Der iShares MSCI Global Semiconductors UCITS ETF USD Acc verliert am Montag 2,65 Prozent und rutscht auf 18,50 Euro. Der Auslöser sitzt in Südkorea. Dort bricht die Aktie von SK Hynix regelrecht ein.
Der Absturz nach dem Rekord-Börsengang
SK Hynix hatte am Freitag noch einen Triumph gefeiert. Die US-Depositary Shares des Speicherchip-Herstellers waren bei ihrem Debüt in New York um fast 13 Prozent über den Ausgabepreis von 149 Dollar gestiegen. Das Unternehmen sammelte dabei 26,5 Milliarden Dollar ein — der größte US-Börsengang eines ausländischen Konzerns aller Zeiten.
Am Montag folgt der Kater. In Asien brach die SK-Hynix-Aktie um 15 Prozent ein. Der südkoreanische Leitindex KOSPI schloss knapp 9 Prozent im Minus und fiel damit erstmals seit Wochen unter die Marke von 7.000 Punkten.
Zwei Faktoren treiben den Ausverkauf. Zum einen setzte nach der spektakulären Rekord-Notierung eine klassische Gewinnmitnahme ein. Zum anderen kursiert ein Bericht eines südkoreanischen Brokerhauses, wonach der Betriebsgewinn von SK Hynix im laufenden Quartal die Erwartungen verfehlen könnte. Auch Konkurrent Samsung Electronics gab in Südkorea nach.
Der ganze Speicherchip-Sektor gerät unter Druck
Die Verkaufswelle blieb nicht auf Südkorea beschränkt. Micron, Sandisk und Western Digital sackten am Montagmorgen in den USA jeweils um rund 5 Prozent ab. Intel, AMD, Broadcom und Arm Holdings verloren im Schnitt rund 2 Prozent.
Der breitere Philadelphia Semiconductor Index hat seit seinem Rekordhoch im Juni bereits mehr als 11 Prozent eingebüßt. Zur Einordnung: Auf Jahressicht steht der Index trotzdem noch 83 Prozent im Plus. Steve Sosnick, Chef-Marktstratege bei Interactive Brokers, bringt das Dilemma auf den Punkt: „Wir haben ein solch extremes Gewinnwachstum noch nie gesehen. Die Frage ist nur, wie lange sich das fortsetzen lässt.“
Die Kapitalflüsse zeigen, wie schnell sich die Stimmung gedreht hat. Fonds mit Fokus auf US-Halbleiteraktien verzeichneten in der Woche zum 24. Juni Abflüsse von rund 11 Milliarden Dollar — der größte Wochenabfluss in diesem Jahrhundert, laut Daten von LSEG Lipper.
Geopolitik verschärft die Nervosität
Zur Verunsicherung im Speicherchip-Segment kommt eine grundsätzliche Sorge um die KI-Rally. Seit ihrem Hoch Ende Juni fürchten Marktteilnehmer, dass große Cloud-Anbieter für ihre KI-Infrastruktur zunehmend Schulden aufnehmen müssen. Jedes Signal einer Abkühlung bei den KI-Investitionen könnte einen breiteren Ausverkauf bei Speicherchip-Werten auslösen.
Hinzu kommt die Lage im Nahen Osten. Nach einer Eskalation der Militäraktionen zwischen den USA und dem Iran übers Wochenende zogen die Ölpreise am Montag an. Die globalen Aktienmärkte bleiben damit vor einer dicht gepackten Woche mit Quartalszahlen und US-Inflationsdaten für Juni angespannt.
Charttechnik zeigt Richtungssuche
Der ETF notiert bei 18,50 Euro nur knapp über seinem 50-Tage-Durchschnitt von 18,37 Euro. Zum 100-Tage-Durchschnitt von 15,16 Euro besteht dagegen weiterhin deutlicher Abstand — ein Beleg für die heftigen Ausschläge des Sektors in diesem Jahr.
Der RSI von 47,2 Punkten deutet weder auf eine überkaufte noch auf eine überverkaufte Situation hin. Der Markt sucht schlicht seine Richtung. Die annualisierte 30-Tage-Volatilität von 70,11 Prozent bestätigt die Auf- und Abwärtsbewegungen, die Trader seit Ende Juni durchleben.
Trotz des aktuellen Rückschlags bleibt der Fonds mit einem Plus von 87,34 Prozent seit Jahresbeginn tief im grünen Bereich. Zum 52-Wochen-Tief von 8,35 Euro aus dem November beträgt der Abstand mehr als 121 Prozent.
In den kommenden Tagen richtet sich der Blick auf die Berichtssaison. Speicherchip-Werte machen einen erheblichen Teil der Fondsgewichtung aus. Die Kursentwicklung von SK Hynix, Samsung und Micron dürfte deshalb der entscheidende Faktor für den ETF bleiben — neben der Zinspolitik der Fed und der Lage im Nahen Osten.
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