Anleger des iShares Core MSCI World UCITS ETF blicken gespannt auf die kommende Woche. Der Indexanbieter MSCI hat kurz vor der anstehenden Quartalsüberprüfung eine Anpassung der sogenannten „Extreme Price Increase“-Regel angekündigt. Diese Änderung könnte die Zusammensetzung des Portfolios, das derzeit 1.284 Positionen umfasst, bereits kurzfristig beeinflussen und die Dynamik von Momentum-Aktien innerhalb des Barometers erhöhen.

Wegfall der Abkühlungsphase für Momentum-Werte

Die Neuregelung sieht vor, dass die obligatorische Abkühlungsphase für Aktien mit einem hohen Streubesitz-Faktor entfällt. Konkret müssen Unternehmen mit einem Free-Float-Faktor von mindestens 0,75 diese Phase nicht mehr durchlaufen, wenn sie extreme Kurssteigerungen verzeichnen. Dies ermöglicht es dem Indexanbieter, stark wachsende Titel schneller höher zu gewichten oder neu aufzunehmen. Die Umsetzung dieser Regelung ist bereits für das nächste Review am 12. August geplant.

Ein prominentes Beispiel für diese Dynamik ist das Softwareunternehmen Palantir. Nach einem Umsatzsprung um 93 Prozent auf 1,94 Milliarden US-Dollar legte die Aktie zuletzt um rund 30 Prozent zu. Durch die entfallende Abkühlungsphase könnte das Papier nun zügiger eine bedeutendere Rolle in passiven Weltportfolios einnehmen. Experten beobachten zudem, dass die Nachfrage nach Halbleiter- und KI-Infrastrukturwerten weltweit ungebrochen bleibt, was die Bedeutung solcher Regelanpassungen unterstreicht.

Starke Quartalszahlen bei Index-Schwergewichten

Während die Indexregeln angepasst werden, liefern gewichtige Komponenten des MSCI World solide Fundamentaldaten. Siemens meldete für das dritte Quartal des Geschäftsjahres 2025/26 einen Rekord-Auftragseingang von 27,9 Milliarden Euro. Besonders der Boom bei Rechenzentren trieb das Geschäft an; der Umsatz in diesem Bereich stieg um 50 Prozent auf 3,1 Milliarden Euro. In der Folge hob der Industriekonzern seine Prognose für den Gewinn je Aktie auf eine Spanne von 11,20 bis 11,50 Euro an.

Auch die Deutsche Telekom zeigte sich im zweiten Quartal 2026 wachstumsstark. Der Konzernumsatz kletterte um 4,4 Prozent auf 29,9 Milliarden Euro. Dank einer positiven Entwicklung im operativen Geschäft und Effekten der Fußball-Weltmeisterschaft in Deutschland hob die Telekom ihre Prognose für den freien Cashflow auf rund 20,0 Milliarden Euro an. Solche Entwicklungen stützen die breite Basis des Weltindex, in dem der IT-Sektor inzwischen einen Anteil von rund 30 Prozent einnimmt.

Klumpenrisiken und Marktentwicklung

Trotz der Diversifikation über 23 Industrieländer warnen Marktbeobachter vor einer zunehmenden Konzentration im MSCI World. Medienberichten zufolge machen die fünf größten Unternehmen – Apple, Microsoft, Amazon, Meta und Nvidia – inzwischen fast 20 Prozent des Indexgewichts aus. Der US-Anteil insgesamt liegt bei rund 72 Prozent. Der ntv-Experte Patrick Dewayne bezeichnete den ETF vor diesem Hintergrund als eine „Wette auf Tech-Aktien“. Zum Vergleich: Im MSCI ACWI Index hat der Technologiesektor laut aktuellen Daten sogar die Marke von 41 Prozent erreicht.

Der ETF präsentierte sich zuletzt robust und schloss am Donnerstag bei 128,16 Euro. Mit diesem Niveau notiert das Papier nur 0,62 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch, das am Mittwoch bei 128,96 Euro markiert worden war. Seit Jahresbeginn summiert sich der Wertzuwachs für Anleger bereits auf 14,70 Prozent. Während Schwellenländer wie Südkorea und Taiwan zuletzt unter einer Flucht aus Tech-Werten und hoher Volatilität litten, zeigt sich der breit gefasste Industrieländer-Index weiterhin in der Nähe seiner Rekordmarken. Die tatsächliche Neugewichtung der Positionen wird nach der MSCI-Entscheidung zum Börsenschluss am 31. August wirksam.