In Israel entscheidet sich am heutigen Dienstag, ob Ministerpräsident Benjamin Netanyahu trotz scharfer Kritik an seiner Kriegsführung im Amt bleibt. Die erste Parlamentswahl seit den Angriffen vom 7. Oktober 2023 gilt als Richtungsentscheidung für die Region. Ein politischer Wechsel dürfte die militärische Konfrontation mit Iran kaum beenden. Für Rüstungskonzerne wie Rheinmetall und Lockheed Martin bleibt der Urnengang ohnehin zweitrangig: Ausschlaggebend für die Bilanzen sind feste Bestellungen und Verteidigungsbudgets, nicht der Ausgang einzelner Wahlen.
Schwierige Mehrheitsfindung im Parlament
Netanyahu und seine rechtsgerichtete Likud-Partei liefern sich ein enges Rennen mit der neuen zentristischen Yashar-Partei von Ex-Militärchef Gadi Eisenkot. Bislang stützt sich die Regierungskoalition auf 64 der 120 Sitze in der Knesset. Umfragen signalisieren, dass weder Netanyahus rechts-religiöser Block noch das Oppositionslager die für eine Regierungsbildung erforderlichen 61 Sitze aus eigener Kraft erreichen dürften. Kleinere Parteien könnten daher das Zünglein an der Waage bilden.
Neben der Sicherheitslage prägten vor allem die gestiegenen Lebenshaltungskosten und die Immobilienpreise den Wahlkampf. Die Kritik an Netanyahus Versäumnissen rund um den Angriff der Hamas reißt nicht ab. Bei dem Überfall wurden rund 1.200 Menschen getötet und mehr als 250 verschleppt. Die anschließenden Militäreinsätze im Gazastreifen kosteten Zehntausende das Leben.
Rückenwind erhielt Netanyahu aus Washington. US-Präsident Donald Trump sprach sich öffentlich für eine Fortsetzung der Amtszeit seines Verbündeten aus, um das gemeinsame Vorgehen gegen Teheran weiterzuführen.
Reale Budgets wiegen schwerer als Wahlresultate
Geopolitische Spannungen im Nahen Osten stützen zwar die Nachfrage nach Rüstungsgütern, garantieren den Herstellern jedoch keine automatischen Gewinnsprünge. Rheinmetall verzeichnet eine anhaltende Nachfrage infolge der europäischen Aufrüstung. Eine anhaltende Konfrontation könnte den Bedarf an Munition und Flugabwehr weiter verstärken.
Der US-Konzern Lockheed Martin stellt unter anderem F-35-Kampfjets sowie Raketenabwehrsysteme her. Höhere operative Risiken und steigende Kosten dämpfen jedoch das Bild. Für Verteidigungsunternehmen zählt letztlich, ob sich politische Absichtserklärungen in feste Lieferverträge und tragfähige Margen verwandeln. Ein Wahlsieg Netanyahus allein reicht dafür nicht aus.
Sollten die Verhandlungen über die 61 Mandate scheitern, droht Israel eine längere politische Hängepartie. An den strategischen Spannungen in der Region und den geplanten Einsätzen gegen Teheran dürfte eine verzögerte Regierungsbildung jedoch wenig ändern.
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