Liebe Traderinnen und Trader,

100 Milliarden Dollar Nachfrage für ein Aktienangebot, das ursprünglich 15 Milliarden schwer war – das 2.700-Fache. Intel hat sein Kapitalpolster über Nacht auf 20 Milliarden Dollar aufgestockt, 210,5 Millionen neue Aktien zu 95 Dollar ausgegeben, und trotzdem fiel die Aktie am Montag rund 4 Prozent. Zwei Wahrheiten, die sich nicht widersprechen: Der Markt will das Kapital, aber er zahlt den Preis der Verwässerung sofort. Das ist die Ausgangslage für einen Handelstag, an dem morgen ohnehin alles auf einen einzigen Termin zuläuft – den US-Verbraucherpreisindex.

Intel: Verwässerung trifft auf Nachfrage-Überschuss

95 Dollar je Aktie, ein Discount von 2,6 Prozent zum Freitagsschluss – zu diesem Preis holte sich Intel frisches Kapital, nachdem das Orderbuch das Angebot um das 2.700-Fache überzeichnet hatte. Die Verwässerung liegt bei rund 4,9 Prozent, bei voller Ausübung der Mehrzuteilungsoption bis 5,6 Prozent. Der Kursrutsch am Montag zeigt, dass Anleger die kurzfristige Rechnung nicht ignorieren. Was sie offenbar goutieren, ist die Substanz dahinter: Der Umsatz im Rechenzentrums-Geschäft DCAI legte im zweiten Quartal um 59 Prozent auf 6,3 Milliarden Dollar zu, die Foundry-Sparte wuchs um 31 Prozent auf 5,8 Milliarden Dollar, und ihr operativer Verlust schrumpfte von 3,17 auf 2,09 Milliarden Dollar. Intel hebt zudem die Capex-Prognose für 2026 von rund 18 auf über 20 Milliarden Dollar an – ein Bekenntnis zum KI- und Foundry-Ausbau, das durch die Investorenbasis gedeckt ist: Die US-Regierung hält 10 Prozent, Nvidia ist mit 5 Milliarden, SoftBank mit 2 Milliarden Dollar dabei. Für Trader zählt jetzt eine Zahl: 95 Dollar. Das ist die Ausgabemarke und damit die erste technische Unterstützung. Fällt der Kurs darunter, kippt die Story vom „überzeichneten Kapitalbedarf“ schnell in ihr Gegenteil.

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Zweite Reihe der Chip-Rally: Erholung ja, Trendwende nein

Während Infineon zu den Tagesgewinnern im DAX zählt, liefern die kleineren Halbleiterausrüster den eigentlichen Nervenkitzel: Süss Microtec, Aixtron und PVA Tepla springen im Tagesverlauf zwischen 2,5 und über 5 Prozent. Der Blick auf die 52-Wochen-Hochs relativiert die Euphorie sofort. Aixtron notiert bei gut 42 Euro gegenüber einem Juni-Hoch von knapp 63 Euro, PVA Tepla bei rund 32 Euro gegenüber 46,70 Euro Anfang Juli, Süss Microtec bei 80 Euro gegenüber 118,40 Euro im Juni. Das sind volatile Erholungsbewegungen innerhalb eines seit Wochen laufenden Korrekturtrends, keine Ausbrüche auf neue Höchststände. Wer hier einsteigt, kauft Volatilität – nicht Stabilität.

Das Kontrastbild liefert PNE: Die Aktie rutscht im Tagesverlauf zweistellig ab, nachdem die Suche nach einem Käufer für das Unternehmen gescheitert ist, und nähert sich wieder ihrem 52-Wochen-Tief von 7,22 Euro aus dem März. Wer auf eine Übernahmeprämie spekuliert hatte, sieht sich nun mit der Realität eines eigenständigen, margenschwachen Windkraft-Projektierers konfrontiert.

Rocket Lab: Cantor Fitzgerald traut dem Comeback mehr zu

Cantor Fitzgerald hat das Kursziel für Rocket Lab von 96 auf 122 Dollar angehoben und die Overweight-Einstufung bestätigt. Grundlage ist ein Rekordumsatz von rund 234,1 Millionen Dollar im zweiten Fiskalquartal 2026 – über den Konsensschätzungen. Auf Zwölfmonatsbasis wächst der Umsatz um 46 Prozent auf knapp 680 Millionen Dollar, und das Management bestätigte, dass die Neutron-Trägerrakete im Zeitplan bleibt. Rekordumsatz plus ein bestätigtes Großprojekt ist genau die Kombination, die Analysten zu deutlich höheren Zielen treibt. 122 Dollar wären gegenüber dem aktuellen Niveau ein erhebliches Aufwärtspotenzial – vorausgesetzt, der Wachstumstrend hält im dritten Quartal an.

Der CPI-Tag: Warum die Wahrscheinlichkeiten schon heute zählen

Am Mittwochnachmittag, 14:30 MESZ, veröffentlichen die USA die Verbraucherpreise für Juli, flankiert vom BLS-Bericht zu den Reallöhnen. Die Terminmärkte über CME FedWatch taxieren die Wahrscheinlichkeit einer Zinspause im September aktuell auf rund 52 Prozent gegenüber 48 Prozent für eine Zinserhöhung – ein deutlicher Rückgang gegenüber den teils über 67 Prozent, die vor den schwachen Juli-Arbeitsmarktdaten mit 23.000 verlorenen Stellen gehandelt wurden. Goldman Sachs rechnet mit einer moderaten Kernrate von 0,19 Prozent im Monatsvergleich und einer Gesamtrate von nur 0,05 Prozent, was den Jahresanstieg auf 3,35 Prozent drücken würde – niedriger als der Juni-Wert von 3,53 Prozent. HSBC positioniert sich ähnlich moderat. Die Unsicherheit spiegelt sich bereits in den Assetpreisen: Gold hält sich nach einem Zwischenhoch über 4.400 Dollar nahe dieser Marke, die zehnjährige US-Rendite pendelt knapp unter 4,7 Prozent, und Bitcoin bleibt unterhalb der psychologisch wichtigen 65.000-Dollar-Marke, die die Kryptowährung zuletzt mehrfach vergeblich zurückerobern wollte. Die Faustregel für morgen: Eine Kernrate über 0,25 Prozent würde die Zinserhöhungs-Wahrscheinlichkeit sprunghaft nach oben treiben und dürfte Gold wie auch Wachstumswerte belasten. Ein Wert nahe der Goldman-Schätzung wäre dagegen der Auslöser für die nächste Rally-Etappe.

eToro greift nach TradeZero

Der Broker eToro (NASDAQ: ETOR) übernimmt den auf aktive US-Trader spezialisierten Broker TradeZero für bis zu 231 Millionen Dollar, zahlbar in Cash und bis zu 2,5 Millionen neuen Class-A-Aktien. TradeZero, gegründet 2015, erzielte in den zwölf Monaten bis Ende Juni rund 80 Millionen Dollar Umsatz bei einer Bruttomarge von 81 Prozent. Der Deal soll im ersten Halbjahr 2027 abgeschlossen werden und bereits im ersten vollen Jahr das bereinigte Ergebnis je Aktie steigern. Für eToro-Aktionäre ist das ein Signal: Das Unternehmen, dessen Wachstum zuletzt vom Aktienhandel getragen wurde, beschleunigt jetzt gezielt per Zukauf im margenstarken Trading-Segment – statt organisch abzuwarten.

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Marschroute

  • CPI-Tag (Mittwoch, 14:30 MESZ): Bestätigt die Kernrate die Goldman-Prognose von 0,19 Prozent, dürfte die Rekordjagd bei DAX und Gold weitergehen. Über 0,25 Prozent drohen Rücksetzer – zuerst bei den bereits stark gelaufenen Chip-Ausrüstern und bei Bitcoin.
  • Intel: 95 Dollar, die Ausgabemarke des Kapitalerhöhung, ist die Unterstützungslinie. Darunter kippt die Überzeichnungs-Story.
  • Chip-Ausrüster (Aixtron, PVA Tepla, Süss Microtec): Erholung innerhalb der Korrektur, kein Ausbruch. Enge Stopps, keine Verliebtheit in den Rebound.
  • PNE: 7,22 Euro, das Jahrestief vom März, ist der nächste Stresstest nach dem gescheiterten Verkaufsprozess.
  • Bitcoin: 65.000 Dollar bleibt der Deckel – ein CPI-Ausreißer nach oben würde diese Marke weiter absichern.

Gute Trades, Ihr Andreas Sommer