Der Weg für die 7,8 Milliarden Euro schwere Übernahme des Logistikdienstleisters InPost ist weitgehend frei. Nachdem die Europäische Kommission am Montag die fusionskontrollrechtliche Freigabe ohne Auflagen erteilt hat, rückt der Abschluss der Transaktion in greifbare Nähe.
Ein Konsortium unter der Führung von FedEx und dem Finanzinvestor Advent International strebt den Erwerb sämtlicher Anteile an, wobei die Aktionäre ein Barangebot von 15,60 Euro je Aktie erhalten sollen.
Kartellrechtliche Hürde in Brüssel genommen
Die Entscheidung der Wettbewerbshüter, die am Dienstag öffentlich wurde, markiert einen entscheidenden Meilenstein für den geplanten Eigentümerwechsel. Das Konsortium besteht neben Advent International und einer Tochtergesellschaft von FedEx, die jeweils 37 Prozent der Anteile halten werden, auch aus A&R Investments mit 16 Prozent sowie der PPF Group mit 10 Prozent.
Durch die bedingungslose Freigabe der EU-Kommission ist nun nur noch eine behördliche Prüfung in Vietnam ausständig, bevor das Geschäft finalisiert werden kann.
Aufgrund der zeitintensiven kartellrechtlichen Prüfverfahren wurde die Angebotsfrist für die Aktionäre bereits verlängert. Ursprünglich war das Ende der Frist für den 27. Juli vorgesehen, nun haben die Anteilseigner bis zum 18. September Zeit, ihre Papiere dem Konsortium anzudienen.
Trotz des bevorstehenden Besitzerwechsels soll das Unternehmen seine operative Unabhängigkeit bewahren. Der Firmengründer und CEO Rafał Brzoska wird die Geschäfte weiterhin vom Hauptsitz in Polen aus leiten.
Marktreaktion und Annäherung an den Gebotspreis
Das Vertrauen der Anleger in einen erfolgreichen Abschluss der Übernahme spiegelt sich deutlich im Kursverlauf wider. Am Donnerstag schloss das Papier bei 15,47 Euro und liegt damit nur noch minimal unter dem gebotenen Preis von 15,60 Euro. Mit einer Marktkapitalisierung von 7,76 Milliarden Euro hat sich der Wert des Unternehmens seit dem Tiefstand im November deutlich erholt.
Der aktuelle Kurs liegt nur noch knapp unter dem bisherigen Jahreshöchststand, wobei der Abstand zum 52-Wochen-Hoch lediglich 0,5 Prozent beträgt. Diese geringe Differenz verdeutlicht, dass der Markt kaum noch mit einem Scheitern der Transaktion oder substanziellen Nachbesserungen rechnet. Die Bewertung spiegelt nun fast vollständig den Cash-Wert des Übernahmeangebots wider, während die Volatilität der Aktie zuletzt deutlich abgenommen hat.
Finanzielle Entwicklung und operative Kennzahlen
Während die Übernahme voranschreitet, bleibt die operative Entwicklung des Unternehmens dynamisch. Für den 31. August ist die Veröffentlichung der Ergebnisse für das erste Halbjahr geplant. Ein Rückblick auf das erste Quartal zeigt ein kräftiges Mengenwachstum: Die Paketvolumina stiegen im Vergleich zum Vorjahr um 32 Prozent auf 359,2 Millionen Stück. Dies trieb den Umsatz um 31 Prozent auf 3,86 Milliarden PLN nach oben.
Allerdings steht das Unternehmen vor Herausforderungen bei der Profitabilität. Das bereinigte EBITDA sank im ersten Quartal um 4 Prozent auf 902,2 Millionen PLN, obwohl dieser Wert immer noch fünf Prozent über den ursprünglichen Konsensschätzungen lag.
Die bereinigte EBITDA-Marge verengte sich dabei deutlich von 31,9 Prozent im Vorjahreszeitraum auf 23,4 Prozent. InPost begründete diesen Rückgang vor allem mit den Transformationskosten für das Geschäft im Vereinigten Königreich.
Internationalisierung als Wachstumstreiber
Trotz des Margendrucks durch Expansionsinvestitionen zeigt die Strategie der geografischen Diversifizierung Erfolge. Der internationale Umsatzanteil kletterte zuletzt auf 53 Prozent des Gesamtvolumens, was insbesondere auf die starken Zuwächse in der Eurozone und in Großbritannien zurückzuführen ist. Für das Gesamtjahr hält das Management an seiner Prognose fest und erwartet ein Volumenwachstum im mittleren bis hohen Zehnerbereich.
Die Prognosen für das laufende zweite Quartal sahen zudem ein anhaltend hohes Tempo in den internationalen Märkten vor, wo Zuwächse im hohen 20-Prozent-Bereich anvisiert wurden.
In Polen, dem Heimatmarkt des Logistikers, wird hingegen mit einem Wachstum im mittleren bis hohen einstelligen Bereich gerechnet. Diese Zahlen untermauern die Attraktivität des Unternehmens für das Bieterkonsortium, das mit InPost eine führende Position im europäischen Paketmarkt festigen möchte.
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