Seit Jahresanfang feierten Investoren bei Infineon eine beispiellose Kursrallye. Am vergangenen Freitag riss dieser Faden abrupt ab. Ein Kurssturz von fast 13 Prozent drückte das Papier auf 74,51 Euro und beendete die wochenlange Euphorie im europäischen Halbleitersektor.
Broadcom zieht den Sektor mit
Auslöser der Verkaufswelle war ein enttäuschender Geschäftsbericht des US-Schwergewichts Broadcom. Die verhaltenen Aussichten des Konzerns erfassten Chip-Werte weltweit. Der technologielastige Nasdaq-Index gab auf Wochensicht spürbar nach. Marktbeobachter werten diesen Rücksetzer als notwendige Abkühlung. Zuvor hatte die Fantasie rund um Künstliche Intelligenz den Sektor über Monate hinweg befeuert.
Geopolitik trifft auf Zinsangst
Abseits der Branchenschwäche verdüstert sich das makroökonomische Umfeld. Die Schließung der Straße von Hormus treibt die globalen Energiepreise in die Höhe. Für einen energieintensiven Produzenten wie Infineon birgt diese Entwicklung ein konkretes Margenrisiko. Steigende Betriebskosten könnten die Profitabilität in den kommenden Quartalen spürbar belasten.
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Parallel dazu schwinden die Hoffnungen auf baldige Zinssenkungen. Der US-Arbeitsmarkt zeigte sich im Mai mit über 170.000 neuen Stellen robuster als erwartet. Diese anhaltende wirtschaftliche Stärke nährt Inflationssorgen. Das setzt besonders hoch bewertete Technologieaktien unter Druck, da künftige Gewinne stärker abgezinst werden müssen.
Chartbild bleibt intakt
Trotz des massiven Dämpfers glänzt die Jahresbilanz weiterhin mit einem Plus von gut 94 Prozent. Das langfristige charttechnische Bild zeigt sich robust. Der aktuelle Kurs notiert weit über dem 200-Tage-Durchschnitt von 42,66 Euro. Auch der Relative-Stärke-Index hat sich mit einem Wert von 55,1 in die neutrale Zone abgekühlt.
Die überkaufte Situation ist damit vorerst bereinigt. Hält die Unterstützung im Bereich der 74-Euro-Marke, könnte die Aktie einen neuen Boden ausbilden. Bricht dieses Level, rückt unweigerlich die 50-Tage-Linie bei rund 58 Euro in den Fokus der Händler.
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