Der iShares MSCI World ETF steht diese Woche im Spannungsfeld zwischen Ölpreisschock und explodierenden Anleiherenditen. Trotz turbulentem Umfeld schloss das Papier am Freitag bei 208,73 US-Dollar, ein Plus von 0,5 Prozent auf Tagessicht und 0,9 Prozent auf Wochensicht.
Öl und Zinssorgen belasten, Entspannung folgt
Auslöser der Volatilität war ein Angriff von Huthi-Rebellen auf Saudi-Arabien, der den Ölpreis zeitweise über 105 US-Dollar je Barrel trieb. In der Folge kletterten die Renditen zehnjähriger US-Staatsanleihen auf rund 5,17 Prozent, das höchste Niveau seit 2007. Dreißigjährige Titel markierten mit etwa 5,47 Prozent sogar den höchsten Stand seit 2004. Steigende Renditen verteuern Aktienbewertungen tendenziell, weil sie die Diskontierung künftiger Gewinne erhöhen und Anleihen als Alternative attraktiver machen.
Die Fed-Futures-Märkte reagierten prompt: Die eingepreiste Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung im Oktober sprang von rund 53 Prozent auf 71 Prozent. Auch die US-Hypothekenzinsen kletterten auf 7 Prozent, den höchsten Stand seit zwei Jahren – ein Belastungsfaktor für den Konsum und damit indirekt für breit gestreute Aktienindizes wie den MSCI World.
Zur Wochenmitte kam jedoch Entspannung auf. Iran signalisierte über Außenminister Araghchi laut einem Bericht der Washington Post die Bereitschaft, die Straße von Hormus binnen sieben Tagen wieder zu öffnen und Nukleargespräche aufzunehmen, sofern die USA eine Seeblockade aufheben und Sanktionen aussetzen.
Die Ölpreise gaben daraufhin nach, Brent fiel unter 104 US-Dollar. Der S&P 500 legte am Freitag um 0,5 Prozent zu, nachdem er zuvor mehrere Tage nahezu unverändert geschlossen hatte. Ein Analyst von Briefing.com äußerte jedoch Zweifel an der Belastbarkeit des iranischen Angebots.
Kapital strömt trotz Unsicherheit in Aktienfonds
Bemerkenswert ist, dass die Marktturbulenzen die Anlegernachfrage kaum bremsten. Nach Daten von Reuters und LSEG Lipper flossen globalen Aktienfonds in der Woche bis zum 25. September netto 44,1 Milliarden US-Dollar zu – der stärkste Wochenzufluss seit Anfang Juli, getrieben von anhaltendem Optimismus rund um Künstliche Intelligenz.
Allein US-Aktienfonds verzeichneten Zuflüsse von 37,6 Milliarden Dollar, Technologiefonds kamen auf 5,29 Milliarden Dollar. Auch globale Anleihenfonds profitierten mit Zuflüssen von 9,68 Milliarden Dollar, obwohl die Renditen gleichzeitig auf Mehrjahreshochs kletterten.
Für den MSCI World, dessen Wertentwicklung der ETF nachbildet, bedeutet dieses Umfeld ein Nebeneinander widerstreitender Kräfte: hohe Kapitalzuflüsse und Technologie-Enthusiasmus auf der einen Seite, steigende Finanzierungskosten und geopolitische Risiken rund um Öl und die Straße von Hormus auf der anderen.
Die annualisierte 30-Tage-Volatilität des ETFs liegt bei moderaten 10 Prozent, der RSI von 53 signalisiert derzeit weder Über- noch Unterverkauf. Auf Monatssicht steht der Fonds mit minus 0,1 Prozent nahezu unverändert da – ein Hinweis darauf, dass sich die Gegenkräfte aus Zinsangst und Fondszuflüssen bislang weitgehend die Waage halten.
Entscheidend für die kommenden Wochen dürfte sein, ob sich die Andeutungen aus Teheran zu einer tatsächlichen Deeskalation verdichten. Sollte der Ölpreis dauerhaft sinken, könnte dies den Druck auf die Anleiherenditen mindern und breiten Aktienindizes wie dem MSCI World Rückenwind verschaffen.
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