Der Halbleitersektor sah sich am Dienstag mit deutlichem Verkaufsdruck konfrontiert, getrieben durch makroökonomische Faktoren wie steigende Anleiherenditen und eine allgemein sinkende Risikobereitschaft der Anleger. In diesem schwierigen Marktumfeld bewies Intel eine vergleichsweise hohe Widerstandsfähigkeit.
Während Wettbewerber wie AMD und Qualcomm Verluste von über zwei Prozent verbuchten, gab das Papier des kalifornischen Konzerns Medienberichten zufolge lediglich um 0,60 Prozent nach. Am heutigen Donnerstag notiert die Aktie bei 77,67 Euro, was einem leichten Zuwachs von 0,2 Prozent entspricht.
Strategische Neuausrichtung im Bereich der Agentic AI
Ein wesentlicher Treiber für das Vertrauen der Investoren ist die vorangetriebene Strategie im Bereich der künstlichen Intelligenz (KI). Das Unternehmen stellte jüngst eine Infrastruktur-Offensive vor, die auf sogenannte „Agentic AI“-Workloads spezialisiert ist.
In Kooperation mit SambaNova und Foxconn demonstrierte Intel eine produktionsreife Rack-Scale-Infrastruktur. Das neu enthüllte System Vector Core Compute (VC2) kombiniert dabei Intel Xeon-Prozessoren mit Recheneinheiten von SambaNova und NVIDIA Blackwell GPUs, um komplexe KI-Inferenzprozesse in der Cloud effizienter abzubilden.
Diese technologische Entwicklung steht im Fokus des bevorstehenden Auftritts von CEO Lip-Bu Tan. Er wird am 15. September auf dem AI Infra Summit im Rahmen eines Kamingesprächs über Innovationen bei Silizium-Systemen und Software sprechen. Der Markt erhofft sich von dieser Teilnahme weitere Details zur Skalierbarkeit der neuen Cloud-Lösungen, insbesondere da das Unternehmen im KI-Segment zuletzt ein massives Wachstum verzeichnete.
Starke Quartalszahlen und abgeschlossene Kapitalmaßnahme
Die finanzielle Basis für diese Expansion legte Intel bereits mit den Ergebnissen des zweiten Quartals. Das Unternehmen meldete einen Umsatz von 16,1 Milliarden US-Dollar, was einem Zuwachs von 25 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum entspricht – das stärkste Wachstum seit über 15 Jahren.
Besonders hervorzuheben ist das Segment Data Center & AI mit einem Umsatzplus von 59 Prozent. Auch die Foundry-Sparte legte um 31 Prozent zu, wobei bereits zehn langfristige Kundenvereinbarungen mit festen Preis- und Volumenzusagen unterzeichnet wurden. Laut CNBC übersteigt die aktuelle Nachfrage die verfügbaren Kapazitäten.
Zur Finanzierung der massiven Investitionen schloss der Konzern vor rund zwei Wochen eine umfangreiche Kapitalerhöhung ab. Dabei wurden 210,5 Millionen neue Aktien zu einem Preis von 95 US-Dollar platziert, was Intel einen Bruttoerlös von rund 20 Milliarden US-Dollar einbrachte.
Das Kapital soll vorrangig für Investitionsausgaben (CapEx) verwendet werden, die im laufenden Jahr die Marke von 20 Milliarden US-Dollar überschreiten dürften. Trotz des Kursrücksetzers vom 52-Wochen-Hoch notiert der Wert mit 77,67 Euro weiterhin deutlich über dem 200-Tage-Durchschnitt von 64,44 Euro.
Ausblick auf das dritte Quartal
Für das laufende dritte Quartal prognostiziert das Management einen Umsatz zwischen 15,8 und 16,8 Milliarden US-Dollar bei einer bereinigten Bruttomarge von etwa 42 Prozent. Die offiziellen Ergebnisse werden am 21. Oktober nach Börsenschluss erwartet. Analysten rechnen laut Daten von ChartMill im Konsens mit einem Gewinn je Aktie von 0,39 US-Dollar.
Im Fokus der Anleger wird dann vor allem die Entwicklung der Foundry-Margen und der Fortschritt bei der Kapazitätsausweitung stehen, nachdem Intel im April bereits die Anteile von Apollo an der Fab 34 in Irland für 14,2 Milliarden US-Dollar vollständig zurückerworben hat.
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