Nach dem Höhenflug folgt der harte Aufprall. Die ITM-Power-Aktie verliert seit dem 29. Mai über 47 Prozent — und allein in den vergangenen sieben Handelstagen brach der Kurs um fast 34 Prozent ein. Am Mittwoch fiel das Papier des britischen Wasserstoffspezialisten um weitere 10,68 Prozent auf 1,35 Euro.
Indexaufnahme als Falle
Der Auslöser für den Absturz liegt in der Mechanik der Finanzmärkte. Ende Mai nahm der MSCI United Kingdom Small Cap Index ITM Power offiziell auf. Vor diesem Datum hatten Arbitrageure und Hedgefonds die Aktie gezielt hochgekauft — in der Erwartung, dass passive Indexfonds zum Stichtag zwingend nachkaufen müssen. Diese Strategie funktionierte: Das Papier kletterte bis auf 2,58 Euro.
Seit die Indexfonds ihre Pflichtpositionen aufgebaut haben, wickeln die spekulativen Käufer ihre Positionen ab. Das drückt den Kurs systematisch nach unten. Mit 1,35 Euro notiert die Aktie jetzt fast 16 Prozent unterhalb des 50-Tage-Durchschnitts von 1,61 Euro.
Staatliche Rückendeckung, operative Fortschritte
Das Kursbild täuscht über die fundamentale Entwicklung hinweg. Die britische Wettbewerbsbehörde CMA schloss am 20. Mai ihre Prüfung ab und genehmigte einen staatlichen Zuschuss von 46,5 Millionen Pfund. Dieser ist Teil eines Gesamtpakets von 86,5 Millionen Pfund zur Skalierung der hauseigenen „Chronos“-Elektrolyseur-Technologie.
Im Zuge dieser Förderung sicherte sich die staatliche Gesellschaft Great British Energy einen Anteil von 10,8 Prozent an ITM Power. Das Kapital soll die Produktionskapazität am Standort Bessemer Park in Sheffield auf ein Gigawatt ausbauen.
Anfang Juni folgte eine strategische Partnerschaft mit Protium Green Solutions. Gemeinsam wollen beide Unternehmen industrielle Grüne-Wasserstoff-Anlagen entwickeln und betreiben — beginnend mit dem 15-Megawatt-Projekt Cromarty in Schottland. Eine finale Investitionsentscheidung für Cromarty ist für Dezember 2026 geplant.
Zahlen zeigen Wachstum, Markt bleibt skeptisch
Finanziell läuft es besser als je zuvor. ITM Power meldete für das erste Halbjahr 2026 einen Rekordumsatz von 18 Millionen Pfund. Das Management erhöhte die Jahresprognose auf 40 bis 43 Millionen Pfund. Die Liquidität bleibt mit einem erwarteten Kassenbestand von bis zu 215 Millionen Pfund komfortabel — kurzfristiger Kapitalbedarf ist damit kaum ein Thema.
Analysten von Jefferies und Morgan Stanley sehen ITM Power auf Kurs zum EBITDA-Break-even im Geschäftsjahr 2028. Der RSI liegt aktuell bei 34 — technisch nahe am überverkauften Bereich. Der 200-Tage-Durchschnitt bei 1,00 Euro bildet die nächste relevante Unterstützungszone, noch rund 26 Prozent unter dem aktuellen Kurs. Ob der Markt die operative Stärke des Unternehmens vor diesem Niveau einpreist, entscheidet sich in den kommenden Wochen — spätestens wenn die finale Investitionsentscheidung für Cromarty im Dezember ansteht.
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