Iran-Krieg erschüttert Weltmärkte

Neue Kampfhandlungen im Nahen Osten treiben den Ölpreis auf knapp 98 Dollar. EZB bereitet Zinserhöhung vor, Schwellenländer wie Sri Lanka leiden stark.

Iran-Krieg erschüttert Weltmärkte
Kurz & knapp:
  • Erneute Gefechte in Südiran
  • Brent-Öl steigt auf 98 Dollar
  • EZB signalisiert Zinserhöhung im Juni
  • Sri Lanka hebt Leitzins drastisch an

Der Nahe Osten hält die Finanzmärkte fest in seinem Griff. Fast drei Monate nach Beginn des US-israelischen Angriffs auf Iran eskaliert der Konflikt erneut – und die Schockwellen reichen von Tokio bis Colombo, von Frankfurt bis New York.

Waffenstillstand oder Kriegsführung?

Die Hoffnung auf ein baldiges Ende des Konflikts, die zu Beginn der Woche noch die Märkte beflügelte, ist am Dienstag spürbar verblasst. US-Streitkräfte beschossen in Südiran Raketenstellungen und versenkten Boote der Iranischen Revolutionsgarden, die versuchten, Minen in der Straße von Hormus zu verlegen. Teheran reagierte prompt: Die Revolutionsgarden feuerten auf eine US-Drohne und bezeichneten Vergeltungsschläge als „legitim und sicher“, sollte Washington den Waffenstillstand weiter verletzen.

Außenminister Marco Rubio versuchte zu beschwichtigen und nannte die Angriffe „defensiv“ – die Straße von Hormus werde „so oder so“ wiedereröffnet, sagte er, räumte aber ein, dass ein Abkommen noch „einige Tage“ entfernt sei. Damit verpuffte die Euphorie vom Wochenende, als beide Seiten angeblich kurz vor einem Rahmenabkommen standen und Präsident Trump die Gespräche als „sehr gut laufend“ bezeichnete.

Für die Märkte ist die Unsicherheit das eigentliche Problem. Die Straße von Hormus, durch die rund ein Fünftel des weltweiten Öls fließt, ist seit Ende Februar weitgehend für Tankerschiffe gesperrt. Brent-Rohöl stieg am Dienstag um rund 2,4 Prozent auf knapp 98 Dollar pro Barrel – nachdem es am Montag auf Friedensspekulationen hin um sieben Prozent abgesackt war. Zum Vergleich: Vor Kriegsbeginn lag der Preis bei etwa 70 Dollar.

„Die Märkte preisen zu Recht etwas Optimismus ein, denn selbst ein Weg zur Wiedereröffnung von Hormus senkt das extreme Extremrisiko rund um Öl, Inflation und globales Wachstum“, kommentierte Charu Chanana, Chefanlagestratege bei Saxo in Singapur. Aber sie mahnte zur Vorsicht: „Ich würde positive Verhandlungssignale nicht mit einer dauerhaften Deeskalation verwechseln.“

EZB vor Zinswende

In Frankfurt zieht der Energieschock die Schrauben für die Europäische Zentralbank enger. EZB-Chefvolkswirt Philip Lane kündigte an, die Bank werde ihre Wachstums- und Inflationsprognosen beim nächsten Treffen am 11. Juni nach oben korrigieren. „Es gibt mehrere Faktoren im Zusammenhang mit dem Iran-Krieg, die zeigen, dass sich der makroökonomische Ausblick verschlechtert hat“, sagte Lane. Öl werde voraussichtlich länger teuer bleiben als noch im März angenommen.

Noch deutlicher wurde EZB-Direktoriumsmitglied Isabel Schnabel. Eine Zinserhöhung im Juni sei notwendig – unabhängig davon, ob die Friedensgespräche zu einem Ergebnis führten. Die Schäden an Energieinfrastruktur und globalen Lieferketten seien bereits zu groß, um noch abzuwarten. „Die Situation hat sich über das eigene adverse Szenario der EZB hinausbewegt“, ließ sie verlauten. Finanzmarktpreise spiegeln das wider: Zwei Zinsschritte sind bereits vollständig eingepreist, für einen dritten innerhalb eines Jahres liegt die Wahrscheinlichkeit bei rund 50 Prozent.

Die Eurozone wächst 2026 laut EU-Kommission nur noch um 0,9 Prozent – und auch diese Zahl könnte laut Schnabel noch zu optimistisch sein. Steigende Energiekosten fressen sich zunehmend in andere Konsumbereiche, die Verbraucherstimmung bricht ein.

Schwellenländer unter Druck

Während Europa die geldpolitische Kehrtwende vorbereitet, kämpfen Schwellenländer bereits mit den unmittelbaren Folgen des Energieschocks. Sri Lanka traf es am Dienstag besonders hart: Die Zentralbank hob den Leitzins überraschend um 100 Basispunkte auf 8,75 Prozent an – der größte Zinsschritt seit dem Tiefpunkt der Finanzkrise im März 2023. Sieben von zwölf befragten Analysten hatten nur einen Schritt von 25 Basispunkten erwartet.

Das Land, das vollständig auf Ölimporte angewiesen ist, kämpft mit einer 40-prozentigen Kraftstoffpreiserhöhung, Rationierungen und sogar staatlich angeordneten Feiertagen mittwochs. Die Jahresinflation ist von 2,2 Prozent im März auf 5,4 Prozent im April gesprungen. Die Rupie hat seit Anfang März knapp neun Prozent gegenüber dem Dollar verloren, die Devisenreserven schrumpften auf 6,7 Milliarden Dollar.

„Dieser Schritt zeigt Sri Lankas Verwundbarkeit gegenüber der Krise im Nahen Osten – und er wird wahrscheinlich nicht der letzte sein, wenn die Krise nicht bald abklingt“, warnte Gareth Leather von Capital Economics. Ähnliche Muster zeigen sich in Indien, wo die Zentralbank die rasant fallende Rupie stützen muss.

Dollar stabil, Private Credit im Blick

Am Devisenmarkt stabilisierte sich der Dollar nach kurzen Schwankungen. Der Dollar-Index notierte bei rund 99,08 Punkten. Der Euro gab leicht auf 1,163 Dollar nach, das britische Pfund fiel um 0,2 Prozent auf 1,347 Dollar. Der Yen nähert sich mit 159,21 je Dollar wieder der Marke von 160, bei der Tokio zuletzt Ende April intervenierte.

OCBC-Strategen sehen keinen starken Grund für eine Dollar-Schwäche: Resilientes US-Wachstum, KI-getriebene Inflationsdrücke und die Rolle der USA als Energieexporteur stützten den Greenback auch bei einem allmählichen Ölpreisrückgang.

Abseits des geopolitischen Geschehens warnte die EZB unterdessen vor einem weiteren Risikoherd: Private-Credit-Märkte. Nach Ausfällen von Unternehmen wie dem Autozulieferer First Brands und dem Subprime-Autokreditgeber Tricolor häufen sich Rücknahmeanfragen bei privaten Kreditfonds – einige davon haben bereits Auszahlungen gedeckelt. Die direkten Risiken für die Eurozone seien begrenzt, so die EZB, aber Versicherungen hielten rund 211 Milliarden Euro in Private Credit, Pensionsfonds weitere 52 Milliarden. Im Stressfall könnten über Spillover-Effekte auf Hochzinsanleihen und Aktien deutlich größere Verluste entstehen.

Zwischen Hoffnung und nächster Eskalation

US-Aktienfutures zeigten sich am Dienstagmorgen überraschend stabil, der Dow-Future stieg um rund 0,6 Prozent. Die Märkte scheinen eine gewisse Eskalationstoleranz entwickelt zu haben – solange die Verhandlungen formell weiter laufen. Doch wie lange diese Zuversicht trägt, hängt von einer schlichten Frage ab: Ob Tanker bald wieder durch die Straße von Hormus fahren können. Erst dann, so Saxo-Stratege Chanana, wäre eine echte Deeskalation wirklich belegt.

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Mit über fünfzehn Jahren Erfahrung als Wirtschaftsjournalist hat sich Felix Baarz als Experte für internationale Finanzmärkte etabliert. Seine Leidenschaft gilt den Mechanismen globaler Finanzmärkte und komplexen wirtschaftspolitischen Zusammenhängen, die er für seine Leserschaft verständlich aufbereitet.In Köln geboren und aufgewachsen, entdeckte er früh sein Interesse für Wirtschaftsthemen und internationale Entwicklungen. Nach seinem Studium startete er als Wirtschaftsredakteur bei einer renommierten deutschen Fachpublikation, bevor ihn sein Weg ins Ausland führte.Ein prägendes Kapitel seiner Karriere waren die sechs Jahre in New York, wo er direkten Einblick in die globale Finanzwelt erhielt. Die Berichterstattung von der Wall Street und über weltweite wirtschaftspolitische Entscheidungen schärfte seinen Blick für globale Zusammenhänge.Heute ist Felix Baarz als freier Journalist für führende Wirtschafts- und Finanzmedien im deutschsprachigen Raum tätig. Seine Arbeit zeichnet sich durch fundierte Recherchen und präzise Analysen aus. Er möchte nicht nur Fakten präsentieren, sondern auch deren Bedeutung erklären und seinen Lesern Orientierung bieten – sei es zu wirtschaftlichen Trends, politischen Entscheidungen oder langfristigen Veränderungen in der Finanzwelt.Zusätzlich moderiert er Diskussionen und nimmt an Expertenrunden teil, um sein Wissen einem breiteren Publikum zugänglich zu machen. Dabei liegt sein Fokus darauf, komplexe Themen informativ und inspirierend zu vermitteln. Felix Baarz versteht seine journalistische Aufgabe darin, in einer sich schnell wandelnden Welt einen klaren Blick auf wirtschaftliche Zusammenhänge zu ermöglichen und seine Leser bei fundierten Entscheidungen zu unterstützen – beruflich wie privat.