Isabel Schnabel verlässt die Europäische Zentralbank vorzeitig und wechselt zum Internationalen Währungsfonds. Damit scheidet die deutsche Top-Ökonomin aus dem Rennen um die Nachfolge von EZB-Präsidentin Christine Lagarde aus, für die sie sich selbst ins Spiel gebracht hatte. Ihr Abgang ordnet das Personalkarussell an der Spitze der Notenbank früher neu als erwartet.
Die Spitzenposten in Frankfurt werden neu verhandelt
Schnabels reguläre Amtszeit im sechsköpfigen EZB-Direktorium wäre noch bis Ende 2027 gelaufen. Durch ihren vorzeitigen Abschied muss der Europäische Rat nun einen neuen Vertreter für das Führungsgremium bestimmen. Das Gremium der Staats- und Regierungschefs steht ohnehin vor einer umfassenden Neuordnung der Notenbankspitze.
Im Juni 2027 endet die Amtszeit von Chefökonom Philip Lane. Das Mandat von Präsidentin Lagarde läuft regulär im Oktober 2027 aus. Allerdings halten sich Spekulationen, dass Lagarde ihr Amt bereits vor der französischen Präsidentschaftswahl im April 2027 abgeben könnte, um einer möglichen politischen Blockade zuvorzukommen. Bundesbank-Präsident Joachim Nagel hat bereits Ambitionen für die Führung der Zentralbank angemeldet. Auf europäischer Ebene zeichnet sich damit ein größeres Personalpaket für mehrere Schlüsselpositionen ab.
Ohne Karenzzeit nach Washington
Schnabel tritt am 3. Januar 2027 von ihrem Frankfurter Amt zurück. Bereits am 4. Januar übernimmt sie beim Währungsfonds die Leitung der Abteilung für Geld- und Kapitalmärkte und wird zugleich Finanzberaterin der Institution. Eine Karenzzeit ist nach einem Beschluss auf Basis einer Stellungnahme des EZB-Ethikausschusses nicht erforderlich. Für ihre verbleibende Amtszeit in Frankfurt ist Schnabel jedoch von allen Vorgängen entbunden, die den IWF berühren.
Lagarde hob Schnabels Verdienste in den vergangenen sieben Jahren hervor. Sie habe maßgeblich dazu beigetragen, die Teuerung wieder auf das mittelfristige Ziel von 2 Prozent auszurichten. Sollte nach Schnabels Rücktritt im Januar 2027 noch kein Nachfolger ernannt sein, werden ihre Aufgaben vorübergehend auf die verbleibenden Mitglieder des Direktoriums aufgeteilt.


