Iran-Eskalation treibt Öl hoch — Gold, Silber und Kupfer im Kreuzfeuer

Geopolitische Spannungen treiben Brent und WTI über 94 Dollar, während Gold und Silber unter Realzinsen und ETF-Abflüssen leiden.

Gold Aktie
Kurz & knapp:
  • Brent Crude steigt um 4,6 Prozent
  • WTI-Futures legen über sieben Prozent zu
  • Gold fällt unter 4.510 Dollar je Unze
  • Kupfer profitiert von Angebotsengpässen

Teheran kappt den Draht zu Washington. Die Folgen für den Rohstoffmarkt sind brutal und widersprüchlich zugleich: Brent Crude und WTI schießen nach oben, Kupfer klettert auf ein Mehrwochenhoch, während Gold und Silber unter dem Druck steigender Realzinsen leiden. Ein Sektor, drei Geschwindigkeiten — zum Juni-Auftakt zeigt sich, wie unterschiedlich Geopolitik auf einzelne Rohstoffe wirkt.

Brent Crude: Verhandlungsabbruch katapultiert Preis über 95 Dollar

Der Ölmarkt reagierte am Montag mit voller Wucht. Brent Crude sprang um rund 4,6 Prozent auf 95,91 USD je Barrel, nachdem Iran sämtliche diplomatischen Kanäle zu den USA auf Eis legte. Noch am Freitag hatten Berichte über Verhandlungsfortschritte die Notierungen gedrückt. Innerhalb weniger Stunden kehrte sich die Stimmung komplett um.

Die Eskalation geht weit über Rhetorik hinaus. Wechselseitige Angriffe in Kuwait, auf der Insel Qeshm und im Libanon zerstörten den ohnehin fragilen Waffenstillstand. Teheran droht nun zusätzlich mit der Blockade der Meerenge Bab al-Mandab — eines der wichtigsten Nadelöhre für den globalen Öltransport. Eine tatsächliche Sperrung würde das Rote Meer vom Arabischen Meer abschneiden und die Energieversorgung ganzer Kontinente gefährden.

Callum Macpherson, Leiter Commodities bei Investec, bringt die Lage auf den Punkt: Investoren fänden es „unglaublich schwer“, mit den ständig wechselnden Signalen aus Washington und Teheran umzugehen. Die annualisierte 30-Tage-Volatilität von Brent liegt bei über 68 Prozent — ein Extremwert, der normalerweise nur in ausgewachsenen Krisen erreicht wird.

Rohöl WTI: Sieben-Prozent-Sprung in einer Sitzung

WTI-Futures übertrafen die Brent-Bewegung noch deutlich. Der Preis schnellte um mehr als sieben Prozent auf über 94 USD je Barrel. Auslöser war derselbe geopolitische Schock, verschärft durch Berichte über neue Zusammenstöße nahe der Straße von Hormuz.

Der Iran-Krieg ab Ende Februar 2026 hat den Rohölmarkt grundlegend verändert. WTI schoss damals bis auf 119 USD, bevor die Waffenruhe eine deutliche Korrektur auslöste. Auf 30-Tage-Sicht steht ein Minus von über zwölf Prozent — auf Jahressicht dennoch ein Plus von mehr als 55 Prozent. Diese Schere illustriert die extreme Nervosität: Jede Eskalation oder Deeskalation kann Tagesbewegungen von fünf bis fünfzehn Dollar auslösen.

Saudi-Aramco-CEO Amin Nasser warnte jüngst, der Ölmarkt werde bis 2027 brauchen, um sich zu normalisieren, sollte die Straße von Hormuz über Mitte Juni hinaus blockiert bleiben. Selbst bei sofortiger Öffnung dauere es Monate, bis sich die Lieferketten neu ausbalierten.

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Gold: ETF-Erosion gegen Zentralbank-Kaufrausch

Gold startete schwach in die Woche. Der Preis fiel auf 4.509,70 USD je Unze — ein Minus von 1,3 Prozent gegenüber dem Freitagsschluss und rund 17 Prozent unter dem Allzeithoch vom Januar. Der 50-Tage-Durchschnitt bei 4.639 USD rückt in unerreichbare Ferne.

Die Gründe für die Schwäche sind greifbar:

  • ETF-Abflüsse beschleunigen sich. Die Bestände des SPDR Gold Shares fielen auf den tiefsten Stand seit Oktober 2025. Innerhalb von fünf Handelstagen gingen weitere sechs Tonnen verloren.
  • Hohe Realzinsen drücken. Ein Energieschock trieb die US-Inflation im April auf 3,8 Prozent. Zinssenkungserwartungen sind vollständig aus dem Markt verschwunden. Die Wahrscheinlichkeit unveränderter Fed-Funds-Rates im Juni liegt bei 99,4 Prozent.
  • Fed-Tresor-Abzüge signalisieren Umdenken. Ende März meldete der New Yorker Fed-Tresor erneut sinkende Bestände beim „Earmarked Gold“ — ein Rückgang von rechnerisch 5,16 Tonnen. Das beeinflusst den Spotpreis nicht direkt, zeigt aber, dass Staaten ihre Lagerstrategie überprüfen.

Auf der Gegenseite stehen Zentralbanken als strukturelle Käufer. Die gesamte Goldnachfrage im ersten Quartal 2026 erreichte 1.231 Tonnen — ein Rekordwert von 193 Milliarden USD, 74 Prozent mehr als im Vorjahresquartal. Allein die Zentralbankkäufe summierten sich auf 244 Tonnen.

J.P. Morgan senkte die Durchschnittsprognose für 2026 von 5.708 auf 5.243 USD je Unze, erwartet aber weiterhin eine Erholung Richtung 6.000 USD bis Jahresende. Das Analysehaus Incrementum rechnet für den Frühsommer mit einer volatilen Konsolidierung zwischen 4.500 und 4.950 USD.

Silber: Mühsame Stabilisierung im fünften Defizitjahr

Silber hält sich knapp über der 75-Dollar-Marke und pendelt zwischen geopolitischer Unsicherheit und nachlassender Investmentnachfrage. Ende Mai notierte das Metall bei 75,42 USD je Feinunze — mehr als 38 Prozent unter dem Allzeithoch von 121,64 USD im Januar 2026.

Das Gold-Silber-Ratio liegt bei rund 59, nachdem es sich vom Extremtief bei 43 erholt hat. Silber bewegt sich damit in einem Niemandsland: zu teuer für aggressive Neukäufe, zu günstig für Panikverkäufe.

Ein wichtiger Bremsmoment kam von UBS. Die Analysten revidierten ihre Prognose für das Silberangebot-Defizit drastisch nach unten — von 300 Millionen auf nur noch 60 bis 70 Millionen Unzen. Gleichzeitig senkten sie die Erwartung an die Investitionsnachfrage im Gesamtjahr von über 400 auf 300 Millionen Unzen. Das klingt nach Entspannung, täuscht aber über das Gesamtbild hinweg: Der Silbermarkt steuert auf sein fünftes Defizitjahr in Folge zu, mit einem kumulierten Fehlbetrag von 820 Millionen Unzen seit 2021.

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Stützend wirkt die industrielle Nachfrage. Über die Hälfte des globalen Silberverbrauchs entfällt auf industrielle Anwendungen — allein die Solarzellenproduktion verschlingt jährlich rund 230 Millionen Unzen. Der Konflikt im Nahen Osten belastet Silber allerdings indirekt: Steigende Energiepreise befeuern Inflationssorgen und damit die Erwartung einer restriktiveren Geldpolitik. Das erhöht die Opportunitätskosten des zinslosen Metalls.

Kupfer: Chiles schwächste Förderung seit 23 Jahren trifft auf KI-Boom

Kupfer setzt sich vom Edelmetall-Komplex ab. Der Preis kletterte zum Wochenstart um 2,5 Prozent auf 6,55 USD je Pfund und nähert sich damit dem 52-Wochen-Hoch bei 6,63 USD. Auf Monatssicht steht ein Plus von über zehn Prozent.

Der Angebotsschock kommt aus Chile. Der weltgrößte Kupferproduzent meldete seine schwächste April-Förderung seit 2003. Noch brisanter: Der neu ernannte Vorsitzende von Codelco signalisierte einen strategischen Kurswechsel — weg von maximaler Produktion, hin zu höherer Rentabilität. Das dürfte die Angebotsverknappung mittelfristig verschärfen.

Auf der Nachfrageseite wirken zwei Megatrends. Der rasante Ausbau von Rechenzentren für KI-Anwendungen treibt den Kupferverbrauch ebenso wie die globale Energiewende, die massive Investitionen in Stromnetze erfordert. JP Morgan beziffert das globale Defizit an raffiniertem Kupfer für 2026 auf rund 330.000 Tonnen und prognostiziert einen Durchschnittspreis von etwa 12.075 USD je Tonne im Gesamtjahr.

Anders als bei Öl wirkt die Hormuz-Krise auf Kupfer nur indirekt. Das Metall wird nicht durch den Persischen Golf verschifft. Steigende Energiekosten und höhere Versicherungsprämien belasten zwar die Produktionskosten, stützen aber gleichzeitig den Preis.

BloombergNEF warnte zuletzt vor einem sich dramatisch ausweitenden Engpass: Ohne massive Investitionen in neue Projekte und Recycling könnte sich das jährliche Kupferdefizit bis 2050 auf 19 Millionen Tonnen aufblähen.

Rohstoffmarkt zwischen Kriegsprämie und Zinsdruck

Der Juni-Auftakt offenbart eine klare Dreiteilung im Rohstoffsektor. Energierohstoffe werden von der Geopolitik dominiert — jede Nachricht aus Teheran oder Washington verschiebt die Preise um mehrere Prozent. Kupfer profitiert von strukturellen Angebotsproblemen und dem verbesserten Risikoappetit der Marktteilnehmer. Gold und Silber dagegen stecken in der Zange: Zentralbanken kaufen zwar weiter, aber hohe Anleiherenditen und ETF-Abflüsse bremsen die Erholung.

Die Straße von Hormuz bleibt das Schlüsselrisiko für alle fünf Rohstoffe. Eine anhaltende Blockade würde nicht nur den Ölpreis weiter befeuern, sondern über steigende Inflation und Energiekosten auch Gold, Silber und Kupfer in Bewegung bringen — allerdings in unterschiedliche Richtungen. Für Anleger bedeutet das: Die kommenden Wochen werden von der Geopolitik diktiert, nicht von Fundamentaldaten.

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Dr. Robert Sasse: Ökonom, Unternehmer, Finanzexperte

Dr. Robert Sasse ist promovierter Ökonom, erfahrener Unternehmer und anerkannter Experte für Finanzmärkte. Mit über zwei Jahrzehnten Erfahrung in der Analyse von Aktienmärkten und wirtschaftlichen Zusammenhängen verbindet er wissenschaftliche Fundierung mit unternehmerischer Praxis. Er unterstützt Anleger, die langfristigen Vermögensaufbau und finanzielle Unabhängigkeit durch fundierte Strategien anstreben.

Werdegang und Erfahrung

Dr. Sasses Laufbahn ist geprägt von akademischer Exzellenz und praktischer Marktkenntnis. Er promovierte in Wirtschaftswissenschaften und hält einen Master of Science in Marketing und Sales sowie einen Abschluss als Betriebswirt. Bereits während und nach dem Studium sammelte er in renommierten Analystenhäusern und Unternehmen tiefgreifende Erfahrungen in der Bewertung von Aktien und Fonds.

Als Gründer und Geschäftsführer der YES Investmedia GmbH ist er unternehmerisch im Bereich der Finanzpublikationen tätig. Seine Expertise umfasst die Analyse komplexer wirtschaftlicher Themen wie demographischer Wandel oder globaler Markttrends sowie deren Auswirkungen auf die Finanzmärkte. Durch seine langjährige Tätigkeit hat er sich als Autor zahlreicher Analysen und Kommentare zu wirtschaftlichen und börsenrelevanten Themen etabliert.

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