Iran-Krieg erschüttert Weltmärkte

Die Sperrung der Straße von Hormus treibt Energiepreise massiv in die Höhe und löst schwere Verluste an asiatischen Aktienmärkten aus. Regierungen reagieren mit Notmaßnahmen.

KI-generiertes Symbolbild
Symbolbild, KI-generiert
Kurz & knapp:
  • Brent-Rohöl steigt um rund 59 Prozent
  • Asiatische Aktienmärkte stürzen stark ab
  • Japan und Südkorea ergreifen Gegenmaßnahmen
  • Dollar und Gold profitieren als sichere Häfen

Der Nahost-Krieg hat die globalen Finanzmärkte in einem Monat tiefgreifend verändert. Brent-Rohöl steuert auf einen rekordverdächtigen Monatsanstieg von rund 59 % zu, asiatische Aktien verbuchen ihre schwersten Verluste seit 2022 – und Regierungen von Seoul bis Sydney suchen fieberhaft nach Antworten.

Ein Schock, der sich multipliziert

Als die USA und Israel am 28. Februar Iran angriffen und die Straße von Hormus faktisch für den Schiffsverkehr sperrten, traf das die Weltwirtschaft an ihrer verwundbarsten Stelle. Rund ein Fünftel des globalen Öl- und Gashandels fließt durch diesen Nadelöhr-Seeweg. Die Folge: Brent-Rohöl kletterte auf knapp 115 US-Dollar pro Barrel, US-Rohöl auf über 104 Dollar. Europäische Gaspreise sprangen in den vergangenen Wochen um mehr als 70 % nach oben.

Einen kleinen Hoffnungsschimmer lieferte am Dienstag ein Bericht des Wall Street Journal, wonach US-Präsident Donald Trump Beratern mitgeteilt habe, er sei bereit, den Militäreinsatz gegen Iran zu beenden – auch wenn die Straße von Hormus weitgehend geschlossen bliebe. US-Futures drehten daraufhin ins Plus, S&P-500-Terminkontrakte gewannen 0,4 %. Ob das Bestand hat, bleibt offen. Solange der Seeweg gesperrt ist, bleiben die Energiepreise hoch.

Asiens doppelte Bedrohung

Besonders hart trifft es Asien. Japan, Südkorea und andere Volkswirtschaften der Region sind in hohem Maß auf Energieimporte aus dem Nahen Osten angewiesen. Der japanische Nikkei verlor im März rund 12,6 %, Südkoreas Kospi büßte sogar mehr als 17 % ein – der stärkste Rückgang seit 2008.

In Japan verdichten sich die Probleme zu einem gefährlichen Dreiklang: schwacher Yen, hohe Ölpreise, steigende Anleihezinsen. Der Yen notierte zuletzt knapp unter der kritischen Marke von 160 je Dollar. Finanzministerin Satsuki Katayama bezeichnete die jüngsten Devisenbewegungen erstmals seit Kriegsbeginn ausdrücklich als „spekulativ“ – eine Formulierung, die Tokio in der Vergangenheit stets als Vorbereitung für Devisenmarktinterventionen genutzt hat. Ökonom Tsuyoshi Ueno vom NLI Research Institute ordnet das nüchtern ein: „Es ist verbale Intervention.“ Sein Schwellenwert für echtes Eingreifen liegt bei 162, spätestens 165 Yen je Dollar.

Gleichzeitig stieg die Rendite zehnjähriger japanischer Staatsanleihen auf das höchste Niveau seit 1999. Die Bank of Japan steckt damit in einem Dilemma: Heben sie die Zinsen an, um die Inflation zu bekämpfen, riskieren sie, eine ohnehin fragile Konjunktur abzuwürgen. Tun sie es nicht, droht ein weiterer Vertrauensverlust. Angesichts des schwachen Yens und hawkischer Signale der Notenbank preisen Märkte derzeit eine rund 70-prozentige Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung beim nächsten Treffen am 27./28. April ein. Mari Iwashita von Nomura Securities bringt das Risiko auf den Punkt: „Der Doppelschlag aus schwachem Yen und Ölpreisanstieg erhöht die Gefahr einer Inflationsüberschreitung. Japan ist anfälliger für Zweitrundeneffekte als noch während des Ukraine-Kriegs 2022.“

Gegenmaßnahmen: Fiskal- statt Geldpolitik

Südkorea reagiert mit der Haushaltspolitik. Seoul legte am Dienstag ein Nachtragshaushalt von umgerechnet 17,3 Milliarden US-Dollar vor – das zweite Zusatzbudget binnen eines Jahres. Als viertgrößter Ölimporteur der Welt, mit 70 % seiner Bezüge aus dem Nahen Osten, ist das Land besonders exponiert. Das Paket umfasst Maßnahmen gegen hohe Ölpreise (10,1 Billionen Won), Hilfen für Geringverdiener und Junge (2,8 Billionen Won) sowie Unterstützung für betroffene Unternehmen (2,6 Billionen Won). Unter anderem plant Seoul 5 Billionen Won, um Raffineriebetreibern Verluste aus landesweiten Preisdeckeln zu erstatten – eine Maßnahme, die es zuletzt vor fast 30 Jahren gab.

Australien wiederum kämpft auf zwei Fronten gleichzeitig. Die Reserve Bank of Australia hob die Zinsen im März um 25 Basispunkte auf 4,1 % an – ein knapp mit 5:4-Stimmen gefälltes Votum. Fünf Ratsmitglieder argumentierten, der Nahost-Konflikt würde die ohnehin knappe Angebotskapazität weiter einschränken und die Inflationserwartungen destabilisieren. Die anderen vier sahen den privaten Konsum als zu schwach für eine sofortige Straffung. Hält sich Öl um die 100 Dollar je Barrel, könnte Australiens Inflation im zweiten Quartal auf rund 5 % klettern – derzeit liegt sie bei 3,7 %. Märkte rechnen schon mit einer 60-prozentigen Chance auf eine weitere Anhebung im Mai.

Ausreißer nach oben: Malaysia

Inmitten des Trübsinns sticht Malaysia hervor. Die Zentralbank Bank Negara Malaysia hob ihre Wachstumsprognose für 2026 leicht auf 4 bis 5 % an, von zuvor 4 bis 4,5 %. Der Grund: Malaysia ist Nettoenergieexporteur und profitiert zumindest teilweise von hohen Ölpreisen. Allerdings explodierte der Subventionsaufwand der Regierung – von 700 Millionen Ringgit monatlich vor dem Krieg auf nun 4 Milliarden Ringgit, um den Kraftstoffpreis stabil zu halten.

Dollar als sicherer Hafen, Gold als Begleiter

An den Devisenmärkten zog der Greenback die Profite ein. Der Dollar-Index steuert auf seinen stärksten Monatsgewinn seit Juli zu, rund 2,9 % gegenüber dem Währungskorb. Euro und Pfund verloren jeweils mehr als 2 bis 3 % im März. Gold notierte derweil bei knapp 4.538 Dollar je Unze – trotz eines der schwächsten März-Monate seit Jahrzehnten noch deutlich im Plus für das Jahr.

Die entscheidende Frage für April und darüber hinaus ist schlicht: Wie lange bleibt die Straße von Hormus geschlossen? Solange das ungewiss ist, dürften Volatilität und Druck auf Notenbanken hoch bleiben – egal, ob sie kämpfen, warten oder zahlen.

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Felix Baarz arbeitet seit 2016 als Wirtschaftsjournalist und gehört zur Redaktion der YES Investmedia GmbH.Unter seinem Namen erscheinen auf Trading-Treff seit März 2025 Beiträge zu Aktien, Trading und Indizes sowie zu wirtschaftlichen Rahmenthemen. Schwerpunkte sind Rohstoffwerte sowie KI- und Technologiewerte.Quellen dieses Ressorts: Unternehmensmitteilungen und Pflichtveröffentlichungen, Geschäftsberichte und Quartalszahlen, Kurs- und Handelsdaten der Börsenplätze sowie Meldungen der Nachrichtenagenturen. Bei Index- und Trading-Themen zusätzlich die Zusammensetzung und Anpassungen der Indexanbieter sowie Terminmarktdaten; bei Technologie- und KI-Werten Produktankündigungen und Geschäftszahlen der Unternehmen.Einordnung: Analystenurteile und Kursziele erscheinen als Aussage der jeweiligen Häuser, nicht als Bewertung der Redaktion. Kurs- und Unternehmensangaben geben den Stand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung wieder.