Intel explodiert, Micron auf Allzeithoch — Nvidia wartet auf den großen Abend

Intel und Micron führen die Chip-Rally an, während Nvidia und Infineon vor wichtigen Quartalszahlen stehen. TSMC kämpft mit voll ausgelasteten Kapazitäten.

Nvidia Aktie
Kurz & knapp:
  • Micron erreicht neues Allzeithoch
  • Intel mit spektakulärem Tagesplus
  • Nvidia vor entscheidendem Earnings-Termin
  • Infineon mit hohen Erwartungen vor Zahlen

Kapazitätsengpässe, Rekordmargen und eine CPU-Renaissance: Die fünf wichtigsten Chipwerte stehen im Mai 2026 an völlig unterschiedlichen Wendepunkten. Während Intel und Micron die Kurstafel dominieren, rückt für Nvidia und Infineon der nächste Earnings-Termin in den Fokus — und TSMC kämpft mit einem Problem, das sich die meisten Unternehmen wünschen würden: zu viel Nachfrage.

Micron: Rekordjagd mit dreistelligem Jahresplus

Micron markiert heute ein neues Allzeithoch bei 547,90 €. Ein Tagessprung von über 11 % krönt eine Rally, die den Kurs seit Jahresanfang mehr als verdoppelt hat. Hinter der Euphorie steckt ein fundamentaler Wandel: Der Speicherchip-Markt hat sich von einem zyklischen Problemkind zum strategischen Engpass der KI-Infrastruktur verwandelt.

CEO Sanjay Mehrotra beziffert die Lieferfähigkeit bei Schlüsselkunden auf lediglich 50 bis zwei Drittel der Nachfrage. Erstmals sollen Rechenzentren 2026 mehr als die Hälfte des adressierbaren Gesamtmarkts für Speicherchips ausmachen. Die Hyperscaler bestätigen das Bild unabhängig voneinander: Meta begründet steigende Investitionsbudgets mit höheren Komponentenpreisen, Microsoft beziffert den Effekt auf 25 Milliarden Dollar, und Amazons CEO spricht von „explodierenden“ Speicherkosten.

Die Zahlen des Fiskaljahres untermauern den Wandel. Im zweiten Fiskalquartal 2026 erreichte der Umsatz 23,9 Milliarden Dollar — fast eine Verdreifachung im Jahresvergleich. Die Bruttomarge kletterte auf einen Unternehmensrekord von 75 %. Für das dritte Quartal stellt das Management 33,5 Milliarden Dollar Umsatz bei 81 % Marge in Aussicht.

Die Analystenreaktion fällt entsprechend aggressiv aus:

  • DA Davidson setzt ein Kursziel von 1.000 Dollar, gestützt auf einen ungewöhnlich langen KI-getriebenen Speicher-Superzyklus
  • Melius gibt 700 Dollar als Ziel aus
  • TD Cowen erhöht von 550 auf 660 Dollar und betont, die entscheidende Frage sei nicht mehr die Gewinnhöhe, sondern die Dauerhaftigkeit der Nachfrage

Als einziger US-amerikanischer HBM-Hersteller in einem Oligopol mit SK Hynix und Samsung besetzt Micron eine strategisch kaum angreifbare Position. Der RSI von 73,5 signalisiert allerdings, dass der Kurs kurzfristig überhitzt sein könnte.

Intel: Qualcomm-Veteran soll die physische KI erobern

Intel liefert heute den spektakulärsten Tagesgewinn im Sektor. Mit einem Plus von über 14 % auf 93,77 € markiert die Aktie ein neues 52-Wochen-Hoch. Seit Jahresanfang hat sich der Kurs beinahe verdreifacht — eine Entwicklung, die vor einem Jahr kaum jemand für möglich gehalten hätte.

Auslöser der heutigen Kursexplosion: Berichte, wonach Apple Chip-Lieferoptionen mit Intel prüft. Das allein wäre eine tektonische Verschiebung in der Branchenlandschaft. Parallel dazu sorgt eine hochkarätige Personalentscheidung für Aufmerksamkeit.

Am 4. Mai gab Intel die Verpflichtung von Alex Katouzian bekannt, einem 25-jährigen Qualcomm-Veteranen, der zuletzt die Bereiche Mobile, Compute und Extended Reality verantwortete. Als Executive Vice President leitet er nun Intels Client Computing und Physical AI Group. CEO Lip-Bu Tan baut damit ein Führungsteam auf, das Intel in zwei konvergierende Märkte gleichzeitig führen soll: den klassischen PC-Markt und die aufkommende Kategorie physischer KI — von Robotik über autonome Maschinen bis hin zu KI-Endgeräten.

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Die Quartalszahlen liefern die Grundlage für das Vertrauen. Im ersten Quartal 2026 kam der Gewinn pro Aktie auf 0,29 Dollar — bei einer Erwartung von einem Cent. Der Umsatz erreichte 13,58 Milliarden Dollar und übertraf die Konsensschätzung um fast eine Milliarde. Das Rechenzentrums-Geschäft wuchs um 22 % auf 5,1 Milliarden Dollar, angetrieben durch agentenbasierte KI-Workloads, die verstärkt CPU-Leistung benötigen.

Ein Satz von CEO Tan verdeutlicht den strukturellen Rückenwind: Das Verhältnis von CPU zu GPU in KI-Installationen habe sich von 1:8 auf 1:4 verschoben — mit klarer Tendenz Richtung Parität. Für das zweite Quartal erwartet Intel Erlöse zwischen 13,8 und 14,8 Milliarden Dollar, deutlich über den Analystenerwartungen. Bank of America bleibt mit einem Underperform-Rating allerdings skeptisch und verweist auf das Fehlen eines bestätigten großen externen Foundry-Kunden.

Nvidia: Pentagon-Deal und Startup-Offensive vor dem Earnings-Countdown

Nvidia handelt bei 168,50 € und damit rund 7,5 % unter dem Ende April erreichten 52-Wochen-Hoch. Der Rücksetzer folgte auf Berichte, wonach Geschäftspartner OpenAI interne Umsatz- und Wachstumsziele verfehlt hat. Die Marktkapitalisierung rutschte zeitweise unter 4,9 Billionen Dollar. Im Wochenvergleich verlor die Aktie 7,5 %.

Zwei strategische Entwicklungen halten den Newsflow dennoch hoch. Das Pentagon hat eine Vereinbarung mit acht großen Technologieunternehmen geschlossen — Nvidia gehört dazu —, um KI-Werkzeuge in klassifizierten Netzwerken einzusetzen. Auf der Investmentseite hat das Unternehmen 2026 bereits über drei Dutzend Startups finanziert und hält Beteiligungen an einigen der wertvollsten KI-Firmen weltweit, darunter OpenAI, Databricks, xAI und ScaleAI. Jüngst führte Nvidia eine Finanzierungsrunde beim europäischen Legal-Tech-Startup Legora an.

Am Produkthorizont steht Ising, ein neues Open-Source-Modell für Quanten-KI, das Quantenprozessoren skalierbare Anwendungen ermöglichen soll.

Der Blick richtet sich jetzt auf den 20. Mai. Nvidia sitzt auf einer Nettokasse von 51,1 Milliarden Dollar bei einer Jahresmarge von 71,1 %. Für das kommende Quartal erwartet das Management 78 Milliarden Dollar Umsatz — ein Wachstum von 77 %. Das Kursziel ist allerdings mit einem erheblichen Risikofaktor versehen: Die Guidance schließt sämtliche chinesischen Rechenzentrumserlöse aus. CEO Jensen Huang beziffert den effektiv verlorenen chinesischen Markt auf rund 50 Milliarden Dollar. Die neue Prozessorgeneration Vera Rubin soll die Inferenzkosten gegenüber Blackwell um 90 % senken. Zusammen mit Blackwell peilt Nvidia Rechenzentrumsverkäufe von einer Billion Dollar in 2026 und 2027 an.

Infineon: Earnings-Tag mit hohen Erwartungen

Infineon steht unmittelbar vor dem wichtigsten Termin des Quartals. Am 6. Mai legt der Münchener Chipkonzern Zahlen für das zweite Fiskalquartal 2026 vor — und die Messlatte liegt hoch. Die Aktie notiert bei 59,33 €, ebenfalls ein frisches 52-Wochen-Hoch, nachdem der Kurs allein in der vergangenen Woche um über 12 % zugelegt hat.

Analysten rechnen mit einem Gewinn je Aktie von etwa 0,38 Dollar bei rund 3,83 Milliarden Dollar Umsatz. Im Vorquartal hatte Infineon mit 0,41 Dollar die Erwartungen übertroffen — in drei der letzten vier Quartale gelang ein EPS-Beat.

Die KI-Story hält auch für den europäischen Halbleiterwert einen entscheidenden Baustein bereit. Im April vereinbarten Infineon und DG Matrix eine Kooperation, um Siliziumkarbid-Technologie für die Stromversorgung von KI-Rechenzentren einzusetzen. JPMorgan hat die Aktie auf Overweight hochgestuft und sieht Infineon als Hauptprofiteur des steigenden Strombedarfs durch KI. Der Anteil von Infineon-Komponenten in der KI-Stromversorgung dürfte im Fiskaljahr 2026 und Anfang 2027 durch den Wechsel zu neuen Leistungsarchitekturen wachsen. Die langjährige Erfahrung im Rechenzentrums- und Serverbereich mache es neuen Wettbewerbern schwer, Infineon schnell zu verdrängen.

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Morgan Stanley erhöhte das Kursziel Ende April von 54 auf 58 €. Der Konsens von 24 Analysten steht auf „Strong Buy“, das durchschnittliche Zwölf-Monats-Kursziel liegt bei 52 € — ein Niveau, das die Aktie bereits deutlich hinter sich gelassen hat. Das Spitzenziel von 67 € bietet dennoch Spielraum nach oben.

Die entscheidende Frage am Mittwoch: Kann die KI-Nachfrage nach Leistungselektronik die anhaltende Schwäche im Automobilsegment — das rund 40 % des Umsatzes ausmacht — mehr als kompensieren?

TSMC: Wenn die eigene Kapazität zur Währung wird

TSMC kontrolliert rund 70 % des globalen Foundry-Markts. Diese Dominanz ist im Mai 2026 gleichzeitig größte Stärke und größtes Nadelöhr der gesamten Chipbranche. Die Aktie notiert bei 337,50 €, leicht unter dem Vortagesschluss und knapp unter dem 52-Wochen-Hoch.

Der taiwanische Auftragsfertiger hat neue Projektstarts im 3nm-Verfahren gestoppt und lenkt Kunden stattdessen auf den neueren 2nm-Prozess um. Die fortschrittlichsten Fertigungskapazitäten sind bis 2028 vollständig ausgebucht. Für die 3nm-Produktion wird die monatliche Kapazität bis Ende 2026 nun auf 180.000 Wafer geschätzt — rund 20 % über den ursprünglichen Planungen.

Ein Großteil dieser Kapazität fließt an Apple und Nvidia. Ihr privilegierter Zugang zu den modernsten Fertigungsknoten könnte den Wettbewerbsvorsprung gegenüber Rivalen weiter vergrößern.

Die Preismacht, die aus dieser Knappheit erwächst, ist bemerkenswert:

  • 2nm-Wafer sollen über 30.000 Dollar kosten — gegenüber rund 20.000 Dollar für die 3nm-Familie
  • Jährliche Preiserhöhungen von 3 bis 5 % für Sub-5nm-Knoten sind bis mindestens 2029 eingeplant
  • Die Investitionsausgaben für 2026 betragen 56 Milliarden Dollar — für neue Fabriken, mehr 3nm-Kapazität und Packaging-Infrastruktur

Engpässe könnten trotz dieser Expansion bis 2027 anhalten, bedingt durch lange Vorlaufzeiten und Beschränkungen bei der Chip-Verpackung. Sechs Wall-Street-Analysten sehen ein durchschnittliches Kursziel von 465 Dollar, mit einer Spanne von 400 bis 500 Dollar.

Fünf Chipwerte, ein Motor — aber völlig verschiedene Geschwindigkeiten

Der KI-Superzyklus treibt alle fünf Unternehmen an, doch die Ausgangspositionen könnten unterschiedlicher kaum sein. Micron liefert die klarste Momentum-Story mit Rekordmargen und einem Angebotsmangel, der bis Ende 2027 anhalten dürfte. Mizuhos Jordan Klein bezeichnete die Aktie trotz der Rally als „verrückt günstig“ auf Basis der Kaufseiten-Schätzungen.

Intels Comeback ist die dramatischste Wende. Im April verdoppelte sich der Kurs — der beste Monat in 55 Jahren an der Nasdaq. Die Katouzian-Verpflichtung zeigt, dass CEO Tan ein Team für den Wettbewerb in der physischen KI zusammenstellt, einer Kategorie, die der Markt noch kaum einpreist.

Nvidia bleibt der Anker des Sektors, muss am 20. Mai aber beweisen, dass die China-Lücke und der Pre-Earnings-Rücksetzer nur vorübergehende Bremsspuren sind. TSMC ist die Infrastrukturschicht, ohne die nichts von alledem funktioniert — aber selbst die besten Kunden kämpfen um Zuweisungen. Infineon besetzt als einziger europäischer Wert eine eigene Nische an der Schnittstelle von Automobil- und KI-Leistungselektronik.

Der gemeinsame Nenner: Solange Meta, Microsoft, Amazon und Google ihre KI-Infrastrukturbudgets weiter ausbauen — und ihre jüngsten Quartalsberichte deuten genau darauf hin —, bleibt die Nachfrageseite intakt. Die Angebotsseite ist der limitierende Faktor. Und genau das macht die kommenden zwei Wochen mit Infineons Bericht am Mittwoch und Nvidias Zahlen am 20. Mai zur entscheidenden Phase für den gesamten Sektor.

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