Iran-Ultimatum, Commerzbank-Drama und Bitcoin im Sturmtief: Was diese Nacht entscheidet

Die Börsen warten angespannt auf das Auslaufen des Iran-Ultimatums, während die Commerzbank ein Übernahmeangebot ablehnt und Chemieaktien als Kriegsgewinner auftrumpfen.

Iran-Ultimatum, Commerzbank-Drama und Bitcoin im Sturmtief: Was diese Nacht entscheidet
Kurz & knapp:
  • DAX verliert durch geopolitischen Druck
  • Commerzbank weist UniCredit-Angebot zurück
  • Chemiewerte profitieren vom Iran-Konflikt
  • Bitcoin fällt trotz ETF-Zuflüssen

Liebe Leserinnen und Leser,

um 2 Uhr in der Nacht läuft eine Frist ab, die die Welt verändern könnte. Trumps Ultimatum an den Iran – Öffnung der Straße von Hormus oder Zerstörung jeder Brücke, jedes Kraftwerks – hält heute die Märkte in einem Zustand angespannter Lähmung. Der DAX schloss unter 23.000 Punkten. Bitcoin rutscht ab. Und ausgerechnet Chemieaktien feiern ein Comeback. In dieser Ausgabe ordne ich ein, was der Abend noch bringen könnte – und welche Signale abseits des Kriegslärms für euer Portfolio wichtig sind.

Der Countdown und seine Folgen für den DAX

Sechs Wochen Iran-Krieg haben Brent-Öl um mehr als 50 Prozent verteuert – auf über 111 Dollar je Barrel. Das ist keine abstrakte Zahl. Für deutsche Verbraucher bedeutet das Diesel über 2,50 Euro, für Unternehmen explodierende Energiekosten, für die EZB ein Inflationsproblem, das sie nicht ignorieren kann.

Der DAX verlor heute 1,06 Prozent auf 22.922 Punkte. Vom Allzeithoch Mitte Januar bei 25.508 Punkten ist er damit rund 10 Prozent entfernt. Das klingt nach Korrektur, fühlt sich aber nach Warteschleife an – denn Anleger wissen nicht, ob sie heute Nacht mit einer Deeskalation oder einem massiven Eskalationsschritt aufwachen.

Besonders schmerzhaft: Adidas fiel auf ein Dreijahrestief. Heidelberg Materials verlor über vier Prozent. Reise- und Transportwerte wie TUI und Lufthansa bluteten ebenfalls – TUI, weil zwei Kreuzfahrtschiffe weiterhin im Persischen Golf feststecken. Das ist keine Börsenstory, das ist eine operative Katastrophe.

Die DZ-Bank-Analysten brachten es auf den Punkt: Eine weitere Eskalation des Iran-Kriegs habe das Potenzial, den Rohölpreis noch weiter ansteigen zu lassen. Und das Rezessionsrisiko steigt mit: Der Sentix-Konjunkturindikator für die Eurozone brach im April um 16 Punkte ein – auf minus 19,2 Punkte, den tiefsten Stand seit einem Jahr.

Die stille Gewinner-Gruppe: Chemie dreht ins Plus

Mitten im Absturz gibt es eine Branche, die paradoxerweise vom Krieg profitiert: Chemieaktien. BASF legte fast zwei Prozent zu, Wacker Chemie sogar knapp vier Prozent – und erreichte damit ein neues 52-Wochen-Hoch. Lanxess und K+S folgten mit Aufschlägen von bis zu fünf Prozent.

Warum das? Weil der Iran-Krieg den globalen Chemikalienwettbewerb verschiebt. Iranische Produzenten fallen als Konkurrenten aus, das Überangebot schrumpft, die Preise steigen. Analysten sehen das als temporären, aber realen Rückenwind. Das Risiko bleibt: Wenn der Krieg die Nachfrage insgesamt abwürgt, dreht sich der Vorteil wieder um.

Russland profitiert übrigens noch direkter. Laut Deutsch-Russischer Auslandshandelskammer fährt Moskau durch die faktische Sperrung der Straße von Hormus monatlich mehr als zehn Milliarden Euro Zusatzeinnahmen ein – bei Öl, Gas und Dünger. Der Krieg hat also auch Profiteure, die man nicht auf den ersten Blick sieht.

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Commerzbank vs. UniCredit: Das Übernahmedrama eskaliert

Abseits des Kriegsgeschehens läuft eine der spannendsten Unternehmensschlachten des Jahres weiter. Die Commerzbank hat das Übernahmeangebot von UniCredit heute in aller Deutlichkeit zurückgewiesen. Die Kernaussage des Frankfurter Geldhauses: Das Angebot biete keinen echten Mehrwert für Aktionäre, und das skizzierte Potenzial lasse sich auch eigenständig realisieren – ohne die erheblichen Umsetzungsrisiken einer Fusion.

Was dahintersteckt: UniCredit-Chef Andrea Orcel will die Beteiligung über 30 Prozent heben, ohne ein Pflichtangebot auslösen zu müssen. Dafür braucht er am 4. Mai die Zustimmung seiner eigenen Aktionäre zu einer Kapitalerhöhung. Das Angebot liegt bei rund 30,80 Euro je Commerzbank-Aktie – unter dem aktuellen Marktpreis von 31,21 Euro.

Die Commerzbank hält dagegen: Am 8. Mai, zusammen mit den Quartalszahlen, will sie erhöhte Finanzziele verkünden. Das ist ein klassischer Schachzug – den eigenen Wert demonstrieren, bevor der Gegner sein Angebot nachbessern muss. Politisch ist der Deal ohnehin heikel: Der deutsche Staat hält Anteile, die Belegschaft ist skeptisch. Ob UniCredit nachbessert oder sich in eine feindliche Übernahme manövriert, dürfte die nächsten Wochen prägen.

Evotec und BioNTech: Zwei sehr unterschiedliche Biotech-Signale

Zwei deutsche Biotechs, zwei völlig gegensätzliche Nachrichten.

Evotec konnte heute aufatmen. Der Hamburger Wirkstoffentwickler erhält durch die Übernahme seines Portfoliounternehmens Tubulis durch den US-Pharmariesen Gilead Sciences rund 100 Millionen US-Dollar Voraberlöse – plus bis zu 58 Millionen Dollar bei Meilensteinerfüllung. Für ein Unternehmen, dessen Aktie bei rund 4,62 Euro notiert und das zuletzt eher mit Restrukturierungssorgen in den Schlagzeilen war, ist das ein echter Befreiungsschlag. Die Aktie legte rund 2,5 Prozent zu.

BioNTech dagegen bekommt weiter Gegenwind. Leerink Partners senkte das Kursziel von 113 auf 94 Dollar – und begründete das mit gesunkenen Erfolgsaussichten für den Krebswirkstoff Gotistobart in einer entscheidenden Phase-3-Studie. Dazu kommt regulatorisches Risiko beim COVID-Impfstoff Comirnaty und der bevorstehende Abgang von CEO Uğur Şahin und CMO Özlem Türeci bis Jahresende. Die Aktie notiert bereits nahe am neuen Kursziel. Wer hier einsteigt, wettet auf einen starken Nachfolger an der Spitze – das ist eine Wette mit offenem Ausgang.

Krypto unter Druck: Wenn Geopolitik den Fear-Index drückt

Bitcoin handelt heute bei rund 68.160 Dollar – ein Minus von 2,3 Prozent innerhalb von 24 Stunden. Das klingt nach wenig, ist aber symptomatisch: Das Krypto-Gesamtmarktvolumen sank um 2,3 Prozent auf 2,33 Billionen Dollar. Der Fear-and-Greed-Index steht bei 32 – tief im Angstbereich.

Das Paradoxe: Ausgerechnet am Montag flossen 471 Millionen Dollar netto in Bitcoin-Spot-ETFs in den USA – der Löwenanteil bei BlackRocks IBIT (182 Millionen) und Fidelitys FBTC (147 Millionen). Institutionelle Anleger kaufen also, während der Preis fällt. Das ist kein Widerspruch, sondern ein Muster: Große Spieler nutzen Schwächephasen für Positionsaufbau.

Ethereum verlor 3,8 Prozent auf rund 2.080 Dollar. Solana büßte fast vier Prozent ein und notiert bei 78,90 Dollar – rund 73 Prozent unter seinem Allzeithoch vom Januar 2025. XRP fiel 3,4 Prozent. Die Stimmung im Krypto-Markt ist derzeit ein direktes Abbild der geopolitischen Nervosität – wer hier kauft, braucht entweder starke Nerven oder einen langen Zeithorizont.

Apple und Broadcom: Tech-Divergenz mit Substanz

Zwei Technologieriesen, entgegengesetzte Richtungen. Apple verlor heute rund 4,7 Prozent – der schlechteste Wert im Dow Jones. Hintergrund: Berichte von Nikkei Asia über technische Probleme beim faltbaren iPhone in der Testphase. Massenproduktion und Auslieferung könnten sich um Monate verschieben, ein Launch erst 2027 wäre denkbar. Das faltbare iPhone gilt als strategisch wichtiges Produkt in einem gesättigten Markt. Kein Wunder, dass Anleger nervös reagieren.

Broadcom hingegen zog an. Bank of America bestätigte das Kaufrating mit Kursziel 450 Dollar und verwies auf zwei neue Vereinbarungen: einen Fünfjahres-TPU-Vertrag mit Google sowie eine Kapazitätsvereinbarung mit KI-Startup Anthropic über 3,5 Gigawatt ab 2027. Das ist keine Randnotiz – es zeigt, dass Broadcom im Rennen um KI-Chip-Anteile ernsthaft aufholt. BofA-Analyst Vivek Arya sieht das Unternehmen auf dem Weg, seinen Marktanteil bei KI-Beschleunigern von unter 10 auf über 15 Prozent zu steigern.

Was morgen wichtig wird

Die Nacht zum Mittwoch wird die Märkte entweder mit Erleichterung oder mit einem Schock starten lassen. Trumps Ultimatum läuft um 2 Uhr MESZ ab – und bislang deutet nichts auf eine Einigung hin.

Daneben gibt es morgen einige handfeste Datenpunkte: Der deutsche Auftragseingang für Februar erscheint um 8 Uhr morgens – ein früher Indikator dafür, wie tief der Krieg bereits in die Industriekonjunktur einschneidet. Um 20 Uhr veröffentlicht die US-Notenbank das Protokoll ihrer März-Sitzung. Angesichts eines US-Arbeitsmarkts, der im März besser als erwartet ausfiel, und eines Ölpreisschocks, der die Inflation nach oben treibt, dürfte jedes Wort auf die Goldwaage gelegt werden.

Evotec legt morgen früh um 7 Uhr seine detaillierten Jahreszahlen vor – nach dem heutigen Tubulis-Impuls ein Termin, den Biotech-Anleger im Auge behalten sollten. Und Delta Air Lines präsentiert am Nachmittag seine Quartalszahlen – ein Gradmesser für die gesamte Airline-Branche, die zwischen steigenden Kerosinkosten und gedämpfter Reisenachfrage balanciert.

Das Szenario für die nächsten Stunden ist binär, wie ein Marktanalyst heute treffend formulierte: Entweder gibt es ein Einlenken – und die Märkte dürften kräftig erholen. Oder es kommt zur Eskalation – mit allem, was das für Öl, Inflation und Risikobereitschaft bedeutet. Gute Nacht wird das in jedem Fall sein.

Bis morgen,
Andreas Sommer

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