Millionenschwere Fördergelder aus London, ein strategischer Partner namens Rheinmetall, eine Kasse mit fast 200 Millionen Pfund — und trotzdem bricht die Aktie durch eine wichtige technische Marke. Bei ITM Power passen Fundamentaldaten und Kursverlauf gerade nicht zusammen.
Der Wasserstoff-Spezialist schloss am Dienstag bei 1,30 Euro. Damit rutscht die Aktie unter ihren 100-Tage-Durchschnitt von 1,34 Euro. Ein technisches Warnsignal, das gegen den seit Jahresbeginn positiven Trend steht.
Der Bruch einer wichtigen Marke
Der Rückgang unter den 100-Tage-Schnitt markiert einen Wendepunkt. Über die letzten 30 Tage hat die Aktie 16,67 Prozent verloren, auf Wochensicht ging es um 4,55 Prozent nach unten. Vom 52-Wochen-Hoch bei 2,58 Euro, erreicht am 29. Mai 2026, trennen die Aktie inzwischen fast 50 Prozent.
Das Bild bleibt gemischt. Zum 200-Tage-Durchschnitt notiert die Aktie noch gut 20 Prozent im Plus, und seit Jahresanfang steht ein Gewinn von 79,19 Prozent zu Buche. Der Relative-Stärke-Index liegt bei 39,6 — die Aktie kühlt ab, überverkauft ist sie damit aber noch nicht. Die annualisierte 30-Tage-Volatilität von 105,58 Prozent zeigt, wie nervös der Handel in diesem Segment aktuell verläuft.
Fördergelder fließen, Verkäufer bleiben
Der Kursrückgang überrascht angesichts der jüngsten Nachrichtenlage. Am 9. Juli 2026 bestätigte das britische Ministerium für Energiesicherheit (DESNZ) offiziell einen Zuschuss von 46,5 Millionen Pfund für das „Chronos“-Elektrolyseur-Projekt von ITM Power. Hinzu kommt eine Eigenkapitalinvestition von 40 Millionen Pfund durch Great British Energy.
Beide Summen fließen in eine automatisierte Fertigungslinie mit einem Gigawatt Kapazität am Standort Sheffield. Die offizielle Bestätigung dieser Gelder konnte den Verkaufsdruck der vergangenen Tage aber nicht stoppen. Marktbeobachter sprachen am Mittwoch von einem breiten Ausverkauf, der frühere Favoriten im Wasserstoffsektor erfasst.
Steigende Ölpreise durch geopolitische Spannungen hätten eigentlich eine Rotation zurück in alternative Energien begünstigen sollen. Stattdessen dominieren Gewinnmitnahmen und eine breitere Marktkonsolidierung das Bild.
Rheinmetall als Stabilitätsanker?
Inmitten der Konsolidierung richtet sich der Blick der Anleger auf strategische Partnerschaften. Die Kooperation mit dem Technologiekonzern Rheinmetall gilt als möglicher stabilisierender Faktor. Im April 2026 hatten beide Unternehmen das Projekt „Giga PtX“ gestartet, das auf industrielle Wasserstofflösungen im großen Maßstab zielt.
Operativ zeigt ITM Power Fortschritte. Das Unternehmen konnte seine EBITDA-Verluste reduzieren und verfügte laut letztem Zwischenbericht über eine Kassenposition von rund 197,8 Millionen Pfund. Der Markt honoriert das derzeit kaum — technische Stabilität und bestätigte Auftragsbestände zählen momentan mehr als langfristiges Projektpotenzial.
Die nächste wichtige Gelegenheit für eine Neubewertung bietet sich am 12. August 2026. Dann veröffentlicht ITM Power seine nächsten Geschäftszahlen.
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