Im US-Präsidentschaftswahlkampf rückt Intel zunehmend in das Zentrum der wirtschaftspolitischen Debatte. Während Regierungsvertreter die Beteiligung des Staates an dem Halbleiterkonzern als Finanzierungsquelle für milliardenschwere Bürgerdividenden anführen, untermauert das Unternehmen seine technologische Führungsrolle in der Chipfertigung. An der Börse reagierte der Titel gestern mit einem Kursplus von 2,7 Prozent auf 88,70 Euro.
Staatsbeteiligung als Finanzierungsquelle für „Trump-Dividende“
Der US-Handelsminister Howard Lutnick konkretisierte am Freitag Pläne für eine sogenannte „Trump-Dividende“ in Höhe von 5.000 US-Dollar für jeden erwachsenen US-Bürger. Die Gesamtkosten dieses Vorhabens werden auf bis zu 1,3 Billionen US-Dollar geschätzt.
Laut Lutnick soll diese Zahlung nicht aus Steuergeldern, sondern unter anderem aus den Erträgen einer staatlichen Intel-Beteiligung finanziert werden. Hintergrund ist die Umwandlung von Fördergeldern aus dem CHIPS Act im August 2025, durch die die US-Regierung zum größten Aktionär des Konzerns wurde.
Lutnick verwies darauf, dass der Staat rund 500 Millionen Intel-Aktien zu einem Kurs von etwa 20 US-Dollar erworben habe. Angesichts der massiven Kurssteigerungen – die Aktie verbucht seit Jahresanfang ein Plus von 182 Prozent – bezifferte der Handelsminister den aktuellen Buchgewinn der Regierung auf rund 50 Milliarden US-Dollar.
Zwar deckt diese Summe nur einen Bruchteil des geplanten Dividendenprogramms, doch unterstreicht die Argumentation die Bedeutung von Intel als strategisches Staatsinvestment. Bedingung für die Umsetzung der Zahlungen sei jedoch, dass die Republikaner bei den anstehenden Midterm-Wahlen beide Kammern des Kongresses verteidigen.
Vorsprung in der High-NA-EUV-Produktion
Abseits der politischen Bühne meldet Intel signifikante Fortschritte in der Fertigungstechnologie. In Kooperation mit dem Ausrüster ASML hat das Unternehmen nach eigenen Angaben bereits mehr als eine Million 300mm-Wafer mit der fortschrittlichen High-NA-EUV-Lithografie verarbeitet.
Dieser Meilenstein umfasst die Tool-Zertifizierung, Forschung und Entwicklung sowie die Volumenproduktion für die kommende Prozessorgeneration „Panther Lake“ (Core Ultra Series 3) auf dem Intel-18A-Knoten.
Mit diesem Volumen übertrifft Intel die restliche Branche in der Nutzung dieser Hochtechnologie deutlich. Während Intel bereits drei der bis zu 350 Millionen US-Dollar teuren High-NA-Scanner einsetzt, plant der Konkurrent TSMC den Einstieg in die Volumenproduktion mit dieser Technik erst für das Jahr 2030. Die Intel-Foundry-Sparte konnte im zweiten Quartal 2026 ihren Umsatz um 31 Prozent auf 5,8 Milliarden US-Dollar steigern, wenngleich das Segment aufgrund hoher Investitionen weiterhin einen operativen Verlust von 2,1 Milliarden US-Dollar ausweist.
Börsengang der Tochter Altera und Analysteneinstufung
Für zusätzliche Bewegung sorgt die Nachricht über einen geplanten Börsengang der Tochtergesellschaft Altera. Der Finanzinvestor Silver Lake, der im September 2025 einen Anteil von 51 Prozent an Altera übernommen hatte, strebt laut Medienberichten ein IPO mit einem Volumen von mehr als zwei Milliarden US-Dollar für das laufende Jahr an. Intel hält weiterhin 49 Prozent an dem Unternehmen, das 2015 für rund 16,7 Milliarden US-Dollar erworben worden war.
Im Marktumfeld ordneten Analysten die jüngste Rally neu ein. Die Experten von Piper Sandler nahmen die Coverage für die Aktie gestern mit einer neutralen Einstufung neu auf.
Das Haus verwies darauf, dass der starke Kursanstieg der vergangenen Monate wenig Raum für kurzfristige weitere Zuwächse lasse, hob jedoch die verbesserte Marktpositionierung im CPU-Bereich hervor. Trotz der jüngsten Konsolidierung notiert das Papier weiterhin 34 Prozent über seinem gleitenden 200-Tage-Durchschnitt, was den langfristigen Aufwärtstrend bestätigt.
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