Iran-Deal bewegt Märkte weltweit

Berichte über eine mögliche US-Iran-Einigung lassen Ölpreise fallen und Aktienkurse steigen, während die Lage angespannt bleibt.

Iran-Deal bewegt Märkte weltweit
Kurz & knapp:
  • Ölpreis fällt unter 100 Dollar
  • Asiatische Börsen legen kräftig zu
  • Gold gewinnt trotz Zinsdruck
  • Technologieaktien als Krisengewinner

Hoffnung auf Frieden. So lässt sich der Stimmungsumschwung an den globalen Finanzmärkten am Montag in drei Worten zusammenfassen. Berichte über eine mögliche Einigung zwischen den USA und dem Iran im fast drei Monate alten Krieg schickten Ölpreise auf Talfahrt, trieben Aktienindizes nach oben und sorgten für ungewohnte Geschäftigkeit — obwohl die Börsen in den USA und Großbritannien feiertagsbedingt geschlossen blieben.

Der Deal, der noch keiner ist

Das Wochenende brachte aufgeregte Schlagzeilen: Washington und Teheran hätten sich grundsätzlich auf ein Abkommen geeinigt, berichteten mehrere Medien unter Berufung auf einen hochrangigen Mitarbeiter des Weißen Hauses. US-Außenminister Marco Rubio sprach von einem „ziemlich soliden“ Rahmenabkommen, das die Wiedereröffnung der Straße von Hormus beinhalte — jener strategischen Meerenge, durch die rund ein Fünftel des weltweiten Öls fließt und die seit Ende Februar faktisch blockiert ist.

Die Realität ist jedoch komplizierter. Ein iranischer Außenamtssprecher betonte, das Rahmenwerk enthalte keine Einzelheiten zur Verwaltung der Straße von Hormus. Präsident Trump wiederum schrieb auf Social Media, er habe seinen Unterhändlern gesagt, sie sollten keinen Deal überstürzen — der amerikanische Seeblockade iranischer Häfen bleibe in Kraft, bis eine Einigung „erreicht, zertifiziert und unterzeichnet“ sei.

Dieser Widerspruch zwischen Hoffnung und Realität prägt das Bild: Märkte reagieren auf Signale, nicht auf Fakten.

Ölpreise unter Druck, Gold im Aufwind

Brent-Rohöl, der globale Ölpreismaßstab, fiel zeitweise um fast fünf Prozent auf rund 95,50 Dollar je Barrel — und damit erstmals seit Wochen wieder unter die psychologisch wichtige Marke von 100 Dollar. Trotzdem liegt der Preis noch deutlich über dem Niveau vor Kriegsbeginn im späten Februar.

Die Analysten von ING mahnen zur Vorsicht: „Wir waren schon einmal an diesem Punkt, nur um dann zu sehen, wie die Gespräche scheiterten. Der Markt wird wahrscheinlich vorsichtiger sein, bevor er auf diese Schlagzeilen überreagiert.“ Strategieexperten weisen zudem darauf hin, dass selbst ein erfolgreiches Abkommen die Ölpreise nicht auf ihr Vorniveau zurückbringen würde — die beschädigten Lieferketten brauchen Zeit zur Erholung.

Gold dagegen legte rund ein Prozent zu auf 4.555 Dollar je Unze, bleibt aber ebenfalls weit unter dem Vorkriegsniveau. Der Grund: Die Energiekrise hat die Inflationserwartungen angeheizt und die Zinserwartungen nach oben getrieben. Der Goldmarkt kämpft damit gegen einen starken Gegenwind — denn das Edelmetall ohne laufende Verzinsung verliert an Attraktivität, wenn die Zinsen steigen. Aktuell preisen die Märkte eine Fed-Zinserhöhung um 25 Basispunkte im Januar 2027 ein. Vor dem Krieg wurden noch Zinssenkungen erwartet.

Asiatische Märkte im Risikomodus

Während Wall Street feierte — zumindest auf dem Papier, via Futures — erlebten andere Börsen einen handfesten Aufschwung. Der Nikkei 225 in Tokio sprang um über drei Prozent, die Börse in Taipeh kletterte auf Rekordhochs. Die dünne Liquidität durch die US- und UK-Feiertage verstärkte die Ausschläge.

Singapur lieferte derweil einen faszinierenden Doppelbefund. Das Wirtschaftswachstum im ersten Quartal 2026 wurde auf 6,0 Prozent revidiert — deutlich über der ursprünglichen Schätzung von 4,6 Prozent und über den Erwartungen der Ökonomen. Angetrieben wurde das Wachstum vor allem durch KI-getriebene Nachfrage in der Elektronikindustrie sowie durch starken Großhandel. Gleichzeitig warnte das Handelsministerium, dass die Abwärtsrisiken durch den US-Israel-Iran-Konflikt „erheblich gestiegen“ seien. Petrochemische Unternehmen haben bereits höhere Gewalt erklärt, Raffinerien haben ihre Auslastung gedrosselt.

Auch Bangladesch spürt den Druck: Die Asiatische Entwicklungsbank kündigte ein Hilfspaket von fünf Milliarden Dollar über fünf Jahre an. Das stark importabhängige Land kämpft mit steigenden Kraft- und Düngemittelpreisen sowie erhöhten Frachtkosten — direkte Folgen der Hormus-Blockade.

Technologiewerte: Die Kriegsgewinner?

Während der Krieg viele Branchen belastet, profitiert eine Sparte auffällig: Technologie- und besonders KI-Aktien. Laut einer Goldman-Sachs-Note kauften Hedgefonds Technologietitel vergangene Woche so schnell wie seit fast drei Monaten nicht mehr. Halbleiterhersteller und Softwareunternehmen stehen besonders hoch im Kurs — während Kommunikationsausrüster und IT-Dienstleister abgestoßen wurden.

Die Hedgefonds-Positionen in globalen Technologieaktien bewegen sich auf Rekordhochs — gemessen seit 2016, als Goldman Sachs Prime Brokerage diese Daten erstmals erfasste. KI-Werte haben sich damit als relative Krisengewinnler etabliert: Chips und Softwareplattformen laufen unabhängig von Tankerrouten.

Passend dazu legte Huawei heute einen bemerkenswerten Chip-Fahrplan vor. Trotz US-Sanktionen, die China den Zugang zu fortschrittlichsten Lithografie-Anlagen verwehren, präsentierte das Unternehmen das sogenannte „Tau-Skalierungsgesetz“ — einen alternativen Ansatz zur Leistungssteigerung von Halbleitern ohne kleinere Transistoren. Bis 2031 peile Huawei Chips mit einer Transistordichte entsprechend einem 1,4-Nanometer-Prozess an, was der damaligen globalen Spitzenklasse entspräche.

Der Deal-Kalender bleibt entscheidend

Mit dünner Liquidität und politisch komplexem Umfeld bleibt die zentrale Frage: Wann — und ob — ein echter Deal zustande kommt. Selbst Rubio ließ die Tür für „andere Mittel“ offen, sollte die Diplomatie scheitern. Die Märkte wissen das. Entsprechend bleibt die Stimmung fragil, auch wenn die Hoffnung überwiegt.

Solange die Straße von Hormus nicht wieder frei ist, wird die Inflation nicht weichen. Und solange die Inflation nicht weicht, bleiben die Zinsen hoch. Das ist die Formel, nach der Investoren derzeit rechnen — und sie duldet wenig Optimismus auf Vorrat.

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Mit über fünfzehn Jahren Erfahrung als Wirtschaftsjournalist hat sich Felix Baarz als Experte für internationale Finanzmärkte etabliert. Seine Leidenschaft gilt den Mechanismen globaler Finanzmärkte und komplexen wirtschaftspolitischen Zusammenhängen, die er für seine Leserschaft verständlich aufbereitet.In Köln geboren und aufgewachsen, entdeckte er früh sein Interesse für Wirtschaftsthemen und internationale Entwicklungen. Nach seinem Studium startete er als Wirtschaftsredakteur bei einer renommierten deutschen Fachpublikation, bevor ihn sein Weg ins Ausland führte.Ein prägendes Kapitel seiner Karriere waren die sechs Jahre in New York, wo er direkten Einblick in die globale Finanzwelt erhielt. Die Berichterstattung von der Wall Street und über weltweite wirtschaftspolitische Entscheidungen schärfte seinen Blick für globale Zusammenhänge.Heute ist Felix Baarz als freier Journalist für führende Wirtschafts- und Finanzmedien im deutschsprachigen Raum tätig. Seine Arbeit zeichnet sich durch fundierte Recherchen und präzise Analysen aus. Er möchte nicht nur Fakten präsentieren, sondern auch deren Bedeutung erklären und seinen Lesern Orientierung bieten – sei es zu wirtschaftlichen Trends, politischen Entscheidungen oder langfristigen Veränderungen in der Finanzwelt.Zusätzlich moderiert er Diskussionen und nimmt an Expertenrunden teil, um sein Wissen einem breiteren Publikum zugänglich zu machen. Dabei liegt sein Fokus darauf, komplexe Themen informativ und inspirierend zu vermitteln. Felix Baarz versteht seine journalistische Aufgabe darin, in einer sich schnell wandelnden Welt einen klaren Blick auf wirtschaftliche Zusammenhänge zu ermöglichen und seine Leser bei fundierten Entscheidungen zu unterstützen – beruflich wie privat.