Infosys steht vor einer entscheidenden Weichenstellung. Nach einer kurzen Erholungsphase zum Start in das neue Geschäftsjahr richtet sich der Blick der Anleger auf den US-Markt. Dort entscheidet sich, ob der indische Software-Konzern seine Wachstumsziele halten kann.

Die Aktie legte in der vergangenen Woche um knapp acht Prozent zu. Am Montag schloss das Papier bei 1.043,80 INR. Damit notiert Infosys rund zehn Prozent über dem Jahrestief von Anfang Juli. Die langfristige Bilanz bleibt allerdings belastet: Seit Jahresbeginn steht ein Minus von über 34 Prozent in den Büchern. Das Rekordhoch aus dem Februar ist derzeit 37 Prozent entfernt.

Uneinigkeit bei der Umsatzprognose

Die Erwartungen der Analysten für das erste Quartal gehen weit auseinander. JM Financial rechnet mit einer Senkung der Umsatzprognose auf eine Spanne von 1,5 bis 3 Prozent. Die Experten von Kotak halten dagegen eine Erhöhung auf bis zu 3,5 Prozent für möglich. Ein wesentlicher Treiber ist hierbei die Integration des Zukaufs von Optimum Healthcare.

Der indische IT-Sektor kämpft parallel dazu mit einem schwierigen wirtschaftlichen Umfeld. Rund 60 Prozent der Erlöse von Infosys stammen aus den Vereinigten Staaten. Dort bremsen hohe Zinsen die Ausgabenbereitschaft der Kunden. Zudem lastet der Preisdruck durch Künstliche Intelligenz auf der gesamten Branche.

Fokus auf spezialisierte Talente

Infosys reagiert auf den technologischen Wandel mit einer massiven internen Schulungswelle. Mehr als 100.000 Mitarbeiter nutzen bereits KI-Werkzeuge wie den Microsoft 365 Copilot. Der Arbeitsmarkt sendet derweil widersprüchliche Signale. Die Zahl der Stellenangebote im Technologiesektor stieg im Juli zwar um 14 Prozent gegenüber dem Vormonat.

Trotz dieses kurzfristigen Anstiegs liegen die Neueinstellungen deutlich unter dem Vorjahresniveau. Der Konzern verschiebt den Fokus bei der Personalplanung zunehmend auf Experten für Datenanalyse und spezialisierte KI-Rollen. Diese Strategie soll die Wettbewerbsfähigkeit in einem deflationären Marktumfeld sichern.

Unterstützung liefert die schwache Landeswährung. Die Rupie verlor im Quartalsverlauf rund drei Prozent an Wert, was die operativen Margen im Exportgeschäft entlastet. Das Investmenthaus Equirus bleibt bei seiner Kaufempfehlung und nennt ein Kursziel von 1.460 INR. Für das Gesamtjahr peilt das Management eine EBIT-Marge zwischen 20 und 22 Prozent an.