Iran-Krieg erschüttert Weltwirtschaft

Die Eskalation im Iran treibt Ölpreise und Inflation weltweit. Asiens Zentralbanken reagieren unterschiedlich, während Anleger Risiken meiden.

Iran-Krieg erschüttert Weltwirtschaft
Kurz & knapp:
  • Ölpreis erreicht 107 Dollar je Barrel
  • US-Inflation auf Dreijahreshoch gestiegen
  • Japanische Anleger ziehen Milliarden ab
  • BRICS-Staaten im Konflikt gespalten

Der Iran-Krieg hat sich längst vom regionalen Konflikt zur globalen Wirtschaftsstörung entwickelt. Gesperrte Öltanker im Strait of Hormuz, Inflation auf dem höchsten Stand seit Jahren, verunsicherte Anleger auf allen Kontinenten — das Bild, das sich am 13. Mai 2026 ergibt, ist eindeutig: Die Nachwirkungen des US-israelischen Angriffs vom 28. Februar treffen Schwellen- und Industrieländer gleichermaßen hart.

Energiepreise als globaler Taktgeber

Rund ein Fünftel des weltweiten Ölhandels fließt durch die Straße von Hormus — oder floss es zumindest. Seit Wochen ist der Schiffsverkehr dort effektiv zum Erliegen gekommen. Brent-Rohöl notiert bei rund 107 US-Dollar je Barrel, deutlich über den rund 70 Dollar, die vor dem Konflikt galten. Diese Preissteigerung ist kein bloßes Rohstoffproblem. Sie pflanzt sich durch die gesamte globale Lieferkette fort.

Ein konkretes Beispiel: Chinesische Spielzeugproduzenten wie Huntar Company berichten, dass die Bezugskosten für Kunststoffe — ein Erdölderivat — seit Kriegsbeginn um mehr als 40 Prozent gestiegen sind. Unternehmen, die ohnehin unter dem US-chinesischen Zollstreit litten, geraten damit in eine Doppelzange aus Handels- und Energieunsicherheit.

Die US-Verbraucherpreise stiegen im April so stark wie seit drei Jahren nicht mehr. Das drückt nicht nur auf die Kauflaune der amerikanischen Haushalte, sondern zieht auch die Erwartungen an die Geldpolitik weltweit nach oben. Marktdaten zeigen, dass der Markt inzwischen bis April 2027 US-Zinserhöhungen im Umfang von etwa 20 Basispunkten einpreist — ein neues Hoch. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen kletterte auf den höchsten Stand seit Juni 2025.

Asiens Zentralbanken manövrieren zwischen Inflation und Wachstum

Die geldpolitische Antwort auf diesen Schock fällt in Asien alles andere als einheitlich aus. Thailand hält seinen Leitzins bei 1,00 Prozent stabil und signalisiert keine Eile beim Erhöhen. Die Bank of Thailand stuft die Zweitrundeneffekte der Inflation als begrenzt ein, warnt aber gleichzeitig, dass der Konflikt längst über höhere Energiepreise hinaus spürbar ist — Kaufkraft schwindet, Unternehmenskosten steigen. Wachstumserwartungen für 2026 liegen bei 2,1 Prozent, gestützt durch ein 400-Milliarden-Baht-Konjunkturpaket.

Südkorea steht vor einer anderen Ausgangslage. Ratingagentur Fitch sieht für Seoul durchaus fiskalischen Spielraum, um die Wirtschaft zu stützen — und das explizit wegen des KI-Booms. Die Chipexporte von Samsung Electronics und SK Hynix spülen Steuereinnahmen in die Staatskasse, die Präsident Lee Jae Myung gezielt über Zusatzbudgets in die Konjunktur lenkt. Fitch-Analystin Sagarika Chandra bringt es auf den Punkt: Da Inflation eine straffe Geldpolitik erzwingen könnte, müsse die Fiskalpolitik den Großteil der Stabilisierungsarbeit übernehmen. Südkoreas Staatsschulden dürften sich bei etwa 50 Prozent des Bruttoinlandsprodukts einpendeln — noch unterhalb des AA-Medians.

Japanische Investoren ziehen die Reißleine

An den Kapitalmärkten sind die Auswirkungen unmittelbar messbar. Japanische Anleger haben im April erstmals seit vier Monaten per saldo ausländische Aktien verkauft — netto rund 636 Milliarden Yen (ca. 4 Milliarden US-Dollar). Das war der größte monatliche Nettoabfluss seit Oktober 2025. Japanische Trust-Gesellschaften allein zogen 1,85 Billionen Yen aus Auslandsaktien ab — der höchste Wert seit Juni 2025.

Die Nervosität ist verständlich. Steigende Energiepreise, drohende Zinserhöhungen und ein geopolitisches Umfeld, das sich täglich verändern kann, sind kein Umfeld für risikoreiche Positionen.

Trump in Peking, BRICS unter Druck

Während die Finanzmärkte die Lage verdauen, tobt die diplomatische Debatte. US-Präsident Trump reist diese Woche nach Peking — ein Treffen mit Xi Jinping, bei dem der Iran-Krieg und ein möglicher Friedensdeal im Mittelpunkt stehen dürften. China, als Großabnehmer iranischen Öls, gilt Analysten als potenzieller Garant eines dauerhaften Waffenstillstands. Doch Erwartungen an einen Durchbruch sind zuletzt wieder gedämpfter geworden: Trumps Ablehnung eines iranischen Gegenvorschlags als „inakzeptabel“ ließ wenig Raum für Optimismus.

Parallel dazu treffen sich in Neu-Delhi die Außenminister der BRICS-Staaten — und der Riss durch das Bündnis ist kaum zu übersehen. Iran ist BRICS-Mitglied, ebenso wie die Vereinigten Arabischen Emirate, die laut Berichten selbst militärische Gegenschläge auf Iran geflogen haben sollen. Indien als Vorsitzland hofft auf eine gemeinsame Abschlusserklärung, doch gerade in der Kernfrage des Konflikts liegen die Mitglieder weit auseinander. China schickt lediglich seinen Botschafter — Wang Yi begleitet Trumps Peking-Besuch.

Handel im Schatten der Unsicherheit

Für Unternehmen wie den Spielzeughersteller Huntar Company in der südchinesischen Stadt Shaoguan zeigen diese geopolitischen Verwerfungen sehr konkrete Konsequenzen. Das Familienunternehmen, das für Walmart und Target produziert, stand beim Höhepunkt des US-chinesischen Zollkonflikts vor dem Aus. Ein eintägiger Aufschub der Zollsenkungen im vergangenen Jahr hätte gereicht, um die Produktionswerkzeuge unwiderruflich nach Vietnam umzuleiten. „Dieser eine Tag hätte alles verändert“, sagt Unternehmenschef David Cheung. Heute hofft er nicht auf sinkende Tarife — sondern schlicht auf stabile.

Die Botschaft, die sich durch alle Geschichten dieser Woche zieht, ist dieselbe: Stabilität ist das neue Wachstum. Ob in Bangkok, Seoul, Tokio oder Shaoguan — Unternehmen und Regierungen suchen nicht nach der optimalen Lösung. Sie suchen nach Vorhersehbarkeit. Ob Trump und Xi in Peking die Grundlage dafür legen können, bleibt die offene Frage dieser Woche.

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Mit über fünfzehn Jahren Erfahrung als Wirtschaftsjournalist hat sich Felix Baarz als Experte für internationale Finanzmärkte etabliert. Seine Leidenschaft gilt den Mechanismen globaler Finanzmärkte und komplexen wirtschaftspolitischen Zusammenhängen, die er für seine Leserschaft verständlich aufbereitet.In Köln geboren und aufgewachsen, entdeckte er früh sein Interesse für Wirtschaftsthemen und internationale Entwicklungen. Nach seinem Studium startete er als Wirtschaftsredakteur bei einer renommierten deutschen Fachpublikation, bevor ihn sein Weg ins Ausland führte.Ein prägendes Kapitel seiner Karriere waren die sechs Jahre in New York, wo er direkten Einblick in die globale Finanzwelt erhielt. Die Berichterstattung von der Wall Street und über weltweite wirtschaftspolitische Entscheidungen schärfte seinen Blick für globale Zusammenhänge.Heute ist Felix Baarz als freier Journalist für führende Wirtschafts- und Finanzmedien im deutschsprachigen Raum tätig. Seine Arbeit zeichnet sich durch fundierte Recherchen und präzise Analysen aus. Er möchte nicht nur Fakten präsentieren, sondern auch deren Bedeutung erklären und seinen Lesern Orientierung bieten – sei es zu wirtschaftlichen Trends, politischen Entscheidungen oder langfristigen Veränderungen in der Finanzwelt.Zusätzlich moderiert er Diskussionen und nimmt an Expertenrunden teil, um sein Wissen einem breiteren Publikum zugänglich zu machen. Dabei liegt sein Fokus darauf, komplexe Themen informativ und inspirierend zu vermitteln. Felix Baarz versteht seine journalistische Aufgabe darin, in einer sich schnell wandelnden Welt einen klaren Blick auf wirtschaftliche Zusammenhänge zu ermöglichen und seine Leser bei fundierten Entscheidungen zu unterstützen – beruflich wie privat.