Während der Technologiesektor nach den US-Zwischenwahlen unter Druck geriet, flossen dem iShares MSCI World ETF weiter kräftig Gelder zu. Die Kombination aus Mittelzuflüssen und Kursschwäche zeigt: Anleger nutzen den Rücksetzer offenbar zum Einstieg, statt sich von der Volatilität abschrecken zu lassen.

Zuflüsse trotz Ausverkauf

Nach Daten von TickerInside verzeichnete der ETF (Kürzel URTH) am 5. November einen Netto-Mittelzufluss von 183 Millionen US-Dollar, nachdem neue Anteile geschaffen wurden. Über die vorangegangenen fünf Handelstage summierten sich die Zuflüsse laut dieser Auswertung auf 868 Millionen US-Dollar.

Eine separate wöchentliche Auswertung von ETF Action bezifferte die Zuflüsse über fünf Handelstage auf 312 Millionen US-Dollar und sah den Fonds damit hinter dem Vanguard Total World Stock ETF, der in diesem Zeitraum 594 Millionen US-Dollar einsammelte, auf dem zweiten Platz unter globalen Aktien-ETFs.

Die Differenz der Zahlen erklärt sich aus unterschiedlichen Stichtagen und Methoden der beiden Datenanbieter, die grundsätzliche Richtung – spürbare Nachfrage nach dem Fonds – bestätigen beide.

Auch auf Kategorieebene blieb das Bild robust: Das Investment Company Institute meldete für globale Aktien-ETFs insgesamt eine geschätzte Netto-Emission von 7,03 Milliarden US-Dollar in der Woche zum 28. Oktober, nach 7,54 Milliarden US-Dollar in der Vorwoche. Der leichte Rückgang deutet auf eine gewisse Vorsicht hin, ändert aber nichts am grundsätzlich positiven Trend bei breit gestreuten Weltaktien-Produkten.

Wahlausgang und KI-Sorgen belasten Kurse

Der Hintergrund der Zuflüsse ist bemerkenswert, denn die Marktstimmung war zuletzt angespannt. Die Gewinne der Demokraten bei den Zwischenwahlen schürten Sorgen vor strengerer Regulierung künstlicher Intelligenz und einer möglichen Verlangsamung beim Ausbau von Rechenzentren.

Schwächere Ausblicke von Halbleiterunternehmen verstärkten den Verkaufsdruck zusätzlich. Besonders betroffen waren laut einem Bericht der Nachrichtenagentur AP Aktien wie Nvidia und Lam Research, die nach den Wahlergebnissen deutlich schwankten, während sich Amazon vergleichsweise robust hielt.

Ein Gegengewicht lieferten solide Arbeitsmarktdaten: Das US-Arbeitsministerium meldete für Oktober 165.000 neue Stellen außerhalb der Landwirtschaft, mehr als erwartet. Zudem wurden die Zahlen für August und September zusammen um 84.000 nach oben revidiert. Diese Widerstandsfähigkeit der US-Wirtschaft dürfte dazu beigetragen haben, dass sich die Märkte am Freitag nach den scharfen Verlusten vom Donnerstag teilweise erholten.

Blick nach vorn: MSCI-Indexüberprüfung am 11. November

Anleger richten den Blick nun auf die nächste planmäßige Überprüfung des Indexanbieters MSCI. Am 11. November will MSCI die Ergebnisse seines November-Index-Reviews veröffentlichen. Welche Veränderungen bei den Indexbestandteilen anstehen, ist noch offen. Da der iShares MSCI World ETF den MSCI World Index eng nachbildet, könnten etwaige Anpassungen in den kommenden Wochen auch auf die Zusammensetzung des Fonds durchschlagen.

Der ETF notierte am Freitag bei 199,67 US-Dollar, nahezu unverändert gegenüber dem Vortag. Auf Wochensicht steht ein Minus von 2,4 Prozent zu Buche, ein Abbild der schwankungsreichen Handelstage rund um die US-Wahl und den Technologiesektor. Für Anleger mit langfristigem Horizont scheinen die anhaltenden Zuflüsse jedoch ein stärkeres Signal zu sein als die kurzfristige Kursdelle.