Israel hat nach einem tödlichen Schusswaffenangriff eine mehrtägige Militäroperation im Raum Hebron begonnen und die Region weitgehend abgeriegelt. Der Einsatz von Armee und Geheimdienst soll mutmaßliche Terrornetzwerke ausheben, verschärft aber wenige Tage vor der israelischen Parlamentswahl die politischen Spannungen.
Auslöser der Maßnahmen war ein Anschlag nahe Hebron am Freitagmorgen, bei dem zwei Soldaten getötet und drei weitere verletzt wurden. Die mutmaßlichen Angreifer kamen bei dem Schusswechsel ebenfalls ums Leben. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu wies die Sicherheitskräfte daraufhin an, Hebron sofort abzuriegeln, um weitere Attentate zu unterbinden.
Razzien und Straßensperren im Westjordanland
Die gemeinsame Operation von Militär, Grenzpolizei und dem Inlandsgeheimdienst Schin Bet ist auf das Umfeld der Angreifer begrenzt. Einsatzkräfte riegelten Hebron sowie die Nachbarstadt Halhul ab und richteten Straßensperren ein. Parallel dazu kündigte die Armee den Abriss von Gebäuden an, die eine Sicherheitsbedrohung darstellen könnten. Anwohner können das Gebiet vorerst nur über ausgewiesene Ausgänge nach einer Befragung verlassen.
Die palästinensische Autonomiebehörde kritisierte das Vorgehen scharf und rief die internationale Gemeinschaft zum Eingreifen auf. Die Abriegelungen und Gebäudeabrisse stellten eine Kollektivstrafe dar, die den Konflikt weiter anheize. UN-Generalsekretär António Guterres äußerte sich ebenfalls besorgt über die Einschränkungen der Bewegungsfreiheit und den erschwerten Zugang der Zivilbevölkerung zu grundlegenden Dienstleistungen.
Sicherheitslage bestimmt den Wahlkampf
Der Militäreinsatz fällt in die Endphase des Wahlkampfes vor der Parlamentswahl am Dienstag. Rechte Parteien werben mit der Forderung nach harter Hand gegen palästinensische Gewalt um Stimmen. Übergriffe radikaler israelischer Siedler auf die palästinensische Zivilbevölkerung werden in den Debatten hingegen kaum thematisiert.
Seit dem 7. Oktober 2023 hat sich die Lage in dem Gebiet nochmals verschärft. In dem besetzten Westjordanland leben rund 700.000 israelische Siedler inmitten von drei Millionen Palästinensern.
Der Urnengang am Dienstag bildet den nächsten Fixpunkt für die Region, während die Sicherheitskräfte ihre Durchsuchungen in Hebron fortsetzen.


