An den indischen Aktienbörsen hat sich gestern eine geteilte Marktstimmung gezeigt: Während die großen Indizes leicht nachgaben, verfestigt sich bei ausländischen institutionellen Anlegern ein positiver Trend.

Trotz der jüngsten Kursverluste im indischen Leitmarkt beendete der iShares MSCI India ETF den gestrigen Handel mit einem Schlusskurs von 49,75 USD, was einem Rückgang von 1,0 Prozent entspricht. Analysten werten die aktuelle Phase dennoch als Stabilisierung nach monatlichen Abflüssen.

Trendwende bei Kapitalflüssen trotz Kursverlusten

Die indischen Aktienmärkte sahen sich gestern einem spürbaren Verkaufsdruck ausgesetzt. Der Nifty 50 schloss mit einem Minus von 0,52 Prozent bei 24.207,75 Punkten, während der Sensex um 0,24 Prozent auf 77.472,94 Zähler nachgab.

Belastet wurde der Markt vor allem durch Schwächen im IT-Sektor und Kursverluste bei Schwergewichten wie Reliance. Dennoch deuten Daten von EPFR Global darauf hin, dass die Rücknahmen aus auf Indien fokussierten Fonds ihren Boden gefunden haben könnten.

Ausländische institutionelle Anleger (FII) traten am Dienstag und Mittwoch erneut als Nettokäufer auf. Allein am Dienstag beliefen sich die Nettokäufe auf über 1.593 Crore Rupien.

Berichten zufolge haben ausländische Portfolioinvestoren im bisherigen August bereits mehr als 2,5 Milliarden US-Dollar in den Markt investiert, nachdem bereits der Juli positive Zuflüsse verzeichnete. Damit bricht der Markt eine längere Phase der Kapitalabflüsse, die durch gestiegene US-Renditen ausgelöst worden war.

Sektorenbewegungen und Index-Anpassungen

Innerhalb des indischen Marktes zeigen sich deutliche Divergenzen. Während IT-Werte aufgrund globaler Unsicherheiten und neuer Visagebühren in den USA unter Druck gerieten, verzeichneten Finanzwerte Zuwächse zwischen 0,5 und 1,1 Prozent. Ein besonderer Fokus liegt derzeit auf dem bevorstehenden Rebalancing der MSCI-Indizes.

In diesem Zusammenhang wird etwa die Aktie von SBI Card mit Wirkung zum morgigen Freitag aus dem Index entfernt, obwohl das Unternehmen für das erste Quartal des Geschäftsjahres 2027 einen Gewinnanstieg von 20 Prozent meldete.

Parallel dazu treiben Infrastrukturprojekte die Stimmung in einzelnen Segmenten. So gab Adani Energy Solutions gestern bekannt, ein Übertragungsprojekt für erneuerbare Energien im Bundesstaat Maharashtra gewonnen zu haben.

Das Projekt hat ein Volumen von rund 493 Millionen US-Dollar und soll innerhalb von 36 Monaten fertiggestellt werden. Solche Großprojekte stützen die Erwartung eines anhaltenden industriellen Wachstums, auch wenn der breite Markt gestern unter dem Druck schwächerer Rohölpreise und einer globalen Abkühlung litt.

Wirtschaftlicher Rahmen und Ausblick

Finanzministerin Nirmala Sitharaman warb zuletzt in Nordamerika verstärkt um globale Investoren und betonte die Rolle Indiens als am schnellsten wachsende große Volkswirtschaft. Für das vergangene Geschäftsjahr wurde ein Wachstum von 7,7 Prozent gemeldet.

Die Reserve Bank of India (RBI) hält an ihrem Leitzins von 5,25 Prozent fest und prognostiziert für das laufende Jahr eine Expansion von 6,7 Prozent, wobei einzelne Regierungsvertreter sogar Werte um 7 Prozent für möglich halten.

Die Inflation lag im Juli bei 4,45 Prozent und bleibt damit ein zentraler Beobachtungspunkt für die Geldpolitik. Die indische Rupie stabilisierte sich zuletzt in einem Bereich von 95 bis 96 pro US-Dollar, gestützt durch Devisenzuflüsse und ein spezielles Einlagenprogramm der Zentralbank.

Mit einem RSI von 52,1 notiert der iShares MSCI India ETF derzeit in einer neutralen Zone, was die abwartende Haltung vieler Marktteilnehmer vor den nächsten geldpolitischen Signalen aus den USA widerspiegelt.