Liebe Leserinnen und Leser,
drei Schlagzeilen, eine Botschaft: Die Märkte stehen unter Strom. Der Iran-Krieg hält die Welt in Atem, Brent-Öl pendelt hartnäckig um die 100-Dollar-Marke – und wer glaubt, das betrifft nur Autofahrer an der Zapfsäule, unterschätzt die Wucht dieses Schocks. Gleichzeitig liefert Adobe einen CEO-Abgang, der die Aktie tiefer reißt als jede Quartalszahl es könnte. Und Bitcoin? Klettert in all diesem Chaos auf über 73.000 Dollar. Diese Ausgabe ordnet ein, warum das kein Zufall ist – und was es für euer Portfolio bedeutet.
Der Ölpreis als Schicksalsfrage – und warum Stagflation das gefährlichste Wort der Woche ist
Vor zwei Wochen lag Brent-Öl noch bei rund 70 Dollar. Dann kamen die US-amerikanisch-israelischen Luftangriffe auf den Iran, und der Preis schoss am vergangenen Montag auf fast 120 Dollar – den höchsten Stand seit 2022. Seitdem hat er sich etwas beruhigt, doch mit rund 100 Dollar bleibt er auf einem Niveau, das Ökonomen schlaflos macht.
Warum? Weil die Straße von Hormus nicht nur Öl transportiert. Rund 20 Prozent des weltweiten Flüssiggashandels, 25 Prozent der Düngemittelexporte und sogar 35 Prozent der Harnstoffexporte laufen durch diese enge Meerenge südlich des Iran. Der Verband der Chemischen Industrie warnte heute explizit vor Versorgungsengpässen bei Ammoniak, Phosphat, Helium und Schwefel. Für die Chipindustrie ist allein schon der Helium-Engpass brisant: 40 Prozent des weltweiten Heliums kommen aus Katar.
Das Schreckgespenst, das an deutschen Börsen umgeht, heißt Stagflation – stagnierendes Wachstum bei gleichzeitig steigender Inflation. DekaBank-Chefvolkswirt Ulrich Kater rechnet bei dauerhaft über 100 Dollar Ölpreis mit einem Rückgang der Konjunkturprognosen um rund einen halben Prozentpunkt. Sollte Öl auf 150 Dollar steigen, hält er eine Rezession für wahrscheinlich. Noch ist das ein Szenario – aber mit jeder weiteren Woche, in der die Straße von Hormus blockiert bleibt, rückt es näher.
Der DAX schloss heute 0,6 Prozent schwächer bei 23.447 Punkten – der dritte Verlusttag in Folge. Vom Allzeithoch bei über 25.500 Punkten Anfang Januar ist der Index damit rund 8 Prozent entfernt. Dass er sich dennoch über der charttechnischen Unterstützung bei 23.300 Punkten hält, ist aus Sicht von Analysten das einzig Ermutigende.
DAX-Wochenbilanz: Zalando springt, QIAGEN stürzt – und die Chemie zeigt Risse
Wer in dieser turbulenten Woche die DAX-Gewinnerliste studiert, findet ein unerwartetes Bild. Zalando führt das Feld mit einem Wochenplus von fast 16 Prozent an – getrieben von einer Hochstufung durch das Analysehaus Bernstein, das den verbesserten Barmittelzufluss und die neu eingeführten Ausschüttungen an Aktionäre lobte. Dahinter folgen Brenntag mit rund 9 Prozent und RWE mit knapp 8 Prozent.
Die Energieversorger RWE und EON profitieren dabei von einem simplen Mechanismus: Steigende Energiepreise sind für Erzeuger und Händler zunächst ein Margentreiber. Ähnliches gilt für BASF, das trotz der schwierigen Chemie-Lage ein Wochenplus von fast 7 Prozent verbucht – hier dürfte Spekulation auf steigende Rohstoffpreise eine Rolle spielen.
Auf der Verliererseite trifft es vor allem exportabhängige und konjunktursensible Werte. QIAGEN verlor knapp 8 Prozent, Heidelberg Materials und Vonovia jeweils mehr als 7 Prozent. Beiersdorf und Henkel büßten über 6 bzw. 6 Prozent ein. Besonders schmerzhaft: Airbus und MTU Aero Engines, die eigentlich zu den Hoffnungsträgern des DAX zählen, gaben 4 bzw. 5 Prozent nach. Der Luftfahrtsektor leidet gleich doppelt – durch den Ölpreisanstieg und den laufenden Lufthansa-Pilotenstreik, der heute erneut über 600 Flüge ausfallen ließ.
Notenbanken in der Zwickmühle – was Fed und EZB nächste Woche sagen werden
Am Mittwoch entscheidet die US-Notenbank Fed, am Donnerstag die EZB. Beide werden die Zinsen aller Voraussicht nach unverändert lassen – die Fed bei 3,50 bis 3,75 Prozent, die EZB bei 2,00 Prozent. Das ist keine Überraschung. Die eigentliche Frage ist eine andere: Was sagen Powell und Lagarde über den weiteren Kurs?
Die Januar-PCE-Daten, die heute veröffentlicht wurden, zeigen: Der von der Fed bevorzugte Inflationsindikator liegt bei 2,8 Prozent auf Jahresbasis, der Kernindex bei 3,1 Prozent – beide deutlich über dem 2-Prozent-Ziel. Entscheidend ist dabei ein Hinweis, den Ökonomen besonders betonen: Diese Zahlen spiegeln noch gar nicht die Ölpreiseskalation durch den Iran-Krieg wider. Der Inflationsdruck dürfte in den kommenden Monaten also noch zunehmen.
Für die EZB ergibt sich ein gespaltenes Bild. Einerseits steigt der Druck durch teure Energie, andererseits schwächt sich das Wachstum ab. Analysten erwarten, dass EZB-Präsidentin Lagarde einräumen wird, dass die Notenbank nicht mehr „in a good place“ ist – eine deutliche Sprache für eine Institution, die Worte sonst sorgfältig wählt. Am Anleihemarkt ist die Stimmung bereits umgeschlagen: Die Rendite 10-jähriger Bundesanleihen erreichte zuletzt ein Hoch seit Oktober 2023. Steigende Finanzierungskosten werden damit zur zweiten großen Belastung für Unternehmen – neben den Energiepreisen.
Adobe: Wenn 18 Jahre Führung nicht reichen – und der Markt die Rechnung präsentiert
Shantanu Narayen kam 1998 zu Adobe, übernahm 2007 den CEO-Posten und verwandelte einen Softwareverkäufer in ein Cloud-Abonnement-Imperium mit einem Jahresumsatz von fast 24 Milliarden Dollar. Heute kündigte er seinen Rücktritt an – sobald ein Nachfolger gefunden ist. Die Reaktion der Märkte: minus 7 Prozent, Tiefstkurs seit 2019.
Dabei waren die Quartalszahlen für sich genommen solide. Der Umsatz übertraf die Erwartungen um 2 Prozent, die Gewinnmarge lag im Rahmen. Was den Markt beunruhigt, ist die Kombination: ein CEO-Abgang nach 18 Jahren, schwache jährlich wiederkehrende Umsätze und die Frage, ob Adobe im KI-Zeitalter noch die richtige Antwort hat. Goldman Sachs bleibt bei „Sell“ mit einem Kursziel von 220 Dollar – die Aktie notiert aktuell um 255 Dollar. BMO Capital senkte das Kursziel von 375 auf 285 Dollar, Piper Sandler von 330 auf 280 Dollar.
Barclays stufte die Aktie von „Overweight“ auf „Equal-weight“ herab. Analyst Saket Kalia formulierte es so: „Narayens Führung war beispielhaft“ – und trat gleichzeitig „an die Seitenlinie“. Das klingt nach Respekt, ist aber eine Verkaufsempfehlung in höflichem Gewand. Für deutsche Anleger mit Adobe-Position gilt: Die charttechnische Lage hat sich heute weiter eingetrübt, der Kurs fiel unter die 21-Tage-Linie. Die 200-Tage-Linie fungiert bereits seit Ende 2024 als hartnäckiger Widerstand.
Bitcoin über 73.000 Dollar – Regulierungsoptimismus schlägt Kriegsangst
Während Aktien unter dem Iran-Krieg ächzen, zeigt Bitcoin eine bemerkenswerte Eigenschaft: Krisenresilienz – zumindest relativ. Die älteste Kryptowährung kletterte heute auf über 73.000 Dollar, ein Plus von rund 5 Prozent gegenüber gestern. Auf Wochensicht steht ein Zuwachs von rund 10 Prozent zu Buche.
Der Haupttreiber ist regulatorischer Natur. Die US-Wertpapieraufsicht SEC und die Terminbörsenaufsicht CFTC haben Mitte der Woche eine gemeinsame Initiative angekündigt: die „Joint Harmonization Initiative“, die erstmals einen einheitlichen regulatorischen Rahmen für Kryptowährungen in den USA schaffen soll. Datenaustausch, einheitliche Meldepflichten, Ende der doppelten Strafverfolgung durch zwei Behörden – das klingt nach Bürokratie, ist aber für institutionelle Investoren ein wichtiges Signal. Die Initiative ist zwar nicht bindend, passt aber zum Kurs der Trump-Administration, die gezielt pro-Krypto-Führungspersönlichkeiten in beide Behörden eingesetzt hat.
Ethereum legte heute rund 6 Prozent zu und notiert bei etwa 2.170 Dollar. Rückenwind kommt auch von BlackRocks neu eingeführtem Ethereum-ETF mit Staking-Funktion, der Exposure zu ETH mit Rendite in einem Produkt kombiniert. Die ETF-Zuflüsse für Bitcoin blieben mit 53 Millionen Dollar am Donnerstag zwar unter den 247 Millionen Dollar vom Dienstag – ein Zeichen, dass die Euphorie noch nicht zurückgekehrt ist. Analyst Timo Emden von Emden Research mahnt zur Vorsicht: „Der aktuelle Preisanstieg darf nicht über fundamentale Risiken hinwegtäuschen.“
Für Krypto-Anleger bleibt die Lage zweischneidig. Bitcoin bewegt sich seit über einem Monat in einer Handelsspanne zwischen 62.000 und 74.000 Dollar – weit entfernt vom Allzeithoch bei rund 126.000 Dollar aus dem Oktober 2025.
Rüstung, Dünger und Telekom: Die Nischengewinner der Krise
Nicht alle Branchen leiden gleich. Rheinmetall gehört zu den klaren Profiteuren des anhaltenden Konflikts – die Aktie legte heute rund 2,7 Prozent zu. Berenberg bestätigte das Kursziel von 2.100 Euro mit „Buy“ und hob die Umsatzprognosen für 2026 und 2027 an. Die Auftrags-Pipeline wächst weiter, die Munitionsmargen haben 2025 positiv überrascht.
Weniger beachtet, aber ebenfalls im Aufwind: K+S. Der Düngemittelhersteller profitiert von der Logik, dass 20 Prozent des weltweiten Ammoniakhandels durch die Straße von Hormus läuft – fällt dieses Angebot weg, steigen die Preise für Düngemittel. Dass die DZ Bank heute einen Teil des „Hormus-Hypes“ in der Bewertung kritisierte und die Aktie abstufter, dämpfte den Enthusiasmus etwas. Dennoch setzte K+S seine Rally fort.
Bei der Deutschen Telekom gibt es eine andere Geschichte: Verdi fordert 6,6 Prozent mehr Gehalt für rund 60.000 Tarifbeschäftigte bei einer Laufzeit von zwölf Monaten. Die Verhandlungen beginnen am 13. April. Die Aktie legte heute trotzdem 1,4 Prozent zu – der Markt scheint die Tarifrunde als beherrschbar einzuschätzen. Ob das so bleibt, wird sich in den kommenden Wochen zeigen.
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Ausblick: Drei Termine, die nächste Woche zählen
Die kommende Woche steht ganz im Zeichen der Notenbanken. Mittwoch bringt die Fed-Entscheidung mit der Pressekonferenz von Jerome Powell – die Märkte werden jeden Satz auf Hinweise zur künftigen Zinspolitik abklopfen. Donnerstag folgt die EZB mit Christine Lagarde; die entscheidende Frage ist, ob sie den Inflationsausblick explizit nach oben revidiert. Ebenfalls am Donnerstag öffnet Vonovia als einziger DAX-Konzern dieser Woche seine Bücher.
Dazu kommt am Dienstag der ZEW-Index – das Stimmungsbarometer der Investoren für die deutsche Wirtschaft. Ökonomen erwarten einen deutlichen Rückgang von 58,3 auf etwa 38,5 Punkte. Das wäre kein Absturz, aber ein klares Signal, dass die Wachstumshoffnungen der letzten Monate unter dem Gewicht des Iran-Kriegs zerbröseln.
Mein Eindruck nach dieser Woche: Die Märkte haben die Krise noch nicht vollständig eingepreist. Der vielzitierte „Trump-Put“ – die Hoffnung, dass Washington eingreift, bevor die Märkte zu stark fallen – hält die Kurse noch über Wasser. Aber mit jeder Woche, die die Straße von Hormus geschlossen bleibt, wird diese Hoffnung dünner.
Bleibt wachsam und habt ein ruhiges Wochenende.
Andreas Sommer
Freitag, 13. März 2026


