Im Ringen um die Übernahme von Monte dei Paschi di Siena (MPS) hat die italienische Großbank Intesa Sanpaolo wichtigen Rückenwind erhalten. Die einflussreichen Stimmrechtsberater ISS und Glass Lewis empfehlen den MPS-Aktionären, die vom dortigen Management vorgeschlagenen Abwehrmaßnahmen auf der Hauptversammlung am 29. Oktober abzulehnen. Dies schwächt die Verteidigungslinie von MPS-Chef Luigi Lovaglio erheblich und verbessert die Ausgangslage für Intesas Milliardenofferte.
Stimmrechtsberater bremsen Gegenoffensive aus
Der Verwaltungsrat von Monte dei Paschi hatte versucht, das feindliche Vorgehen durch eigene Zukäufe abzuwehren. Vorgesehen waren Gebote für Banco BPM und Banca Generali sowie die Ausschüttung einer Sonderdividende in Höhe von 4 Milliarden Euro. ISS und Glass Lewis sprachen sich nun jedoch gegen diese Transaktionen sowie gegen die Sonderausschüttung aus. ISS begründete dies unter anderem mit Ausführungs- und Integrationsrisiken.
Für Intesa Sanpaolo ist dieses Votum von zentraler Bedeutung: Das Institut knüpft die Fortführung seines Angebots ausdrücklich daran, dass die MPS-Aktionäre die alternativen Pläne ablehnen. Da der Abwehrplan auf der Hauptversammlung eine Zweidrittelmehrheit benötigt, gilt die Umsetzung ohnehin als fraglich.
Eine Aktionärsgruppe um Kerninvestoren wie Delfin mit 17,6 Prozent und Caltagirone mit gut 13 Prozent, die zusammen mehr als ein Drittel des MPS-Kapitals kontrolliert, stellt sich gegen Lovaglios Strategie und signalisiert Unterstützung für Intesa.
An der Börse notiert die Aktie von Intesa Sanpaolo heute bei 6,15 Euro, was einem Tagesrückgang von 1,3 Prozent entspricht. Mit einer Marktkapitalisierung von 108,42 Milliarden Euro zählt das Institut zu den Schwergewichten im europäischen Bankensektor.
Milliardenbewertung und Filialverkäufe geplant
Intesa hatte ihr ursprüngliches Angebot Anfang des Monats nachgebessert. Die Offerte umfasst nun 1,25 Euro in bar sowie 1,600 neue Intesa-Aktien für jedes Papier von Monte dei Paschi. Daraus ergibt sich ein Transaktionsvolumen von 31,4 Milliarden Euro, aufgeteilt in 3,8 Milliarden Euro Barzahlung und 27,6 Milliarden Euro in Aktien.
Das MPS-Management wies den Vorstoß zwar am Montag nach einer Sondersitzung als unzureichend zurück. Die gebotene Prämie von 15,3 Prozent liege unter dem historischen Durchschnitt italienischer Bankenfusionen von rund 30 Prozent. Dennoch fehlen der MPS-Führung die Mittel für einen nachhaltigen Gegenangriff, zumal sich auch Großaktionäre wie Crédit Agricole gegen eine Übernahme von Banco BPM durch MPS sperren.
Um wettbewerbsrechtliche Bedenken auszuräumen, plant Intesa Sanpaolo im Fall einer erfolgreichen Übernahme, rund die Hälfte des MPS-Filialnetzes abzugeben. Etwa 635 Filialen sollen an Unipol und BPER übertragen werden. Intesa selbst beziffert die angestrebten jährlichen Synergien ab 2029 auf insgesamt 2,9 Milliarden Euro.
Kapitalmaßnahme nach Aktienrückkauf abgeschlossen
Neben den Konsolidierungsaktivitäten trieb das Institut seine Kapitalpflege voran. Wie das Institut heute mitteilte, wurde die Satzungsänderung nach dem Abschluss des jüngsten Aktienrückkaufprogramms formal im Handelsregister eingetragen.
Bereits am 9. Oktober wurden sämtliche 350.415.525 im Rahmen des Rückkaufs erworbenen eigenen Aktien eingezogen. Das Grundkapital bleibt unverändert bei 10.529.394.196,28 Euro und teilt sich nach der Einziehung in 17.332.045.430 nennwertlose Stammaktien auf.
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