Fantastische Quartalszahlen bedeuten nicht immer steigende Kurse. Diese Lektion lernen Anleger im Halbleitersektor gerade auf schmerzhafte Weise. Obwohl Samsung historische Rekordgewinne meldet, ziehen Investoren massiv Kapital ab. Der iShares Global Semiconductors ETF verbucht drastische Verluste.

Sell-the-News in Südkorea

Am Dienstag präsentierte Samsung Electronics vorläufige Zahlen für das abgelaufene Quartal. Der operative Gewinn explodierte im Jahresvergleich um 1.810 Prozent auf knapp 58,4 Milliarden US-Dollar. Treiber war die hohe Nachfrage nach Speicherchips.

Die Reaktion der Börse fiel unerwartet hart aus. Die Samsung-Aktie brach in Seoul um fast sieben Prozent ein. Die Folge: Der gesamte südkoreanische Leitindex KOSPI stürzte ab und löste einen kurzzeitigen Handelsstopp aus. Anleger nutzten die guten Nachrichten für massive Gewinnmitnahmen.

Die Verkaufswelle erfasst die Wall Street

Der Abverkauf schwappte schnell auf den breiten Markt über. Mehrere Branchengrößen erlitten hohe Kursverluste:

  • Intel: Die Aktie fiel auf 111,78 US-Dollar und verlor damit über acht Prozent.
  • Micron Technology: Ein Minus von 7,7 Prozent drückte den Kurs auf 918,65 US-Dollar.
  • AMD und Applied Materials: Beide Papiere büßten zwischen acht und zehn Prozent ein.
  • SK Hynix: Der wichtige Samsung-Konkurrent bei Speichermodulen verlor gut sechs Prozent.

Analysten nennen mehrere Gründe für den plötzlichen Stimmungsumschwung. Einerseits wächst die Sorge vor Überkapazitäten bei der neuen KI-Infrastruktur. Andererseits schürt der Entwickler DeepSeek mit eigenen KI-Chips die Angst vor frischem Wettbewerb.

Rotation oder gesunde Korrektur?

Der iShares Global Semiconductors ETF spürt diesen Druck deutlich. In den vergangenen sieben Tagen verlor der Fonds 8,08 Prozent an Wert. Er schloss am Dienstag bei exakt 18,22 Euro.

Langfristig sieht das Bild noch freundlicher aus. Der ETF liegt im laufenden Jahr 84,54 Prozent im Plus. Dennoch stört der aktuelle Abstand von rund 15 Prozent zum jüngsten 52-Wochen-Hoch das Chartbild.

Die Experten von Morgan Stanley warnen nun vor einem Zenit im Halbleiterzyklus. Sie raten zur Umschichtung in klassische Sektoren. JPMorgan hält dagegen. Die Analysten werten den Rücksetzer als gesunde Korrektur. Sie rechnen bis 2028 weiterhin mit Engpässen bei fortschrittlichen Speicherchips.

Ende Juli legen ASML und TSMC ihre Bilanzen vor. Diese Berichte dürften die kurzfristige Richtung vorgeben. Aktuell notiert der ETF nur noch hauchdünn über seiner 50-Tage-Linie von 18,01 Euro. Fällt der Kurs auf Schlusskursbasis darunter, drohen unmittelbar weitere Abverkäufe.