ITM Power: 7,4% Rückzug nach Rekordhoch

ITM Power verzeichnet nach Rekordhoch einen Rücksetzer. Trotz Staatsbeteiligung und Rheinmetall-Deal bleiben Verluste und eine hohe Bewertung bestehen.

ITM Power Aktie
Kurz & knapp:
  • Kursanstieg von über 400 Prozent
  • Staatseinstieg und Rheinmetall-Kooperation
  • Rekordumsatz bei anhaltenden Verlusten
  • Hohe Bewertung trotz optimistischer Prognosen

Nach einem Kursanstieg von mehr als 400 Prozent in zwölf Monaten trifft ITM Power auf ein Problem, das Anleger kennen: Gewinne wollen mitgenommen werden. Der Rücksetzer vom Wochenhoch bei 166,50 Pence auf zuletzt 154,80 Pence ist kein Trendbruch — er ist die logische Folge eines außergewöhnlich ereignisreichen Aprils.

Staatsgeld, Rüstungspartner, Rekordumsatz

Innerhalb weniger Wochen hat der Sheffielder Elektrolyseur-Hersteller drei Meldungen veröffentlicht, die zusammen das Bild eines Unternehmens im Umbruch zeichnen.

Great British Energy, das staatliche Energieunternehmen, kaufte sich mit einem 40-Millionen-Pfund-Anteil ein und hält nun 10,8 Prozent der Aktien. Dazu kommt ein Zuschuss von 46,5 Millionen Pfund vom Energieministerium. Das Geld fließt in eine automatisierte Fertigungslinie für den Chronos-Elektrolyseur-Stack — mit einer geplanten Kapazität von einem Gigawatt und Betriebsstart 2028.

Parallel dazu schloss ITM eine strategische Zusammenarbeit mit Rheinmetall. Der Rüstungskonzern plant ein europaweites Netz dezentraler Anlagen zur Produktion synthetischer Kraftstoffe für NATO-Streitkräfte. Jede Anlage soll bis zu 50 MW Elektrolysekapazität haben. Den Anfang macht der britische Markt.

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Auf der Ergebnisseite: Im ersten Halbjahr des Geschäftsjahres 2026 erzielte ITM einen Rekordumsatz von 18 Millionen Pfund. Das Management hob die Jahresprognose auf 40 bis 43 Millionen Pfund an.

Verluste bleiben, Bewertung ist sportlich

Profitabel ist ITM noch lange nicht. Der operative Verlust liegt für das Gesamtjahr bei rund 30 Millionen Pfund. Der Bruttoverlust im Halbjahr betrug 6,5 Millionen Pfund — immerhin eine Verbesserung. Zeus Capital verweist auf knapp 198 Millionen Pfund Kassenbestand als Puffer. Das gibt Zeit, aber keine Garantien.

Das Auftragsbuch umfasst 152 Millionen Pfund. 71 Prozent davon gelten als profitabel — ein Zeichen, dass ITM die verlustbringenden Altprojekte zunehmend hinter sich lässt.

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Die Bewertung bleibt eine Herausforderung. Das Kurs-Umsatz-Verhältnis liegt bei rund 38. Elf Analysten beobachten die Aktie, sieben empfehlen den Kauf. Das durchschnittliche Kursziel liegt bei 101 Pence — also deutlich unter dem aktuellen Kurs von 154,80 Pence. Nur eine einzige Schätzung reicht mit 310 Pence über den Marktpreis hinaus.

Momentum trifft Realität

Technisch ist die Lage eindeutig: Der Kurs liegt mehr als doppelt so hoch wie der 200-Tage-Durchschnitt bei 71,66 Pence. Seit Jahresbeginn hat die Aktie 157 Prozent zugelegt. Am Montag nach dem Wochenhoch machten Kauforders 76 Prozent der Handelsaktivität auf der Plattform Interactive Investor aus — Privatanleger blieben trotz des Rücksetzers aktiv.

Das Kernproblem bleibt: ITM wächst schnell, verbrennt aber weiter Geld. Institutionelle Investoren meiden solche Profile oft. Ob der Rheinmetall-Deal und die staatliche Rückendeckung reichen, um das zu ändern, wird die Chronos-Fertigungslinie in Sheffield zeigen müssen — deren Inbetriebnahme ist für 2028 geplant.

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Diskussion zu ITM Power

Über Dieter Jaworski 3701 Artikel

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Mein Ziel ist es, Ihnen zu helfen, Ihre Finanzen selbstbewusst und systematisch zu steuern. Ich setze auf praxiserprobte Strategien, die auf fundierten Kennzahlen und klaren Regeln basieren – ohne Hype oder kurzfristige Spekulation.

Mein Weg: Von Siemens-Aktien zur professionellen Analyse

Meine Faszination für Finanzen begann früh. Die ersten eigenen Aktien (Siemens-Belegschaftsaktien 1980) weckten mein Interesse. Während meines Elektrotechnikstudiums vertiefte ich mich im Selbststudium in die Analyse von Aktien und Unternehmensdaten. Die Dotcom-Blase um 2000 war eine prägende Erfahrung – der Verlust von 50% des Kapitals verdeutlichte mir schmerzhaft: „Gier frisst Hirn“. Diese Lektion führte zur Entwicklung disziplinierter Strategien im Bereich Value Investing und Momentum.

Parallel zu meiner wachsenden Finanzexpertise war ich 29 Jahre bei Siemens in internationalen Positionen tätig (u.a. Netzplanung, technische Großprojekte, Vertriebsleitung). Diese Zeit verschaffte mir tiefe Einblicke in die Abläufe und Kennzahlen großer Konzerne – ein unschätzbarer Vorteil für die heutige Aktienbewertung. Ich war zudem im Research-Team eines Finanzinstituts und als Gutachter für einen Wirtschaftsverlag tätig.

Seit 2007 bin ich als unabhängiger Finanzdienstleister aktiv. Meine Analysen teile ich auch unter den Pseudonymen „Javo“ und "value-javo" auf Finanzplattformen.

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