ING-Chef Steven van Rijswijk hält sich die Tür für große Fusionen im europäischen Bankensektor offen. Zuerst aber setzt er auf organisches Wachstum und kleinere Zukäufe. Am selben Tag enttäuschte das Institut mit seinen Quartalszahlen.

Zukäufe statt Megadeal

Die ING werde immer prüfen, ob größere Konsolidierungsschritte sinnvoll seien, sagte van Rijswijk. Beginne in Europa irgendwann ein Konsolidierungsspiel, müsse die Bank zumindest vorbereitet sein. Während andere Institute Milliardengeschäfte jagten, habe ING vor allem in eigene Aktivitäten investiert.

Das Ziel: Lücken im Portfolio schließen und eine „universellere Bank in mehr Märkten“ werden. Konkret erwirbt die ING eine 40-Prozent-Beteiligung an der spanischen Singular Bank, um das Private Banking dort auszubauen. Im Frühjahr hatte sich die Bank bereits die volle Kontrolle über die polnische Fondsgesellschaft Goldman Sachs TFI gesichert.

Gewinn unter den Erwartungen

Im dritten Quartal verdiente die ING unterm Strich 1,85 Milliarden Euro, ein Plus von 3,5 Prozent. Analysten hatten im Schnitt mit gut zwei Milliarden Euro gerechnet. Die Erträge legten um knapp sechs Prozent zu, getragen von einem um 15 Prozent gestiegenen Zinsüberschuss.

Gebremst wurde das Ergebnis durch sinkende sonstige Erträge und höhere Betriebskosten. Hinzu kam eine um fast ein Viertel erhöhte Risikovorsorge von 403 Millionen Euro. Im deutschen Geschäft drückte vor allem das Firmenkundensegment, der Vorsteuergewinn des Landes sank um ein Zehntel.

Dort fällt auch der Stellenabbau an. Rund 400 Jobs im Firmenkundengeschäft sollen wegfallen, weil Unternehmenskunden ab Anfang März 2027 nach Ländern statt nach Branchen betreut werden.

Ausschüttung und Ausblick

Den Aktionären stellt die Bank bis zu 1,9 Milliarden Euro für Dividende und Aktienrückkauf in Aussicht. Davon fließen 250 Millionen Euro Mitte Januar als Dividende, die übrigen 1,65 Milliarden Euro sollen bis zum 26. April 2027 in den Rückkauf gehen.

Die Aktie gab im Amsterdamer Handel zeitweise knapp drei Prozent auf rund 28,50 Euro nach. Seit Jahresbeginn liegt sie dennoch fast ein Fünftel im Plus. Für 2026 peilt van Rijswijk weiterhin Erträge von mehr als 24,5 Milliarden Euro an. Die Eigenkapitalrendite soll über 15 Prozent liegen, in den ersten neun Monaten waren es 15,6 Prozent.