ITM Power steckt in einem Widerspruch. Die Geschäfte laufen gut, der Kurs bricht trotzdem ein. Am Donnerstag legt die Aktie des britischen Elektrolyseur-Herstellers um 2,97 Prozent auf 1,18 Euro zu — eine erste Erholung nach massiven Verlusten.

Der Blick auf die vergangenen 30 Tage zeigt das Ausmaß der Baisse. Die Aktie verlor in diesem Zeitraum 28,53 Prozent an Wert. Am Dienstag brach der Kurs an einem einzigen Tag um rund fünf Prozent ein, obwohl das Unternehmen im Juli mehrere positive Nachrichten präsentierte.

Fundamentaldaten und Kursverlauf laufen auseinander

Diese Lücke zwischen operativem Fortschritt und Börsenbewertung beschäftigt Investoren seit Wochen. Der 14-Tage-RSI liegt bei 38,6 Punkten. Das signalisiert eine Annäherung an überverkauftes Terrain.

Ein Blick auf den langfristigen Trend liefert dennoch Anlass zur Beruhigung. Der aktuelle Kurs liegt 7,85 Prozent über dem 200-Tage-Durchschnitt von 1,09 Euro. Der übergeordnete Aufwärtstrend aus dem laufenden Jahr bleibt damit intakt, auch wenn die Aktie inzwischen 54,23 Prozent unter ihrem Jahreshoch notiert.

Der Staat steigt ein

Der wichtigste Treiber der vergangenen Wochen kommt nicht vom Markt, sondern vom britischen Staat. Great British Energy, das staatliche Energie-Investmentvehikel des Vereinigten Königreichs, hat sich mit einer Kapitalspritze von 40 Millionen Pfund eine Beteiligung von 10,4 Prozent an ITM Power gesichert. Das Geld fließt gezielt in die Automatisierung der Produktionslinien am Standort Bessemer Park in Sheffield.

Kurz darauf folgte ein zweiter staatlicher Baustein. Das britische Ministerium für Energiesicherheit und Net Zero bewilligte einen Zuschuss von 46,5 Millionen Pfund, eingebettet in ein größeres Förderpaket von 86,5 Millionen Pfund. Das Geld dient der industriellen Skalierung der neuen Elektrolyseur-Plattform „Chronos“, die die Energieeffizienz um 10 Prozent steigern und die Herstellungskosten um rund 40 Prozent senken soll.

Zwei staatliche Institutionen setzen damit binnen kurzer Zeit auf dasselbe Unternehmen. Das ist ein deutliches Signal — auch wenn es den Kurs bislang nicht stabilisieren konnte.

Analysten bleiben bei optimistischen Kurszielen

Trotz der Kursschwäche halten mehrere Investmentbanken an ihren positiven Einschätzungen fest. Berenberg hob das Kursziel jüngst auf 200 Pence an, umgerechnet etwa 2,37 Euro. Die Analysten verweisen auf das Wachstumspotenzial des „Giga PtX“-Projekts und die strategische Zusammenarbeit mit Rheinmetall.

Morgan Stanley bleibt ebenfalls bullish und nennt ein Kursziel von 170 Pence, umgerechnet rund 2,02 Euro. Die Bank hebt die Rolle von ITM Power beim Aufbau der britischen Wasserstoff-Infrastruktur hervor.

Der Jahresbericht als Testfall

Im August 2026 veröffentlicht ITM Power den Geschäftsbericht für das am 30. April 2026 beendete Geschäftsjahr. Investoren richten den Blick auf vier Punkte:

  • Bestätigung des Ziels einer jährlichen Fertigungskapazität von 1 Gigawatt
  • Entwicklung des Auftragsbestands, der zu Jahresbeginn bei 152 Millionen Pfund lag
  • Fortschritte beim „Hydropulse“-Modell, das den Bau und Betrieb eigener Wasserstoffanlagen umfasst
  • Zeitplan für den operativen Break-even, den einige Analysten für das Geschäftsjahr 2028 erwarten

ITM Power wandelt sich vom Technologieentwickler zum Großserienfertiger. Der Jahresbericht im August wird zeigen, ob die Kombination aus staatlicher Förderung und vollen Auftragsbüchern den Wandel bereits finanziell absichert.