ITM Power fällt am Donnerstag um 4,90 Prozent auf 1,26 Euro. Der Rückgang kommt zu einem eigenartigen Zeitpunkt. Erst kürzlich haben Analysten ihr Kursziel deutlich angehoben, zudem hat der Wasserstoff-Spezialist frisches Staatsgeld für seine Fertigung gesichert.

Der breite Sektor bremst

Der Kursrutsch trifft nicht nur ITM Power. Europäische Aktienmärkte geben derzeit insgesamt nach. Steigende Anleiherenditen und die Erwartung neuer EZB-Entscheidungen verunsichern besonders zinssensible Branchen wie die Erneuerbaren.

Der norwegische Wettbewerber Nel ASA hat am 15. Juli seine Zahlen für das zweite Quartal 2026 vorgelegt. Der Umsatz sank im Jahresvergleich um 12 Prozent. Nel betonte zwar Fortschritte bei der nächsten Technologie-Generation, die schwachen Zahlen befeuern aber die Vorsicht gegenüber der gesamten Elektrolyseur-Branche.

Berenberg sieht deutlich mehr Potenzial

Zwischen Kurs und Analystenmeinung liegen Welten. Berenberg hat sein Kursziel für ITM Power kürzlich auf 200 Pence angehoben, umgerechnet rund 2,38 Euro. Die Einstufung bleibt bei „Buy“. Anfang Juli begründeten die Analysten die Anhebung vor allem mit der Partnerschaft mit Rheinmetall im Projekt „Giga PtX“.

Die Kooperation mit dem deutschen Rüstungskonzern gilt als wichtiger Wachstumstreiber. Im Fokus stehen Energiesicherheit und dezentrale Kraftstoffproduktion für kritische Anwendungen. Berenberg sieht darin einen möglichen Anker für die nächste Wachstumsphase und verweist auf das Potenzial von bis zu 1.500 Anlagen europaweit.

Trotz dieser Aussicht notiert ITM Power aktuell rund 51 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch von 2,58 Euro. Die Lücke zwischen Kurszielen und Marktrealität bleibt also beträchtlich.

Staatsgeld für die Chronos-Fertigung

Parallel zur Analystenanhebung hat ITM Power ein Finanzierungspaket über 86,5 Millionen Pfund fest eingetütet. Davon stammen 46,5 Millionen Pfund als Zuschuss vom britischen Energieministerium DESNZ. Weitere 40 Millionen Pfund kommen als Eigenkapital-Investment von Great British Energy.

Das Geld fließt in eine automatisierte Fertigungslinie am Standort Sheffield. Ziel ist eine jährliche Produktionskapazität von 1 Gigawatt für den neuen Elektrolyseur-Stack „Chronos“. Nach Unternehmensangaben soll Chronos die Energieeffizienz um 10 Prozent steigern und die Kosten gegenüber der Vorgängergeneration um 40 Prozent senken.

Charttechnik zeigt Konsolidierung

Technisch befindet sich ITM Power in einer Seitwärtsphase. Der Kurs liegt zwar 15,93 Prozent über dem 200-Tage-Durchschnitt von 1,09 Euro, gleichzeitig aber deutlich unter dem 50-Tage-Durchschnitt von 1,61 Euro. Der RSI steht bei 41,3 — ein neutrales bis leicht negatives Signal.

Die Jahreszahlen im August 2026 dürften zeigen, ob ITM Power die gesicherten Fördergelder und die Rheinmetall-Partnerschaft in echtes Umsatzwachstum ummünzen kann. Erst dann wird sich zeigen, ob sich die Lücke zwischen Berenbergs Kursziel und dem aktuellen Kurs schließt.