Starke Zahlen des Ausrüsters ASML reichen nicht, um die Chipbranche zu stützen. Intel-Papiere verlieren im NASDAQ-Handel zeitweise 4,35 Prozent auf 98,23 Dollar, nachdem sie vorbörslich noch deutlich glimpflicher davongekommen waren. AMD und Marvell geben noch stärker nach.
Chipwerte seit Tagen unter Druck
Die Schwäche kommt nicht aus dem Nichts. Schon am Dienstag standen Halbleiterwerte teils deutlich unter Druck. Branchenkenner nennen hohe Ölpreise, Sorgen um die KI-Finanzierung und Fortschritte des chinesischen Speicherherstellers CXMT als Belastung. Ein Marktstratege hält die Reaktion auf CXMT für überzogen, da der Konzern keine Großserie nachgewiesen habe.
Der iShares Semiconductor ETF ist sechs Handelstage in Folge gefallen und steuert auf den siebten Verlusttag zu. Das wäre die längste Serie seit Mai 2025.
Hinzu kommen Inflationsdaten. Die US-Verbraucherpreise stiegen im September stärker als erwartet. Anleger rechnen deshalb damit, dass die US-Notenbank früher und häufiger an der Zinsschraube drehen muss. Höhere Zinsen drücken die Bewertung wachstumsstarker Techwerte und verteuern die Refinanzierung.
ASML liefert, Intel bleibt vorsichtig
ASML meldete für das dritte Quartal einen Rekordumsatz von 11,7 Milliarden Euro und hob die Jahresprognose am unteren Ende an. Konzernchef Christophe Fouquet erwartet, dass das Angebot für 2027 und 2028 die Nachfrage nicht deckt. Jefferies sah das Quartal weitgehend im Rahmen der Erwartungen, JPMorgan wertete Zahlen und Ausblick als besser als erwartet.
Für Intel ist das Bild gemischt. Der Konzern nutzt High-NA-EUV-Technik von ASML bereits in der Serienfertigung auf Intel 18A. Starke Nachfrage könnte es dem Ausrüster aber erlauben, höhere Preise durchzusetzen. Das würde Kunden wie Intel belasten.
Intel-Chef Lip-Bu Tan nannte auf einer Konferenz in Singapur Kapital und Kapitalkosten als mögliche Herausforderung. In den nächsten zwei bis drei Jahren erwartet er keine deutliche Abschwächung der Nachfrage. Broadcom-Chef Hock Tan warnte, die Ausgaben könnten nachlassen, falls die Nutzung neuer KI-Modelle hinter den Erwartungen zurückbleibt.
Beteiligung an Photonik-Start-up
Am Rande sorgte eine Finanzierungsrunde für Aufmerksamkeit. Intel Capital beteiligt sich gemeinsam mit AMD Ventures an einer 125 Millionen Dollar schweren Series-B-Runde des Photonik-Spezialisten Salience Labs. Das Start-up entwickelt optische Schalter für KI-Rechenzentren. Für Intels Kurs dürfte das kaum eine Rolle spielen, es zeigt aber, wohin der Konzern seine Investitionen lenkt.
Am 20. und 21. Oktober zeigt Salience Labs seine Technik auf dem PECC Summit in Sunnyvale.
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