Liebe Leserinnen und Leser,
100 Dollar – diese magische Marke hat Silber am Freitag erstmals in der Geschichte durchbrochen, während gleichzeitig Intel-Aktien um fast 16 Prozent einbrachen und Adidas auf ein Dreijahrestief stürzte. Drei Ereignisse, die auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun haben. Doch wer genauer hinsieht, erkennt ein Muster: Die Märkte sind nervös. Sehr nervös sogar. Während Edelmetalle als sichere Häfen gefragt sind wie selten zuvor, werden Unternehmen gnadenlos abgestraft, sobald sie auch nur leicht enttäuschen. Der DAX beendete die Woche mit einem mageren Plus von 0,2 Prozent bei 24.901 Punkten – orientierungslos, wie Händler es nannten. Doch hinter dieser Fassade brodelt es gewaltig.
Silber auf Höhenflug: Wenn Angst zu Gold wird – und zu Silber erst recht
Erstmals in der Geschichte kostet eine Feinunze Silber mehr als 100 Dollar. Am Freitag kletterte der Preis an der Londoner Metallbörse auf 100,56 Dollar – ein historischer Moment, wie Händler betonten. Allein in den ersten Wochen des Jahres ist das Edelmetall um fast 40 Prozent teurer geworden. Zum Vergleich: Gold, das ebenfalls neue Rekorde feiert, legte im gleichen Zeitraum deutlich moderater zu.
Was treibt Silber so stark? Die Antwort ist eine Mischung aus Geopolitik und Strukturwandel. Die zeitweisen Zolldrohungen von US-Präsident Donald Trump gegen europäische Staaten im Zusammenhang mit Grönland haben die Investoren verunsichert. Hinzu kommen die Spannungen im Iran und die Erwartung, dass die US-Notenbank die Leitzinsen in diesem Jahr weiter senken dürfte. Doch Silber profitiert nicht nur als sicherer Hafen – das Metall ist zugleich ein wichtiges Industriemetall für KI, Robotik und Energiewende. Regionale Engpässe beim Angebot verschärfen die Lage zusätzlich.
„Solange das Zusammenspiel aus makroökonomischer Unsicherheit, strukturellem Angebotsdefizit und hoher Preiselastizität anhält, bleibt der übergeordnete Trend konstruktiv“, kommentierte Alexander Zumpfe, Edelmetallhändler bei Heraeus. Seine Warnung folgt auf dem Fuß: „Silber ist historisch für abrupte Korrekturen bekannt. Kurzfristige Gewinnmitnahmen sind jederzeit möglich.“ Wer jetzt einsteigt, sollte sich der Volatilität bewusst sein. Auch Gold nähert sich der Marke von 5.000 Dollar – ein Zeichen dafür, dass die Flucht in Sachwerte noch nicht vorbei ist.
Intel: Wenn Kapazitätsengpässe die Rally beenden
Von Euphorie zu Ernüchterung in Rekordzeit: Die Intel-Aktie, die seit Jahresanfang fast 50 Prozent zugelegt hatte, brach am Freitag um knapp 16 Prozent ein. Der Grund? Ein enttäuschender Ausblick auf das laufende Quartal. Intel rechnet mit Umsätzen zwischen 11,7 und 12,7 Milliarden Dollar – deutlich unter den Erwartungen der Wall Street. Die Ursache sind Lieferengpässe: Der Chipkonzern kommt mit der Produktion seiner neuen Chipgeneration schlicht nicht hinterher.
Intel-Finanzchef David Zinsner räumte ein, man habe die Nachfrage im Bereich Rechenzentren unterschätzt. In dieser Situation wolle das Unternehmen die knappen Kapazitäten bevorzugt für diesen lukrativen Markt nutzen – auf Kosten des PC-Geschäfts. Analyst Harlan Sur von JPMorgan hob zwar sein Kursziel von 30 auf 35 Dollar an, beließ die Einstufung aber bei „Underweight“. Seine Einschätzung: Die jüngsten Zahlen seien besser als erwartet, doch der Ausblick enttäusche.
Das Problem ist strukturell. Intel versucht unter dem seit knapp einem Jahr amtierenden Chef Lip-Bu Tan durch Kostensenkungen aus der Krise zu kommen – unter anderem wurden die Pläne für ein Werk in Magdeburg aufgegeben. Im August bekam der US-Staat einen Anteil von rund zehn Prozent an Intel als Gegenleistung für Milliarden-Subventionen. Seitdem hatte sich der Aktienkurs verdoppelt. Doch die Rally war offenbar zu viel des Guten. Intel dominierte einst den Halbleiter-Markt, kämpft aber seit Jahren mit Problemen. Vor allem im KI-Geschäft hat Nvidia die Nase vorn. Und auch im angestammten Geschäft mit PC-Prozessoren und Chips für Rechenzentren steht Intel unter Druck.
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Adidas: Wenn Analysten die Erwartungen dämpfen
Sportartikelhersteller Adidas erlebte am Freitag einen Albtraum: Die Aktie sackte zeitweise um über 6 Prozent ab und fiel auf den tiefsten Stand seit fast drei Jahren. Auslöser war eine Abstufung durch die kanadische Bank RBC. Analyst Piral Dadhania strich seine positive Empfehlung und warnte: Die Konsensschätzungen für 2026 seien zu hoch. Er rechnet mit einer operativen Ergebnisspanne zwischen 2,4 und 2,6 Milliarden Euro – etwa 10 Prozent unter dem Konsens.
Dadhania lobte zwar, dass sich Adidas in einem schwierigen globalen Marktumfeld gut schlage. Doch das Branchenumfeld bleibe geprägt von Überangebot und Änderungen im Konsumverhalten der Chinesen. Trotz der niedrigen Bewertung sehe er nur begrenzt Kurstreiber. Die Anleger reagierten entsprechend nervös. Auch Puma-Aktien gerieten unter Druck, nachdem Spekulationen über eine Übernahme durch den chinesischen Konzern Anta Sports einen Dämpfer erhielten. Die Gespräche der französischen Milliardärsfamilie Pinault mit Anta seien beendet, hieß es in Berichten.
Für Adidas wird es spannend, wenn der Konzern Anfang März die Jahresbilanz 2025 und die Ziele für das neue Jahr vorlegt. Typischerweise ist der Ansatz konservativ – doch diesmal könnte das nicht reichen, um die Anleger zu beruhigen. Die Aktie steht nun unter Beobachtung, ob sie die Chartunterstützung bei 150 Euro zurückerobern kann.
Rüstungsaktien im Aufwind: Wenn Börsengänge die Stimmung drehen
Während Tech-Werte und Sportartikelhersteller straucheln, läuft es für deutsche Rüstungsaktien rund. Rheinmetall, Renk und Hensoldt gewannen zwischen 2,2 und 4,7 Prozent. Der Grund? Der Börsengang der tschechischen Czechoslovak Group (CSG) in Amsterdam verlief äußerst erfolgreich. Die Aktie des Herstellers gepanzerter Fahrzeuge und Munition beendete ihren ersten Handelstag 31 Prozent im Plus. CSG kommt nun auf eine Marktkapitalisierung von rund 25 Milliarden Euro – etwa doppelt so viel wie Renk und Hensoldt zusammen.
Rheinmetall kündigte zudem eine Großinvestition am Standort Silberhütte in Sachsen-Anhalt an. „Wir wollen in den nächsten Jahren 30 bis 40 Millionen Euro investieren, um die Pyrotechnik zu ergänzen“, sagte Rheinmetall-Chef Armin Papperger. Die Kapazitäten sollen mindestens verdoppelt, wenn nicht verdreifacht werden. Mindestens 100 neue Mitarbeiter sollen dazukommen. Die Landesregierung habe ihre Unterstützung zugesagt.
Die gute Stimmung im Rüstungssektor wird allerdings von neuen Friedensverhandlungen überschattet. In den Vereinigten Arabischen Emiraten sollen am Freitag Vertreter der Ukraine, Russlands und der USA über ein mögliches Kriegsende reden. Rüstungswerte reagieren üblicherweise negativ auf neue Verhandlungsansätze – doch diesmal blieb die Reaktion verhalten. Offenbar gehen die Märkte davon aus, dass die europäische Aufrüstung unabhängig vom Kriegsverlauf weitergehen wird.
DAX im Wartezustand: Zwischen Hoffnung und Realität
Der DAX beendete die Woche mit einem Plus von 0,2 Prozent bei 24.901 Punkten – ein Ergebnis, das vor allem von Orientierungslosigkeit zeugt. Nach dem Weltwirtschaftsforum in Davos und dem Rückzieher von US-Präsident Donald Trump beim Thema Grönland und Zusatzzöllen sei der Markt auf Richtungssuche, hieß es von Händlern. „Das große, übergeordnete Thema ist jetzt erstmal weg“, erläuterte ein Marktteilnehmer.
Immerhin: Die deutschen Einkaufsmanagerindizes fielen sowohl in der Industrie als auch im Dienstleistungssektor etwas besser als erwartet aus. Doch echte Impulse gaben sie dem Markt nicht. Auch die Unterstützung aus den USA blieb verhalten. Die Indizes drehten nach einer überraschend gut ausgefallenen Verbraucherumfrage nur leicht ins Plus.
Interessant ist, was hinter den Kulissen passiert: Der dänische Pensionsfonds AkademikerPension kündigte an, alle US-Staatsanleihen zu verkaufen. „Der Fonds hält die USA nicht mehr für kreditwürdig“, bemerkte ein Händler. Zehnjährige Bundesanleihen rentieren aktuell mit 2,90 Prozent, US-Treasuries mit zehn Jahren Laufzeit werfen 4,24 Prozent ab. Eine Abwendung von US-Staatsanleihen hin zu Gold ist schon länger zu beobachten – doch die Ankündigung eines großen institutionellen Investors sorgte für Aufmerksamkeit.
Oracle und TikTok: Wenn Politik Geschäft wird
Das wochenlang vom Aus bedrohte US-Geschäft von TikTok ist nun offiziell in eine neue Firma eingebracht worden. Der chinesische Konzern Bytedance behält einen Anteil von knapp 20 Prozent am neuen Gemeinschaftsunternehmen TikTok USDS. Der Software-Konzern Oracle sowie die Finanzfirmen Silver Lake aus den USA und MGX aus Abu-Dhabi halten jeweils 15 Prozent. Weitere Investoren sind der Computer-Unternehmer Michael Dell und der französische Unternehmer Xavier Niel.
Für Oracle ist der Deal zweischneidig. Einerseits sichert sich der Konzern eine Beteiligung an einer der populärsten Video-Apps weltweit. Andererseits warnte Morgan Stanley, dass die massive Expansion im GPU-as-a-Service-Geschäft die Gewinnziele gefährde. Die Bank senkte das Kursziel von 320 auf 213 Dollar und behielt die Einstufung „Equal-weight“ bei. Die Analysten rechnen mit deutlich höherem Kapitalbedarf als bisher angenommen. Die Oracle-Aktie verlor im US-Handel zeitweise fast 3 Prozent.
Die Zukunft von TikTok in den USA scheint dennoch gesichert. Präsident Trump war in seiner zweiten Amtszeit so sehr entschlossen, die Plattform im Land online zu halten, dass er in Umgehung des Gesetzes die Fristen für die Transaktion immer weiter verlängerte. „Ich bin so froh, dass ich zur Rettung von TikTok beitragen konnte!“, schrieb Trump auf seiner Plattform Truth Social. US-Kritiker warnen allerdings, die neue Struktur greife zu kurz, um Risiken für die nationale Sicherheit auszuräumen.
Was die kommende Woche bringt
Die Märkte dürften auch in der kommenden Woche nervös bleiben. Am Mittwoch steht die US-Notenbanksitzung an – eine Zinssenkung wird nicht erwartet. Spannender wird, was Fed-Chef Jerome Powell in seiner Pressekonferenz zur weiteren geldpolitischen Ausrichtung sagt. Die Märkte rechnen derzeit mit der ersten Zinssenkung im Juni.
Zudem beginnt die heiße Phase der Berichtssaison. Viele der sogenannten Magnificent Seven – darunter Apple, Tesla und Microsoft – legen ihre Quartalszahlen vor. Ihre Ausblicke werden genau beobachtet, um zu sehen, wie viel Potenzial noch in den Wachstumsstorys steckt, die bisher ihre hohen Bewertungen rechtfertigten. Und nicht zuletzt bleibt die geopolitische Lage im Blick: Die Verhandlungen über ein Ende des Ukraine-Kriegs könnten für Bewegung sorgen – in die eine oder andere Richtung.
Eine turbulente Woche liegt hinter uns, eine spannende vor uns. Bleiben Sie wachsam.
Herzliche Grüße aus der Redaktion
Andreas Sommer


