Erst das Rekordhoch, dann der tiefe Fall. Bei Infineon klaffen Euphorie und Realität plötzlich weit auseinander. Ein enttäuschter Blick nach Übersee reichte aus, um den stärksten Rücksetzer der vergangenen Monate auszulösen.
Der Sektor-Schock nahm seinen Ursprung in den USA. Broadcom lieferte zwar starke Quartalszahlen und steigerte den KI-Umsatz um 143 Prozent. Der Ausblick verfehlte jedoch die extrem hohen Markterwartungen.
CEO Hock Tan weigerte sich, die Jahresprognose für KI-Halbleiter anzuheben. Für das dritte Quartal peilt der US-Konzern nun 16 Milliarden Dollar an — Analysten hatten deutlich mehr erwartet. Diese Zurückhaltung löste eine Verkaufswelle aus, die den gesamten globalen Chipsektor erfasste.
Parallel dazu drückten unerwartet starke US-Arbeitsmarktdaten auf die Stimmung. Die vielen neuen Stellen geben der US-Notenbank wenig Spielraum für baldige Zinssenkungen. Steigende Anleiherenditen trafen zinssensitive Technologietitel wie Infineon daraufhin besonders hart.
Zwischen Rekordhoch und Korrektur
Der Abverkauf radierte die jüngsten Gewinne der Münchner zügig aus. Am Freitag brach das Papier um 12,81 Prozent ein und schloss bei 74,51 Euro. Damit entfernte sich der Kurs rasch vom erst wenige Tage zuvor markierten 52-Wochen-Hoch bei 89,67 Euro.
Trotz des Schocks bleibt der übergeordnete Trend intakt. Seit Jahresbeginn steht noch immer ein Plus von über 94 Prozent auf der Anzeigetafel. Der Abstand zur wichtigen 50-Tage-Linie bei 58,03 Euro bietet weiterhin einen soliden Puffer. Der zuvor überhitzte RSI-Indikator hat sich durch den Kursrutsch wieder in den neutralen Bereich abgekühlt.
Dichter Terminplan im Juni
In der neuen Handelswoche stehen für das Management gleich mehrere Auftritte an. Folgende Termine könnten neue Impulse liefern:
- 7. Juni: Barclays EMEA Technology Conference in London
- 8. Juni: BofA C-Suite TMT Conference
- 9. bis 11. Juni: PCIM Europe in Nürnberg (Fokus auf KI-Rechenzentren und Robotik)
Abseits der Konferenzen blicken Marktbeobachter nach München. Dort sind im Juni weitere Verhandlungen im Patentstreit gegen Innoscience angesetzt. Nachdem die US-Handelsbehörde ITC im Mai bereits Einfuhrverbote gegen den Konkurrenten verhängt hatte, könnte das anstehende Urteil die Marktposition von Infineon bei GaN-Halbleitern weiter definieren.
Bis zu den nächsten Quartalszahlen im August bleibt die fundamentale Nachrichtenlage aus dem eigenen Haus dünn. Charttechnisch rückt nun der Schlusskurs von 74,51 Euro in den Mittelpunkt. Hält dieses Niveau als Boden, etabliert sich eine Konsolidierung auf hohem Niveau. Fällt der Kurs weiter, dient der 50-Tage-Durchschnitt bei 58,03 Euro als nächstes technisches Auffangbecken.
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