Starke Branchendynamik, schwacher Kurs. Bei ITM Power klaffen Realität und Marktstimmung derzeit weit auseinander. Die Aktie des Wasserstoff-Spezialisten verlor im vergangenen Monat über 42 Prozent an Wert. Dabei fließen europaweit gerade dreistellige Millionenbeträge in neue Infrastrukturprojekte.

Millionen für den Wasserstoff-Ausbau

Der breite Wasserstoffsektor verzeichnet frische Kapitalzuflüsse. Das stärkt die Nachfrage nach Elektrolyse-Anlagen, dem Kerngeschäft von ITM Power. Die österreichische OMV sicherte sich kürzlich 123 Millionen Euro an Fördergeldern. Damit baut der Energiekonzern eine gewaltige 140-Megawatt-Anlage in Bruck an der Leitha. Bis Ende 2027 sollen dort große Mengen an grünem Wasserstoff entstehen.

Parallel dazu treiben Deutschland und Namibia den Aufbau einer Exportinfrastruktur voran. Die Europäische Union und die Bundesregierung unterstützen das Vorhaben mit zweistelligen Millionenbeträgen. Solche internationalen Großprojekte sichern den langfristigen Bedarf an PEM-Elektrolyseuren. Die aktuelle Kursschwäche der Hersteller steht dazu im klaren Kontrast.

Britische Energiepreise steigen

Im Heimatmarkt Großbritannien stehen in der kommenden Woche wichtige Veränderungen an. Ab dem 1. Juli 2026 steigen die britischen Energierechnungen um voraussichtlich 13 Prozent. Höhere Großhandelspreise für Gas treiben diese Entwicklung. Das ist ein bekanntes Muster. Teure fossile Brennstoffe beschleunigen traditionell den politischen Ruf nach heimischer Wasserstoffproduktion.

Flankiert wird dies vom „Warm Homes Plan“ der Regierung. Das 15 Milliarden Pfund schwere Investitionsprogramm zielt auf die Sanierung von fünf Millionen Haushalten ab. Es unterstreicht den massiven politischen Druck in Richtung Dekarbonisierung und Energieeffizienz.

Überverkauftes Terrain

Aus technischer Sicht wirkt die Aktie nach dem jüngsten Absturz überverkauft. Der Relative-Stärke-Index (RSI) notiert bei 36,6 Punkten. Verkaufsphasen enden oft in diesem Bereich.

Mit einem Schlusskurs von 1,30 Euro am Freitag bleibt das Papier weit unter der 50-Tage-Linie. Diese verläuft aktuell bei 1,76 Euro. Eine wichtige Unterstützung bietet die 200-Tage-Linie bei 1,04 Euro. Trotz des harten Monats steht seit Jahresbeginn immer noch ein Plus von rund 79 Prozent auf der Anzeigetafel.

Die extrem hohe 30-Tage-Volatilität von fast 99 Prozent verspricht eine unruhige Handelswoche. Anleger blicken nun auf den 1. Juli und die britischen Energiepreisanpassungen. Hält die aktuelle Basis bei 1,30 Euro, könnte die Aktie die Lücke zur 50-Tage-Linie schließen. Echte fundamentale Impulse liefern aber erst neue Großaufträge aus der europäischen Projektpipeline.