Infineon selbst hat am Freitag nichts Neues zu vermelden. Die Aktie notiert bei 65,10 Euro, kaum verändert zum Vortag. Trotzdem zog tags zuvor ein Ausverkauf durch die Halbleiterbranche – ausgelöst von zwei Konkurrenten, die tausende Kilometer entfernt sitzen.
STMicro-Schock zieht Infineon mit runter
Am Donnerstag brach die Aktie von STMicroelectronics ein. Der Kursrutsch riss auch deutsche Werte mit runter. Infineon war mit einem Minus von 3,6 Prozent Schlusslicht im Dax.
Auslöser war eine schwache Umsatzprognose des französischen Chipherstellers. STMicro erwartet im dritten Quartal einen Umsatz von 3,7 Milliarden Dollar. Analysten hatten mit knapp 3,8 Milliarden Dollar gerechnet.
Dabei lief das operative Geschäft gut. Der Umsatz stieg im Vorjahresvergleich um 26 Prozent auf knapp 3,5 Milliarden Dollar. Die Reaktion an der Börse traf den Konzern trotzdem hart.
An der Pariser Börse sackte der Kurs zeitweise um bis zu 17 Prozent ab. Das ist der tiefste Stand seit Mitte Mai. Ein möglicher Grund: Die Fertigung des iPhone 18 laufe langsamer an als erwartet.
Auch gute Zahlen von Texas Instruments schützen nicht
Zusätzlichen Druck brachte der US-Wettbewerber Texas Instruments – allerdings nicht wegen schwacher Zahlen. Der Umsatz im zweiten Quartal lag bei 5,46 Milliarden Dollar. Der Gewinn je Aktie erreichte 2,14 Dollar, über den Erwartungen.
Auch der Ausblick fiel optimistisch aus. Für das dritte Quartal erwartet Texas Instruments einen Umsatz von 5,65 bis 6,15 Milliarden Dollar. Der Gewinn je Aktie soll zwischen 2,23 und 2,57 Dollar liegen.
Trotzdem verkauften Anleger die Aktie im nachbörslichen Handel. Offenbar reichte selbst eine über den Erwartungen liegende Prognose nicht aus. Nach einer starken Kursrally reagieren Investoren oft empfindlich, wenn Zahlen zwar gut, aber nicht überragend ausfallen.
Die Verunsicherung sprang auch auf europäische Werte wie Infineon über. Beide Konzerne beliefern ähnliche Märkte – vor allem die Autoindustrie und den Industriesektor.
Trotz Rücksetzer bleibt das Jahr stark
Der Rückschlag wirkt im Jahresvergleich klein. Seit Jahresbeginn steht Infineon noch immer mit 72,54 Prozent im Plus. Zum 52-Wochen-Hoch vom 3. Juni fehlen der Aktie inzwischen aber 27,40 Prozent.
Analysten uneins, Charttechnik angespannt
Analysten sehen weiterhin strukturelle Stärke bei Infineon. Der Markt fokussiert sich derzeit aber offenbar stärker auf das hohe Kurs-Gewinn-Verhältnis als auf das überdurchschnittliche Wachstumstempo.
Charttechnisch bleibt die Lage angespannt. Ein nachhaltiger Ausbruch über frühere Widerstandsmarken fehlt bisher. Bis dahin wirkt die aktuelle Erholung eher wie eine Gegenbewegung im kurzfristigen Abwärtstrend.
Der RSI-Wert liegt bei 40,1 – weder überkauft noch überverkauft. Das deutet auf eine neutrale, aber fragile Marktlage hin.
Wie eng Infineon an die Stimmung der globalen Chipbranche gekoppelt bleibt, zeigen die Reaktionen auf STMicro und Texas Instruments deutlich. Beide Konkurrenten bedienen dieselben Endmärkte – Automobil und Industrie. Kommt aus dieser Richtung die nächste überraschende Prognose, dürfte auch die Infineon-Aktie erneut ausschlagen.
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