Iran-Krieg erschüttert Weltmärkte

Widersprüchliche Aussagen aus Washington und Teheran führen zu extremen Kursschwankungen bei Öl und Aktien, während Notenbanken in der Inflations-Zwickmühle stecken.

Iran-Krieg erschüttert Weltmärkte
Kurz & knapp:
  • Ölpreis stürzt nach Trumps Äußerungen ab
  • Asiatische Börsen mit kräftigen Erholungsgewinnen
  • Notenbanken zwischen Inflation und Wachstumsrisiken
  • China verzeichnet überraschend starke Exportzahlen

Der Iran-Krieg hält die globalen Finanzmärkte in Atem. Trumps überraschende Ankündigung, der Konflikt könnte „sehr bald“ enden, löste am Dienstag eine kurze Erleichterungsrallye aus – doch die Reaktion aus Teheran ließ nicht lange auf sich warten. „Wir sind diejenigen, die das Ende des Krieges bestimmen“, kontern Irans Revolutionsgarden. Das Ergebnis: ein globales Marktpendel, das in beide Richtungen ausschlägt.

Öl und Aktien im Wechselbad

Brent-Rohöl, das am Montag zeitweise auf fast 120 Dollar je Barrel geschnellt war, fiel am Dienstagmorgen um bis zu elf Prozent auf rund 88 Dollar – bevor es sich bei etwa 92 bis 93 Dollar stabilisierte. Noch immer liegt der Preis weit über dem Vorkriegsniveau. Die Volatilität spiegelt das Grundproblem wider: U.S.-amerikanische und israelische Angriffe haben die Öl- und Gasexporte durch die Straße von Hormus nahezu zum Erliegen gebracht.

Asiatische Aktienmärkte griffen die Hoffnungssignale bereitwillig auf. Japans Nikkei 225 legte bis zu 3,6 Prozent zu, Südkoreas Kospi schoss sogar um 6,4 Prozent nach oben – so stark, dass die Korea Exchange einen temporären Handelsstopp auslöste. MSCI’s breiter Index für den asiatisch-pazifischen Raum ohne Japan gewann 2,6 Prozent. Auch für Europa signalisierten DAX-Futures und FTSE-Futures Gewinne von rund einem Prozent. US-Futures hingegen blieben zurückhaltend: S&P-500-E-Mini-Futures gaben 0,2 bis 0,5 Prozent nach.

Widersprüchliche Signale aus Washington und Teheran

Das eigentliche Problem ist die Unberechenbarkeit beider Seiten. Trump erklärte gegenüber CBS News, die USA seien „sehr weit vorne“ in seinem ursprünglichen Vier-bis-Fünf-Wochen-Zeitplan. Wenige Stunden später drohte er auf Truth Social, Iran „zwanzigmal härter“ zu treffen, sollte der Öldurchfluss durch die Straße von Hormus blockiert werden. Ein klassisches Trump-Muster: Deeskalation und Eskalation im Stundentakt.

Irans Hardliner, die sich hinter dem neuen Obersten Führer Mojtaba Khamenei scharen, zeigen wenig Bereitschaft zum Einlenken. Die Blockade der Ölexporte soll nach ihren Aussagen fortgesetzt werden. „Wir sind vorsichtig in dem Sinne, dass es vielleicht nicht so einfach ist, einfach das Ende des Krieges zu erklären“, sagt Rodrigo Catril, Senior-Währungsstratege bei der National Australia Bank in Sydney. „Wir haben das Ende der Volatilität noch nicht gesehen.“

Deutsche Bank-Stratege Henry Allen bringt es auf den Punkt: „Wie nah sind wir an diesen Schwellenwerten? Viel näher als vor einer Woche.“ Allerdings fehlen laut Allen noch entscheidende Faktoren für einen vollständigen Bärenmarkt – insbesondere ein klarer geldpolitischer Kurswechsel der Notenbanken und eindeutige Zeichen einer breiteren Konjunkturabschwächung.

Notenbanken zwischen Inflation und Wachstumssorgen

Genau darin liegt das Dilemma für Zentralbanken weltweit. Steigende Energiepreise wirken wie eine Steuer auf Konsum und Unternehmensgewinne – und heizen gleichzeitig die Inflation an. Das zwingt Notenbanken in eine unangenehme Zwickmühle: Zinssenkungen zur Stützung des Wachstums rücken in weite Ferne, während die Konjunkturrisiken zunehmen.

Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen fiel am Dienstag um 2,3 Basispunkte auf 4,109 Prozent, nachdem Montags Ölpreissprung eine Inflationspanik ausgelöst hatte. Laut dem FedWatch-Tool der CME Group wird die erste Zinssenkung der US-Notenbank Fed nun erst im Juli erwartet. ING-Analysten warnen: „Erwarten Sie keinen dramatischen strukturellen Anleihenrallye. Wir haben immer noch klare Inflationsimpulse zu überwinden.“

Besonders unter Beobachtung steht die Bank of Japan. Premierministerin Sanae Takaichi soll laut Medienberichten BOJ-Gouverneur Kazuo Ueda gegenüber Bedenken über weitere Zinserhöhungen geäußert haben. Finanzministerin Satsuki Katayama wich konkreten Antworten im Parlament aus, betonte aber die Unabhängigkeit der Notenbank. Ueda selbst hatte die BOJ im Dezember auf ein 30-Jahres-Hoch von 0,75 Prozent angehoben – weitere Schritte sind signalisiert, doch der Zeitpunkt bleibt offen.

Japan und China: Gegenläufige Konjunktursignale

Inmitten der geopolitischen Turbulenzen liefert Japan immerhin eine wirtschaftliche Überraschung: Das BIP wuchs im vierten Quartal 2025 mit einer annualisierten Rate von 1,3 Prozent – weit über der ursprünglichen Schätzung von 0,2 Prozent. Die Unternehmensausgaben stiegen um 1,3 Prozent, der stärkste Zuwachs seit zwei Jahren. Ökonom Takeshi Minami vom Norinchukin Research Institute zeigt sich zunächst zufrieden: „Die doppelten Aufwärtskorrekturen machen deutlich, dass Japans binnenwirtschaftlich getriebenes Wachstum anhält.“ Doch er warnt: Ab April könnten disruptions bei Energieimporten den Konsum und die Investitionsbereitschaft erheblich bremsen.

China präsentiert derweil boomende Exportzahlen. Die Ausfuhren stiegen im Januar-Februar-Zeitraum um 21,8 Prozent in US-Dollar – ein massiver Sprung gegenüber dem Dezember-Wachstum von 6,6 Prozent und weit über der Analystenschätzung von 7,1 Prozent. Der Handelsüberschuss erreichte 213,6 Milliarden Dollar, deutlich mehr als die 169,2 Milliarden im Vorjahreszeitraum. Peking profitiert davon, dass Exporteure ihre Lieferströme nach Südostasien, Afrika und Lateinamerika umgeleitet haben – als Reaktion auf Trumps Zolloffensive aus dem Jahr 2025.

Dollar als sicherer Hafen verliert Glanz

Im Währungsmarkt büßte der US-Dollar etwas von seiner Funktion als sicherer Hafen ein. Der Dollar-Index fiel um 0,1 Prozent auf 98,79 und hat damit alle Gewinne der Vorwoche wieder abgegeben. Der Euro notiert bei 1,1632 Dollar, das Pfund Sterling hielt sich bei rund 1,34 Dollar. Risikoreichere Währungen wie der australische Dollar stabilisierten sich nach zuvor deutlichen Verlusten.

Gold hielt sich bei 5.133,55 Dollar kaum verändert. Das dürfte spannend werden: Sollte sich die Lage in der Straße von Hormus weiter zuspitzen, könnte das Edelmetall als klassischer Krisenanleger-Favorit neuen Auftrieb erhalten. Vorerst aber wartet der Markt – nervös, aber ohne klare Richtung.

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Mit über fünfzehn Jahren Erfahrung als Wirtschaftsjournalist hat sich Felix Baarz als Experte für internationale Finanzmärkte etabliert. Seine Leidenschaft gilt den Mechanismen globaler Finanzmärkte und komplexen wirtschaftspolitischen Zusammenhängen, die er für seine Leserschaft verständlich aufbereitet.In Köln geboren und aufgewachsen, entdeckte er früh sein Interesse für Wirtschaftsthemen und internationale Entwicklungen. Nach seinem Studium startete er als Wirtschaftsredakteur bei einer renommierten deutschen Fachpublikation, bevor ihn sein Weg ins Ausland führte.Ein prägendes Kapitel seiner Karriere waren die sechs Jahre in New York, wo er direkten Einblick in die globale Finanzwelt erhielt. Die Berichterstattung von der Wall Street und über weltweite wirtschaftspolitische Entscheidungen schärfte seinen Blick für globale Zusammenhänge.Heute ist Felix Baarz als freier Journalist für führende Wirtschafts- und Finanzmedien im deutschsprachigen Raum tätig. Seine Arbeit zeichnet sich durch fundierte Recherchen und präzise Analysen aus. Er möchte nicht nur Fakten präsentieren, sondern auch deren Bedeutung erklären und seinen Lesern Orientierung bieten – sei es zu wirtschaftlichen Trends, politischen Entscheidungen oder langfristigen Veränderungen in der Finanzwelt.Zusätzlich moderiert er Diskussionen und nimmt an Expertenrunden teil, um sein Wissen einem breiteren Publikum zugänglich zu machen. Dabei liegt sein Fokus darauf, komplexe Themen informativ und inspirierend zu vermitteln. Felix Baarz versteht seine journalistische Aufgabe darin, in einer sich schnell wandelnden Welt einen klaren Blick auf wirtschaftliche Zusammenhänge zu ermöglichen und seine Leser bei fundierten Entscheidungen zu unterstützen – beruflich wie privat.