Der europäische Halbleitersektor startet mit neuem Selbstbewusstsein in die letzte Januarwoche 2026. Doch während die Branche dank starker Vorgaben aus Asien aufatmet, könnte die Stimmung bei den zwei heimischen Platzhirschen kaum unterschiedlicher sein. Hier der gefeierte Marktführer Infineon, dort das Sorgenkind STMicroelectronics (STM).
Die Charts sprechen eine deutliche Sprache: Während Infineon sich komfortabel über der 40-Euro-Marke eingerichtet hat und nach neuen Höchstständen greift, kämpft STM nach einem bitteren Jahr 2025 noch immer um den Boden unter den Füßen. Mit den entscheidenden Quartalszahlen von STM in wenigen Tagen stellt sich für Anleger die Gretchenfrage: Setzt man auf die ungebrochene Kraft des Tabellenführers oder auf das explosive Comeback-Potenzial des gefallenen Engels?
1. Die Ausgangslage: Wer hat das Momentum?
Ein Blick auf die Kurszettel zum Wochenauftakt offenbart eine tiefe Kluft zwischen den beiden Konzernen.
Infineon präsentiert sich als Fels in der Brandung. Die Aktie notiert bei rund 42,30 Euro und hat die Lagerkorrekturen im Automobilsektor erstaunlich gut weggesteckt. Der Grund liegt in der technologischen Dominanz: Bei Hochleistungschips (SiC/GaN), die für E-Autos unverzichtbar sind, führt kaum ein Weg an den Münchenern vorbei. Das Papier konsolidiert auf hohem Niveau und lauert auf den nächsten Ausbruch.
Ganz anders die Lage bei STMicroelectronics. Der Kurs dümpelt bei ca. 23,50 Euro und leckt noch immer die Wunden des Vorjahres, das von gleich drei Prognosekürzungen geprägt war. Doch Totgesagte leben oft länger: Ein Gerücht, wonach STM Sensoren für das kommende iPhone 18 liefern könnte, sorgte Anfang Januar für einen Kurssprung von fast 7 Prozent. Die Aktie lebt derzeit von der Hoffnung, dass das Schlimmste bereits eingepreist ist.
Der direkte Zahlen-Vergleich
| Kennzahl | Infineon (IFX) | STMicroelectronics (STM) |
|---|---|---|
| Kurs (ca.) | 42,30 € | 23,50 € |
| Trend (3 Monate) | Bullisch (+23%) | Stabilisierung / Bodenbildung |
| KGV 2026e (ca.) | 20 – 22 | 12 – 14 |
| Haupttreiber | Industrie-Erholung / KI-Power | Q4-Zahlen / Apple-Gerüchte |
| Größtes Risiko | Hohe Bewertung | Unsicherer Ausblick |
2. News-Check: Fakten gegen Fantasie
Was treibt die Kurse in dieser Woche an? Hier prallen solide Expansionspläne auf nervenaufreibende Event-Risiken.
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STMicroelectronics: Alles oder Nichts am Donnerstag
Für STM steht die Woche der Wahrheit an. Am Donnerstag, den 29. Januar, öffnet der Konzern seine Bücher für das vierte Quartal. Die Nervosität ist greifbar. Nach zweistelligen Umsatzrückgängen im Vorjahr suchen Investoren krampfhaft nach Anzeichen für die versprochene „U-förmige“ Erholung.
* Der Apple-Joker: Die Fantasie, als Zweitlieferant für LiDAR-Sensoren bei Apple einzusteigen, wirkt wie eine Lebensversicherung für den Kurs. Bestätigt sich dieses Gerücht auch nur ansatzweise, könnte das eine massive Neubewertung auslösen.
* Die Gefahr: Sollte der Ausblick auf 2026 erneut enttäuschen und die Industrie-Schwäche länger anhalten als gedacht, droht der Fall unter die kritische 22-Euro-Marke.
Infineon: Kraftdemonstration statt Zitterpartie
Bei Infineon herrscht dagegen geschäftige Ruhe. Der Newsflow untermauert die strategische Stärke.
* Expansion in der Heimat: Die jüngste Bestätigung, den R&D-Standort in Warstein massiv auszubauen, ist ein klares Signal. Während andere sparen, investiert Infineon antizyklisch in deutsche Ingenieurskunst.
* Strategischer Wandel: Der Konzern löst sich zunehmend von der reinen Abhängigkeit verkaufter Stückzahlen. Mit dem Fokus auf „Software-Defined Vehicles“ positioniert sich Infineon als Systemarchitekt, nicht nur als Teilelieferant. Das rechtfertigt in den Augen vieler Investoren den Bewertungsaufschlag.
3. Fundamentaldaten: Qualität hat ihren Preis
Wer tiefer in die Bilanzstruktur blickt, erkennt, warum die Bewertungsschere so weit auseinandergeht.
Infineon glänzt durch Margenstabilität. Selbst im schwierigen Marktumfeld 2025 konnten die Segmentergebnismargen im hohen Zehner- bis niedrigen Zwanziger-Bereich gehalten werden. Der „Systemansatz“ – also der Verkauf von Mikrocontroller, Leistungsteil und Sensor im Paket – schafft einen breiten Burggraben gegen die Konkurrenz.
STM hingegen zahlt den Preis für seine höhere Abhängigkeit von der Unterhaltungselektronik. Da Smartphones und Laptops früher in die Krise rutschten als Autos, brachen hier die Gewinne schneller weg. Die Bruttomargen, einst das Prunkstück der Franzosen-Italiener, gerieten zuletzt deutlich unter Druck.
Die Bewertungsfrage:
Infineon ist mit einem KGV von über 20 kein Schnäppchen mehr, liefert aber Verlässlichkeit. STM ist mit einem KGV von 12 bis 14 optisch billig. Trifft das Unternehmen seine Wachstumsziele für 2026, ist die Aktie fundamental unterbewertet. Verfehlen sie diese, ist sie eine klassische „Value Trap“.
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4. Technik-Duell: Ausbruch oder Absturz?
Auch im Chartbild stehen sich zwei völlig unterschiedliche Szenarien gegenüber.
Infineon: Der Bulle schnauft durch
Die Aktie befindet sich in einem intakten Aufwärtstrend. Die Konsolidierung knapp unter den Höchstständen ist gesund.
* Das Setup: Ein Sprung über die Marke von 43 Euro würde ein frisches Kaufsignal generieren und den Weg zur psychologisch wichtigen 50-Euro-Marke ebnen.
* Die Absicherung: Nach unten hin bietet der Bereich um 40 Euro eine massive Unterstützung. Solange diese hält, bleiben die Ampeln auf Grün.
STMicroelectronics: Tanz auf der Rasierklinge
Hier sehen wir den klassischen Kampf um die Bodenbildung.
* Das Setup: Um 22 Euro hat sich ein potenzieller „Doppelboden“ gebildet. Der jüngste Anstieg auf 23,50 Euro macht Hoffnung, doch der langfristige Abwärtstrend ist noch nicht gebrochen.
* Die Hürde: Erst ein Wochenschlusskurs über 26 Euro würde das Bild nachhaltig aufhellen. Bis dahin bleibt jeder Anstieg anfällig für Abverkäufe.
5. Zukunftsaussichten: Wer besitzt 2026?
| Sektor | Infineon Strategie | STMicroelectronics Strategie |
|---|---|---|
| Auto-Antrieb | Marktführer: Klare Dominanz bei SiC-Chips für E-Autos. | Herausforderer: Starke Partnerschaften (z.B. Tesla), aber kleinerer Marktanteil. |
| KI & Rechenzentren | Aufsteiger: Liefert die nötige Power-Elektronik für KI-Server. | Nische: Vorhanden, wird aber vom Markt weniger als „KI-Play“ wahrgenommen. |
| Consumer / IoT | Selektiv: Fokus auf hochwertige Komponenten. | Kerngeschäft: Hohe Abhängigkeit von Smartphones. Hohes Volumen, aber volatil. |
6. Fazit: Sicherheit oder Spekulation?
Das Duell Infineon gegen STMicroelectronics ist Ende Januar 2026 keine Frage von „Gut“ gegen „Schlecht“, sondern eine Frage des persönlichen Risikoprofils.
Infineon ist die Aktie für den ruhigen Schlaf. Das Unternehmen hat die relative Stärke auf seiner Seite, dominiert technologisch im Wachstumsmarkt Elektromobilität und genießt das Vertrauen des Marktes. Wer prozyklisch investieren will und an einen neuen Halbleiter-Aufschwung glaubt, kommt an diesem Wert nicht vorbei. Der Preis für diese Qualität ist jedoch eine ambitionierte Bewertung.
STMicroelectronics ist die heiße Wette für Mutige. Die Aktie ist ausgebombt, die Erwartungen an die Zahlen am Donnerstag sind im Keller. Genau hier liegt die Chance: Liefert STM auch nur halbwegs solide Daten oder bestätigt die Apple-Fantasie, sind 30 bis 40 Prozent Kurspotenzial keine Utopie. Enttäuscht der Konzern jedoch erneut, könnte der Boden bei 22 Euro schnell Risse bekommen.
Die Strategie für die Watchlist:
* Bei Infineon lohnt sich der Einstieg, sobald der Ausbruch über 43 Euro gelingt.
* Bei STMicroelectronics sollten konservative Anleger die Zahlen am 29. Januar abwarten. Zocker hingegen positionieren sich jetzt – mit engem Stoppkurs – auf die Turnaround-Karte.
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