Ein Konflikt in der Straße von Hormus, ein Ölpreisschub — und schon bricht eine ganze Aktiengruppe ein. IonQ, D-Wave, Rigetti und Quantum Computing verloren binnen Tagen zwischen 6 und 8 Prozent. Firmenspezifische Nachrichten gab es keine. Der Ausverkauf war rein makroökonomisch getrieben.

IonQ traf es besonders hart. Die Aktie schloss am Freitag bei 30,54 Euro, ein Minus von 18,71 Prozent innerhalb einer Woche. Über 30 Tage summiert sich der Verlust auf 36,14 Prozent.

Warum Quantenaktien zuerst fallen

Der Nasdaq 100 gab im Tagesverlauf um 1,48 Prozent nach, Chip- und Speicherwerte gerieten unter Druck. In einem solchen Umfeld werden zuerst die spekulativsten Werte verkauft. Quantencomputer-Aktien gehören genau in diese Kategorie.

IonQ ist dabei besonders anfällig. Die Aktie hat ein Beta von 3,23 — sie schwankt gut dreimal so stark wie der Gesamtmarkt. Kombiniert mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 103 bleibt kaum Puffer, wenn die Stimmung kippt.

Dabei läuft das Geschäft gut. Im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2026 stieg der Umsatz um 755 Prozent auf 64,67 Millionen Dollar. Das Management hob die Jahresprognose auf eine Spanne von 260 bis 270 Millionen Dollar an. An einem Risk-off-Tag zählen solche Zahlen wenig — Wachstumsgeschichten mit dünner Profitabilität werden pauschal abgestraft, unabhängig von der Substanz dahinter.

Absicherung nimmt zu

Am Optionsmarkt zeigt sich die wachsende Nervosität. Das Put-Call-Verhältnis über die gesamte Optionskette liegt bei IonQ bei 0,83, bei Rigetti bei 0,7. Trader sichern sich zunehmend gegen weitere Kursverluste ab.

Der aktuelle Rückgang setzt einen ohnehin schwierigen Trend fort. Bereits Anfang Juli hatten hohe Bewertungen und ein neuer Konkurrent für Verunsicherung gesorgt. Mit dem Börsenstart des europäischen Anbieters IQM Quantum Computers an der Nasdaq bekommen Investoren jetzt eine weitere Option, um in den Sektor zu investieren — das verschärft den Wettbewerb um Kapital zusätzlich.

Charttechnisch ist die Aktie tief überverkauft. Der RSI steht bei 25,7, ein klares Signal für schwachen Momentum nach der jüngsten Talfahrt. IonQ notiert damit deutlich unter dem 50-Tage-Durchschnitt von 47,42 Euro und dem 200-Tage-Durchschnitt von 41,26 Euro.

Blick auf die Quartalszahlen

Am 5. August will IonQ die Ergebnisse für das zweite Quartal des Geschäftsjahres 2026 vorlegen. Analysten rechnen mit einem Umsatz von rund 66,5 Millionen Dollar. Trotz der jüngsten Kursverluste erwartet die Wall Street angesichts des Rekord-Auftragsbestands weiterhin erhebliches Aufwärtspotenzial.

Ob sich die Aktie stabilisiert, hängt vermutlich weniger vom Unternehmen selbst ab als von der geopolitischen Lage. Solange die Spannungen um die Straße von Hormus und die ölpreisgetriebene Volatilität die Marktstimmung dominieren, bleiben Hochbeta-Werte wie IonQ anfällig für heftige Ausschläge — unabhängig davon, wie das operative Geschäft tatsächlich läuft.