung. Die IG Metall verlangt bei einer Laufzeit von zwölf Monaten ein Lohnplus von 5 Prozent sowie Garantien für Standorte und Arbeitsplätze. Regional fordert die Gewerkschaft zusätzlich eine tarifliche Gewinnbeteiligung in wirtschaftlich starken Betrieben.
Die Arbeitgeberseite legte in der zweiten Verhandlungsrunde hingegen ein Angebot vor, das eine Einmalzahlung im kommenden Jahr vorsieht. Eine tabellenwirksame Erhöhung soll es nach ihren Vorstellungen erst im Juli 2028 geben – und zwar um lediglich 1,3 Prozent. Die Industrieverbände begründen diese Zurückhaltung mit einer tiefen Konjunktur- und Strukturkrise sowie hohen Kostenbelastungen für die heimischen Standorte. Aus Sicht der Gewerkschaft bedeutet dieser Vorschlag angesichts der Teuerung jedoch einen Reallohnverlust, der in den Belegschaften für großen Unmut sorgt.
Aktionen weiten sich zum Wochenauftakt aus
Erste Arbeitsniederlegungen gab es bereits in der Nachtschicht bei mehreren Industrieunternehmen. So legten Beschäftigte beim Weißblechhersteller Thyssenkrupp Rasselstein in Andernach sowie beim Mobilfunkzulieferer RF 360 Europe in München zeitweise die Arbeit nieder. Auch im Walzwerk Speira in Hamburg und beim Zulieferer KSM Castings in Hildesheim kam es zu Ausständen.
Während Arbeitgeberverbände die Streikmaßnahmen als unangebrachtes Säbelrasseln und Erpressung kritisieren, bereitet die Gewerkschaft eine Ausweitung der Proteste vor. Für den Montag sind allein in Bayern Arbeitsniederlegungen in 34 Betrieben angekündigt, im Laufe der Woche sollen die Aktionen auf das gesamte Bundesgebiet ausgedehnt werden.


