Rekordstände bei US-Indizes, ein Absturz bei Chipwerten und Anleger, die trotzdem Geld nachschießen: Der iShares MSCI World ETF (URTH) zeigt diese Woche, wie fragil der aktuelle Boom geworden ist. Der Fonds bildet den MSCI World Index ab und reitet auf der Rally in den Industrieländern. Unter der Oberfläche bröckelt es aber, vor allem im Technologiesektor.

Rekordjagd vor dem Feiertag

Die Handelswoche vor dem 4. Juli lieferte Extreme. Der Dow Jones kletterte am Donnerstag um 539 Punkte auf 52.844 Zähler, getragen von Apple, McDonald’s und Walt Disney. Zuvor hatte der Index bereits ein Rekordhoch von 52.742,66 Punkten markiert, bevor Caterpillar die Stimmung dämpfte.

Über die gesamte Woche gerechnet legte der S&P 500 um 1,8 Prozent zu, der Nasdaq um 2,1 Prozent und der Dow um 2 Prozent. Der Russell 2000 und der S&P MidCap 400 blieben dagegen im Minus. Am Freitag blieben die US-Börsen wegen des Unabhängigkeitstags geschlossen.

Schwache Jobdaten verschieben Zinserwartungen

Der eigentliche Auslöser der Rally kam vom Arbeitsmarkt. Die US-Wirtschaft schuf im Juni nur 57.000 neue Stellen, Ökonomen hatten mit rund 110.000 gerechnet. Das ist der schwächste Wert seit dem negativen Ausreißer im Februar, zudem wurden die Vormonate nach unten korrigiert.

Die Arbeitslosenquote sank zwar leicht auf 4,2 Prozent. Die Wahrscheinlichkeit für eine Zinserhöhung der Fed im Juli fiel nach den Daten aber von etwa 29 auf 18 Prozent. Genau diese Erwartung eines geduldigeren Fed-Kurses trieb die Kurse quer durch alle Industrieländer nach oben.

Chip-Ausverkauf reißt Löcher in die Tech-Rally

Der Philadelphia Semiconductor Index startete das dritte Quartal mit einem Einbruch von 6,3 Prozent. KLA verlor an einem einzigen Tag 12 Prozent, Lam Research 9,7 Prozent und Applied Materials 10 Prozent. Sandisk und Micron Technology brachen jeweils um 10,6 Prozent ein.

Am Mittwoch, dem 1. Juli, setzte sich der Abwärtstrend fort. Die Micron-Aktie fiel von 1.154,29 auf 1.032,28 Dollar — ein Minus von 10,57 Prozent an einem Tag. Kurz danach rutschten Micron und Sandisk um weitere über 6 Prozent, Applied Materials und Lam Research verloren jeweils mehr als 3 Prozent.

Am heftigsten traf es Applied Materials mit einem Tagesverlust von über 11 Prozent, nachdem Investoren nach dem Rekordlauf Gewinne mitnahmen. Micron verlor 11 Prozent und damit 138 Milliarden Dollar an Marktkapitalisierung. Intel gab 9 Prozent nach, AMD 7 Prozent.

Zusätzlichen Druck brachten Berichte, wonach OpenAI über den Verkauf einer Beteiligung an die US-Regierung verhandelt. Hinzu kamen Meldungen, dass Meta als einer der größten Käufer von KI-Infrastruktur überschüssige Rechenkapazität vermieten könnte. Bemerkenswert dabei: Die Sorgen rund um die Infrastruktur-Werte haben wenig mit den jüngsten Geschäftszahlen zu tun. Micron meldete erst vor einer Woche eine mehr als vervierfachte Umsatzentwicklung im letzten Quartal, die Bruttomarge sprang von 39 auf 84,9 Prozent.

Warum der Chip-Einbruch den ETF direkt trifft

Der Ausverkauf bei Halbleitern betrifft URTH nicht nebenbei, sondern zentral. Technologie macht mit 31,25 Prozent den größten Sektoranteil des Fonds aus, vor Finanzwerten mit 15,04 Prozent und Industrie mit 10,90 Prozent. Konsumgüter zyklischer Art kommen auf 9,17 Prozent, Kommunikationsdienste auf 8,90 Prozent und Gesundheit auf 8,61 Prozent.

Diese Konzentration bedeutet: Schwankungen bei KI-nahen Chipwerten schlagen überproportional auf die kurzfristige Fondsentwicklung durch. Mehr als 1.000 Einzelpositionen aus Industrieländern sorgen zwar für Streuung. Gegen einen breiten Sektor-Ausverkauf hilft das aber nur bedingt. Der MSCI World Index (Net) stand zum 1. Juli bei 15.544,83 US-Dollar.

Kapital fließt weiter, langfristige Bilanz gemischt

Trotz der Volatilität floss weiter Geld in den Fonds. In den vergangenen vier Wochen kamen netto 63,9 Millionen Dollar hinzu, über drei Monate waren es 100,3 Millionen Dollar. Auf Sicht von sechs Monaten summiert sich der Zufluss auf 669,45 Millionen Dollar, über ein Jahr auf 1,81 Milliarden Dollar.

Die längerfristige Wertentwicklung gegenüber der Morningstar-Vergleichsgruppe fällt uneinheitlich aus. Über ein Jahr legte URTH bis zum 30. Juni um 9,80 Prozent zu, die Kategorie im Schnitt nur um 5,85 Prozent. Über drei Jahre liegt der Fonds mit 21,40 Prozent hinter dem Kategorie-Durchschnitt von 26,34 Prozent zurück. Über fünf Jahre führt URTH wieder, mit 19,42 gegen 16,27 Prozent.

Dieses Muster erklärt sich durch die starke Gewichtung US-amerikanischer Technologie-Schwergewichte. Je nachdem, welche Aktien gerade den Markt anführen, wirkt genau diese Ausrichtung mal als Vorteil, mal als Bremse.

Für Anleger im URTH bleibt die Ausgangslage nach dem Feiertag unverändert zweigeteilt: breite Indizes nahe Rekordniveau, getragen von schwachen Arbeitsmarktdaten und der Aussicht auf eine geduldigere Fed, während der Halbleitersektor nach einem außergewöhnlichen ersten Halbjahr erste Ermüdungserscheinungen zeigt. Da ausgerechnet die größte Sektorposition des Fonds im Zentrum dieser Volatilität steht, entscheidet sich in den kommenden Wochen, ob die Rally auch ohne ihren bisher stärksten Antrieb tragfähig bleibt.