Fast 87 Millionen Euro fließen in die Zukunft von ITM Power. Die britische Regierung und der staatliche Investor Great British Energy stecken das Geld in den Ausbau einer neuen Elektrolyseur-Fabrik in Sheffield. Für den angeschlagenen Wasserstoff-Spezialisten ist das ein dringend benötigtes Signal.
Staatsgeld für die neue Produktionslinie
Das britische Energieministerium DESNZ hat einen Zuschuss von 46,5 Millionen Pfund offiziell bestätigt. Das Geld fließt in eine neue Fertigungslinie für die sogenannte Chronos-Technologie am Standort Sheffield. Ziel ist eine Jahreskapazität von 1 Gigawatt, die volle Betriebsbereitschaft soll bis 2028 stehen.
Chronos markiert für ITM Power einen technischen Bruch mit dem bisherigen Design. Die neue Stack-Architektur kommt mit halb so vielen Bauteilen aus wie die Vorgängergeneration. Gleichzeitig verdoppelt sich die Leistungsdichte auf 2,5 Megawatt pro Quadratmeter. Die automatisierte Linie soll Membranverarbeitung, Schweißen, Beschichtung und Endmontage in einem durchgängigen Prozess bündeln.
Zusätzlich zum Staatszuschuss investiert Great British Energy weitere 40 Millionen Pfund als Eigenkapital. Beide Summen zusammen sollen die Bilanz des Unternehmens stabilisieren. Der Konzern befindet sich mitten im Übergang von der Forschung zur industriellen Serienfertigung.
CEO Dennis Schulz nannte die Finanzierung einen „Meilenstein für die britische Wasserstoffwirtschaft“. Sheffield solle sich damit als zentraler Standort für Wasserstofftechnologie etablieren. Rund 400 neue Arbeitsplätze sollen in der Region entstehen.
Aktie unter Druck trotz Kapitalspritze
Die Nachricht trifft auf ein Papier, das zuletzt kräftig schwankte. Seit Jahresbeginn steht die Aktie mit 89,39 Prozent im Plus, doch die vergangenen sieben Handelstage brachten einen Rücksetzer von 7,22 Prozent.
Aktuell notiert ITM Power bei 1,37 Euro. Das liegt deutlich unter dem 52-Wochen-Hoch von 2,58 Euro, das die Aktie Ende Mai erreichte. Die Marktkapitalisierung beträgt rund 914 Millionen Euro, der RSI von 42,7 deutet auf eine neutrale Marktlage nach der jüngsten Korrektur hin.
Trotz laufender operativer Verluste hält sich der Konzern eine vergleichsweise niedrige Verschuldung. Die hohe annualisierte Volatilität von über 106 Prozent zeigt aber, wie nervös der Markt das Papier weiterhin handelt.
Wachsendes Auftragsbuch in einem überfüllten Markt
Parallel zum Fabrikausbau sammelt ITM Power weitere Projekte ein. Der Konzern liefert Anlagentechnik für das 15-Megawatt-Projekt Cromarty mit Partner Protium, ein 20-Megawatt-Vorhaben für MorGen Energy sowie eine 120-Megawatt-Installation für Uniper.
Der globale Elektrolyseur-Markt bleibt jedoch hart umkämpft. Weltweit stehen rund 61 Gigawatt Produktionskapazität zur Verfügung, aktiv im Betrieb sind davon aber nur etwa 2,15 Gigawatt. Diese Lücke zwischen gebauter und tatsächlich genutzter Kapazität zeigt, wie schwer sich die Branche mit der Nachfrage tut.
Genau hier setzt ITM Power an. Weniger Bauteile und höhere Leistungsdichte sollen die Produktionskosten senken und die Kosten pro Kilogramm Wasserstoff drücken. Ob das reicht, um sich in einem Markt mit derart hoher Überkapazität durchzusetzen, hängt vor allem davon ab, wie schnell die neue Linie in Sheffield ab 2028 tatsächlich liefert.
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