Indiens Notenbank steuert auf erste Zinserhöhung seit Jahren zu

Anhaltende Inflation und kräftiges Wachstum sprechen für eine erwartete Leitzinserhöhung um 25 Basispunkte am Mittwoch.

KI-generiertes Symbolbild
Symbolbild, KI-generiert
Kurz & knapp:
  • 35 von 61 Ökonomen erwarten Zinsschritt
  • Inflation im August bei 4,82 Prozent
  • Wirtschaft wuchs im April-Juni-Quartal um 7,8 Prozent
  • Prognosen zum gesamten Zinszyklus gehen auseinander

Märkte und Volkswirte stellen sich auf eine Zinswende in Indien ein. Die Reserve Bank of India dürfte ihren Leitzins am Mittwoch um 25 Basispunkte anheben. Es wäre der erste Zinsschritt nach oben seit fast vier Jahren, getrieben von hartnäckigem Preisdruck und robustem Wirtschaftswachstum.

An den Swap-Märkten ist eine Anhebung der Kreditkosten bereits vollständig eingepreist. Auch unter Volkswirten überwiegt diese Erwartung: 35 von 61 befragten Experten rechnen mit dem Schritt am Mittwoch. Der Leitzins würde damit von 5,25 Prozent steigen, wo er seit knapp zehn Monaten verharrt.

Im Jahr 2025 hatte die Notenbank die Zinsen noch um insgesamt 125 Basispunkte gesenkt. Diese Phase expansiver Geldpolitik läuft nun aus. Der Handlungsdruck wächst von mehreren Seiten.

Wachsender Inflationsdruck und schwache Rupie

Vor allem die Preisentwicklung verlangt eine Reaktion. Die Verbraucherpreisinflation stieg im August auf 4,82 Prozent und lag damit den dritten Monat in Folge über der Zielmarke von 4,0 Prozent. Gleichzeitig liefert die Konjunktur den nötigen Spielraum: Im Quartal von April bis Juni wuchs die indische Wirtschaft um 7,8 Prozent.

Hinzu kommt die Schwäche der Landeswährung. Die Rupie notiert rund ein Prozent über ihrem Rekordtief vom vergangenen Mai. Da andere Notenbanken ihre Zinsen wegen weltweiter Energiepreisschocks bereits angehoben haben, würde ein Stillhalten in Neu-Delhi die Währung voraussichtlich weiter schwächen.

Uneinigkeit über das Ausmaß des Straffungszyklus

Während ein erster Schritt in dieser Woche breiter Konsens ist, gehen die Prognosen über das Gesamtausmaß des Zyklus auseinander. Nomura und Barclays kalkulieren mit moderaten Anhebungen von insgesamt 25 bis 50 Basispunkten. Die Bank of America und ANZ erwarten hingegen Straffungen im Umfang von 75 bis 100 Basispunkten.

Swap-Märkte preisen für die kommenden zwölf Monate Zinsanhebungen um etwa 100 Basispunkte ein. Mit der Zinsentscheidung am Mittwoch legt die Notenbank auch aktualisierte Prognosen für Wachstum und Inflation vor, die Aufschluss über die künftige geldpolitische Ausrichtung geben.

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Felix Baarz arbeitet seit 2016 als Wirtschaftsjournalist und gehört zur Redaktion der YES Investmedia GmbH.Unter seinem Namen erscheinen auf Trading-Treff seit März 2025 Beiträge zu Aktien, Trading und Indizes sowie zu wirtschaftlichen Rahmenthemen. Schwerpunkte sind Rohstoffwerte sowie KI- und Technologiewerte.Quellen dieses Ressorts: Unternehmensmitteilungen und Pflichtveröffentlichungen, Geschäftsberichte und Quartalszahlen, Kurs- und Handelsdaten der Börsenplätze sowie Meldungen der Nachrichtenagenturen. Bei Index- und Trading-Themen zusätzlich die Zusammensetzung und Anpassungen der Indexanbieter sowie Terminmarktdaten; bei Technologie- und KI-Werten Produktankündigungen und Geschäftszahlen der Unternehmen.Einordnung: Analystenurteile und Kursziele erscheinen als Aussage der jeweiligen Häuser, nicht als Bewertung der Redaktion. Kurs- und Unternehmensangaben geben den Stand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung wieder.