Ein Ausverkauf bei Chipwerten in Asien erfasst am Donnerstag auch Infineon. Die Aktie fällt um 4,51 Prozent auf 64,51 Euro. Der Grund liegt nicht im Unternehmen selbst, sondern in einer Branche, die gerade an ihren eigenen Erwartungen scheitert.

Schwache Vorgaben aus Asien

Der südkoreanische Kospi bricht um 4,6 Prozent ein. Der japanische Nikkei 225 verliert knapp 3 Prozent. Beide Indizes leiden unter der gleichen Dynamik: Selbst starke Zahlen reichen der Chipbranche derzeit nicht mehr aus.

Ein Beispiel dafür liefert der niederländische Ausrüster ASML. Er hatte tags zuvor solide Quartalszahlen und eine optimistische Prognose vorgelegt. Die Kursreaktion verpuffte trotzdem fast vollständig. Nach den starken Kursgewinnen im zweiten Quartal fällt es der gesamten Branche schwer, die teils überzogenen Erwartungen der Anleger noch zu übertreffen.

DAX rutscht unter wichtige Marke

Die Schwäche aus Asien schwappt direkt auf den deutschen Markt über. Starke Autoaktien stützen den DAX zunächst, doch der Einbruch der Chipwerte in den USA und Asien bremst die Erholung.

Ein Bericht der Nachrichtenagentur Reuters verschärft die Lage zusätzlich. Demnach erwägt der Iran, die Ölroute durch das Rote Meer zu sperren. Der DAX verliert am frühen Nachmittag 1,14 Prozent auf 24.714 Punkte und fällt damit auf ein Tief seit Ende Juni. Die Marke von 25.000 Punkten rückt in weite Ferne.

Infineon besonders stark betroffen

Innerhalb des Index trifft es Infineon härter als die meisten anderen Werte. Der Kurs liegt inzwischen rund 28 Prozent unter seinem Rekordhoch von 89,67 Euro, das die Aktie erst am 3. Juni erreichte. Über die vergangenen sieben Handelstage summiert sich der Rückgang auf 12,12 Prozent, auf Monatssicht sind es 17,66 Prozent.

Der RSI von 35,7 zeigt eine bereits fortgeschrittene Verkaufsdynamik an. Die Volatilität der vergangenen 30 Tage liegt annualisiert bei 63,11 Prozent – ein deutliches Zeichen für die Nervosität rund um den Titel.

Der Absturz nach dem Höhenflug

Der aktuelle Rücksetzer folgt auf eine außergewöhnlich starke erste Jahreshälfte. Seit Jahresbeginn steht trotz der jüngsten Verluste noch immer ein Plus von 68,41 Prozent zu Buche. Auf Zwölfmonatssicht beträgt das Plus sogar 71,27 Prozent.

Diese kräftigen Vorlaufgewinne erklären einen Teil der aktuellen Anfälligkeit. Wer stark gestiegen ist, bietet mehr Angriffsfläche für Gewinnmitnahmen, sobald sich die Stimmung im Sektor eintrübt. Kein Wunder, dass gerade die Gewinner der vergangenen Monate jetzt besonders scharf korrigieren.

Für Infineon-Anleger zählt aktuell weniger die Unternehmenslage als die globale Stimmung im Chipsektor. Solange asiatische Indizes wie Kospi und Nikkei unter Druck bleiben, dürfte sich diese Kopplung fortsetzen.