Der iShares MSCI World ETF bewegt sich in einem Umfeld widersprüchlicher Kräfte: Auf der einen Seite drücken steigende Anleihenrenditen auf die Stimmung, auf der anderen Seite fließt weiterhin kräftig Kapital in globale Aktien-ETFs. Der Fonds notiert aktuell bei 207,21 US-Dollar, nach einem Tagesgewinn von 0,2 Prozent und einem Schlusskurs von 206,71 US-Dollar am Dienstag.
Renditeanstieg als Belastungsfaktor
Reuters berichtete, dass die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen gestern den höchsten Stand seit Juni 2007 erreichte. Hintergrund seien nach Angaben der Nachrichtenagentur der Nahost-Konflikt sowie umfangreiche Kreditaufnahmen von Regierungen und KI-Unternehmen, die zusammen mit hohen Ölpreisen die Inflations- und Zinssorgen neu entfacht hätten.
Der MSCI-Weltaktienindex fiel dadurch gestern auf ein Mehr-als-Wochentief. US-Notenbanker John Williams von der New York Fed äußerte sich jedoch beruhigend, und ein Rückgang der Ölpreise half den US-Börsen, einen Teil der Verluste im Tagesverlauf wieder aufzuholen.
Heute drehte das Bild zunächst ins Positive: Die August-Inflationsdaten fielen laut einem Bericht der Nachrichtenagentur AP niedriger aus als von Ökonomen erwartet, was die kurzfristige Sorge vor weiteren Fed-Zinserhöhungen sowie den Druck auf kurzfristige Treasury-Renditen dämpfte. Der S&P 500 legte im Mittagshandel um 0,5 Prozent zu, der Nasdaq Composite gewann 1 Prozent.
Für den iShares MSCI World ETF, der die globale Aktienentwicklung breit abbildet, spiegeln sich diese Gegenströmungen in einer eher verhaltenen Kursbewegung wider. Über die vergangenen sieben Handelstage steht ein Minus von 0,3 Prozent zu Buche, auf Sicht von 30 Tagen beträgt der Rückgang 0,8 Prozent.
Die annualisierte 30-Tage-Volatilität liegt bei 10 Prozent, der RSI notiert mit 48,5 nahe der neutralen Marke von 50 – ein Hinweis darauf, dass der Fonds derzeit weder deutlich über- noch unterverkauft erscheint.
Kräftige Mittelzuflüsse in globale Aktien-ETFs
Parallel zur schwankenden Kursentwicklung zeigt sich bei den Fondsflüssen ein deutliches Bild: Nach Angaben des Investment Company Institute verzeichneten in den USA gelistete „World“-Aktien-ETFs in der Woche zum 23. September geschätzte Nettozuflüsse von 11.182 Millionen US-Dollar – ein deutlicher Sprung gegenüber den 2.087 Millionen US-Dollar der Vorwoche. Diese Zahl bezieht sich auf das gesamte Marktsegment vergleichbarer Fonds und nicht speziell auf den iShares MSCI World ETF.
Auch in den Wochen zuvor flossen internationale Aktien-ETFs kräftig zu. Medienberichten zufolge nahmen in den USA gelistete ETFs in der Woche zum 18. September insgesamt 91,9 Milliarden US-Dollar ein, davon entfielen 9,5 Milliarden US-Dollar auf internationale Aktien-ETFs.
Berichten zufolge verzerrten die vierteljährliche Index-Neugewichtung sowie steuerlich motivierte Transaktionen die Zahlen einzelner Fonds in diesem Zeitraum.
Für dieselbe Woche wurde zudem vermeldet, dass „World“-Exposures unter US-ETFs 1,77 Milliarden US-Dollar erhielten, während „Developed Markets“-Fonds mit 2,44 Milliarden US-Dollar noch stärker gefragt waren; iShares führte dabei mit Nettozuflüssen von 29,74 Milliarden US-Dollar über alle Produktlinien hinweg die Emittentenliste an.
Für Anleger im iShares MSCI World ETF bedeutet dies: Der breite Trend zu globalen Aktienanlagen bleibt intakt, auch wenn keine der genannten Zahlen den Fonds selbst isoliert ausweist.
Die Kombination aus moderatem Kursrückgang über die vergangenen Wochen und robusten Branchenzuflüssen deutet darauf hin, dass institutionelle und private Investoren trotz der Zinssorgen an ihrer strategischen Aktienquote festhalten.
Entscheidend für die kommenden Handelstage dürfte bleiben, ob sich die Entspannung bei den Inflationsdaten fortsetzt oder die Renditen an den Anleihemärkten erneut anziehen.
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