Ein Halbleiter-ETF auf Allzeithoch, Rekordmargen bei Speicherchips und ein österreichisch-deutscher Sensorhersteller, der plötzlich in KI-Rechenzentren mitmischen will. Die Chipbranche liefert diese Woche Schlagzeilen im Akkord. Fünf Aktien zeigen dabei, wie unterschiedlich die Wachstumspfade innerhalb desselben KI-getriebenen Superzyklus verlaufen.
SK Hynix: Rekordquartal mit 71,5 Prozent operativer Marge
Die Zahlen aus Seoul sind schlicht außergewöhnlich. SK Hynix hat im ersten Quartal 2026 erstmals die Marke von 50 Billionen Won beim Umsatz durchbrochen — 52,6 Billionen Won, bei einem operativen Gewinn von 37,6 Billionen Won. Die operative Marge erreichte 71,5 Prozent, ein sequenzieller Anstieg um 1.300 Basispunkte.
Hinter den Zahlen steht die explodierende Nachfrage nach High Bandwidth Memory (HBM), den Speicherchips, die Nvidias KI-Beschleuniger erst leistungsfähig machen. Dazu kommen hochkapazitive Server-DRAM-Module und Enterprise-SSDs. SK Hynix hat inzwischen eine Nettokassenposition von 35 Billionen Won aufgebaut — ein finanzielles Polster, das den aggressiven Kapazitätsausbau absichert.
Der Kurs spiegelt diese Stärke wider. SK Hynix notiert bei 1.680.000 KRW, einem neuen 52-Wochen-Hoch, und hat seit Jahresbeginn rund 148 Prozent zugelegt. Samsung und SK Hynix vereinen mittlerweile 42,2 Prozent der gesamten KOSPI-Marktkapitalisierung auf sich — eine Konzentration, die sich innerhalb eines Jahres nahezu verdoppelt hat.
SK Securities schraubte das Kursziel auf 3 Millionen Won, basierend auf einer Prognose von 262 Billionen Won operativem Gewinn für 2026. Barclays hält an der Übergewichtung fest und betont, dass sich die Angebots-Nachfrage-Lücke bei Speicherchips „keinerlei Anzeichen einer Verbesserung“ zeige. Die zentrale Frage bleibt: Wie dauerhaft sind Margen jenseits der 70 Prozent, wenn die Branche mit Hochdruck neue Kapazitäten hochfährt?
Nvidia: Milliarden-Deal mit Corning vor den entscheidenden Quartalszahlen
Nvidia hat die Woche mit einem strategischen Paukenschlag eröffnet. Gemeinsam mit Corning kündigte der Chipkonzern eine mehrjährige Partnerschaft an, um die US-Fertigung optischer Verbindungslösungen für KI-Infrastruktur massiv auszubauen. Corning wird seine optische Konnektivitätsproduktion in den USA verzehnfachen und die Glasfaserkapazität um mehr als 50 Prozent steigern. Drei neue Werke in North Carolina und Texas sollen über 3.000 Arbeitsplätze schaffen.
Der Deal zielt auf einen technologischen Paradigmenwechsel: den Ersatz von Kupferverbindungen durch optische Glasfasern in Nvidias KI-Rack-Systemen — sogenannte Co-Packaged Optics. Corning-Aktien sprangen zweistellig, Nvidia legte im mittleren einstelligen Bereich zu.
Aktuell notiert die Aktie bei 181,66 Euro, nur knapp unter dem 52-Wochen-Hoch. Der Blick richtet sich jetzt auf den 20. Mai: Dann veröffentlicht Nvidia die Zahlen für das erste Fiskalquartal 2027. Der Konsens rechnet mit 78,8 Milliarden Dollar Umsatz — ein Plus von knapp 79 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
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Analysten liefern Rückenwind in unterschiedlicher Dosierung:
- DBS erhöhte das Kursziel von 220 auf 250 Dollar (Buy)
- Bernstein bekräftigte Buy mit Ziel 300 Dollar
- Rosenblatt hält das aggressivste Ziel bei 325 Dollar
Die Investitionsankündigungen der Großkunden untermauern die Nachfragedynamik. Meta hob die Obergrenze seiner Investitionsausgaben auf 145 Milliarden Dollar an, Microsoft plant 190 Milliarden Dollar für das Kalenderjahr 2026. Der Gegenwind durch US-Exportrestriktionen nach China bleibt allerdings ein realer Belastungsfaktor.
Infineon: KI-Geschäft in Vollauslastung, Autosparte unter Druck
Infineon hat die Jahresprognose angehoben — und wurde dafür vom Markt zunächst abgestraft. Die Aktie verlor im vorbörslichen Handel rund vier Prozent, nachdem sie am Vortag 6,5 Prozent zugelegt hatte. Ein Muster, das die Ambivalenz der Anleger offenlegt: Die Richtung stimmt, aber die Margentrajektorie sorgt für Skepsis.
Im zweiten Fiskalquartal erzielte der Münchner Halbleiterhersteller einen Umsatz von 3,81 Milliarden Euro bei einer Segmentergebnis-Marge von 17,1 Prozent. Für das Gesamtjahr hebt das Management die Prognose auf über 16 Milliarden Euro Umsatz und rund 20 Prozent Marge an. Der Treiber: explodierende Nachfrage nach Leistungshalbleitern für KI-Rechenzentren.
Das KI-bezogene Rechenzentrumsgeschäft soll im Fiskaljahr 2026 rund 1,5 Milliarden Euro erlösen, mit einer erwarteten Beschleunigung auf etwa 2,5 Milliarden Euro im Fiskaljahr 2027. Infineon bestätigt, dass dieses Segment aktuell in Allokation läuft — die Nachfrage übersteigt die Kapazität, und das Unternehmen fährt Kapazitäten aus anderen Bereichen um.
Die Autosparte zeichnet ein anderes Bild. Hochvolt-Leistungshalbleiter für elektrische Antriebsstränge stehen unter erheblichem Preisdruck. Massive Kapazitätserweiterungen der Konkurrenz und ein verändertes politisches Umfeld bei der E-Mobilitätsförderung drücken Preise und Volumina schneller als erwartet. Das Profitabilitätsniveau in diesem Geschäftsbereich sei „inakzeptabel“, so die Unternehmensführung.
Infineon notiert heute bei 60,50 Euro — ein Plus von 3,24 Prozent und nahe am 52-Wochen-Hoch von 61,53 Euro. Seit Jahresbeginn hat die Aktie knapp 58 Prozent zugelegt. Jefferies hält am Kaufrating fest, allerdings mit einem Kursziel von nur 52 Euro, das bereits überschritten wurde.
ASML: Angehobene Prognose, aber China-Risiko bleibt präsent
Der niederländische Lithografie-Monopolist bewegt sich in seiner eigenen Umlaufbahn. Ohne ASMLs EUV-Maschinen lässt sich kein fortschrittlicher Chip fertigen — weder KI-Beschleuniger noch hochmoderne Speicherchips. Diese Gatekeeper-Position hat die Aktie in diesem Jahr um rund 31 Prozent nach oben getrieben.
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Die Zahlen für das erste Quartal übertrafen die Erwartungen. ASML meldete einen Nettoumsatz von 8,8 Milliarden Euro gegenüber erwarteten 8,5 Milliarden und einen Nettogewinn von 2,8 Milliarden Euro statt prognostizierter 2,5 Milliarden. Die Jahresprognose wurde auf 36 bis 40 Milliarden Euro angehoben, zuvor lag die Spanne bei 34 bis 39 Milliarden.
Die Verschiebungen im Kundenportfolio verdienen Aufmerksamkeit. Chinas Anteil an den Systemverkäufen sank auf 19 Prozent, nach 36 Prozent im Dezemberquartal. Gleichzeitig platzierten SK Hynix und Samsung Electronics jeweils EUV-Bestellungen im Wert von rund 8 Milliarden Dollar. TSMC verschob die Einführung der hochmodernen High-NA-EUV-Maschinen allerdings auf frühestens 2029 — ein Kostensignal, das die kurzfristige Wachstumsphantasie bei der neuen Maschinengeneration bremst.
ASML notiert bei 1.292,40 Euro und damit rund 1,5 Prozent unter dem jüngsten 52-Wochen-Hoch. Der Analystenkonsens von elf Häusern lautet auf Kaufen. Die Premiumvbewertung birgt allerdings erhöhtes Rückschlagpotenzial, sollte der KI-Investitionszyklus stocken oder die Exportrestriktionen verschärft werden.
Ams Osram: Vom Sensorhersteller zum KI-Photonics-Player?
Die überraschendste Wendung der Woche lieferte Ams Osram. Der österreichisch-deutsche Chipkonzern, bekannt für Sensorik und Beleuchtungstechnik, hat seinen formalen Einstieg in den KI-Rechenzentrumsmarkt verkündet — und die Aktie reagierte mit einer Rallye auf ein neues 52-Wochen-Hoch von 17,90 Euro.
Im ersten Quartal erzielte Ams Osram einen Umsatz von 796 Millionen Euro und eine bereinigte EBITDA-Marge von 16,5 Prozent — beides über den Analystenerwartungen. Das Halbleiter-Kernportfolio wuchs um 9 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Die strategische Kernbotschaft: Ams Osram hat einen Prototypen für hochparallele Mikro-Emitter-basierte optische Verbindungen demonstriert und eine Entwicklungsvereinbarung mit einem führenden Branchenpartner geschlossen. Diese „langsamen und breiten“ optischen Interconnects zielen zunächst auf Kurzstreckenverbindungen zwischen Server-Racks, langfristig auf Chip-zu-Chip-Kommunikation. Sie bieten Vorteile bei Energieeffizienz, Wärmemanagement und Skalierbarkeit, erklärte CEO Aldo Kamper.
Der Abstand zwischen Entwicklungsvereinbarung und kommerziellem Umsatz in relevanter Größenordnung bleibt die zentrale Unsicherheit. Positiver Freier Cashflow wird erst für 2027 angepeilt. Der Verkauf des nicht-optischen Sensorgeschäfts an Infineon soll zur Jahresmitte abgeschlossen werden.
Die Analystenmeinungen gehen weit auseinander. J.P. Morgan hält an einem Verkaufsrating fest, UBS stuft die Aktie als Kauf ein. Der Konsens von zwölf Brokerhäusern lautet auf Halten. Seit Jahresbeginn hat sich der Kurs mehr als verdoppelt — eine Bewertungsdynamik, die nach Substanz verlangt.
Fünf Aktien, ein Zyklus — und sehr unterschiedliche Risikoprofile
Die sektorübergreifenden Muster dieser Woche lassen sich in wenigen Punkten verdichten:
- KI-Investitionen beschleunigen sich weiter: Meta, Microsoft und andere Hyperscaler schrauben ihre Ausgabenpläne auf dreistellige Milliardenbeträge hoch
- Die Wertschöpfungskette profitiert ungleichmäßig: SK Hynix und Nvidia sitzen am Epizentrum, Infineon profitiert über die Power-Schiene, ASML als Ausrüster — und Ams Osram versucht, sich überhaupt erst einen Platz zu sichern
- Bewertungen sind ambitioniert: Mehrere Titel notieren nahe ihrer 52-Wochen-Hochs, die RSI-Werte signalisieren teils überkaufte Niveaus
- Geopolitische Risiken bleiben virulent: US-Exportbeschränkungen treffen Nvidia direkt und ASML indirekt über den schrumpfenden China-Anteil
Halbleiterbranche zwischen Margenhöhen und Bewertungsrisiken
Der nächste Impulsgeber für den gesamten Sektor steht fest: Nvidias Quartalszahlen am 20. Mai. Analysten gehen davon aus, dass der Chipgigant mindestens 80 Prozent Umsatzwachstum liefern und eine starke Vorausschau bieten muss, um eine weitere Kursrallye auszulösen. Für SK Hynix wird entscheidend sein, ob die HBM-Sparte eine strukturell höhere Preismacht begründet als in klassischen DRAM-Zyklen. Infineons Spagat zwischen boomendem KI-Geschäft und schrumpfender Hochvolt-Autosparte dürfte die Margendiskussion weiter befeuern. Bei ASML hängt viel davon ab, ob die angehobene Prognose am Ende konservativ oder optimistisch ausfällt. Und für Ams Osram beginnt nach der strategischen Weichenstellung die eigentliche Bewährungsprobe: den Weg vom Prototypen zum Umsatzträger.
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